Island…

Nachdem der Fotograf im letzten Beitrag den Nullpunkt erreicht hat geht es jetzt noch weiter runter… :-) Mittwoch morgen, 3.30 ….ganz Hamburg schläft…ganz Hamburg ? Nein ein unerschrockener Held des Bildes hüpft bei -15 Grad um seine Kamera herum…das ist kein altindianisches Ritual um zu tollen Fotos zu kommen sondern der simple Versuch sich warm zu halten…und stösst dabei diverse Flüche aus…ja, auf Island stellst du deine Kamera auf ein Stativ , drehst dich einmal um die Achse und hast 30 supertolle Landschaftsfotos um die dich die Daheimgebliebenen beneiden…aber hier ? Ich stehe an einer von Hamburgs unwirklichsten Kreuzungen unter einer maroden Brücke…der Sternbrücke…In spätestens einer Stunde bricht hier die Hölle des Berufsverkehrs aus , oben die Hauptstrecke der Eisenbahn und unten eine 4 spurige Ein/Ausfallstrasse… und das bleibt dann auch bis spät abends so…Der Zufall hat mich aber nicht hier hin getrieben , ich bin sozusagen in offizieller Mission unterwegs…Da man ja als Soloselbstständiger heutzutage weder vom Erst- noch vom Zweitjob leben kann habe ich seit 1 Jahr auch noch einen dritten Job…ich darf an diversen VHS in Hamburg und drumherum ahnungslose Fotoenthusiasten mit meinem Wissen quälen…und die bezahlen auch noch dafür ! Ein herzliches Dankeschön also von dieser Seite dafür….jetzt aber hat es mich erwischt….Predige ich nicht ständig das das Fotografieren im Hochsommer bei 25Grad und Sonnenschein ein NO GO ist wohingegen Regen, Nebel und Schnee optimal für interessante Fotos wären…und gestern Abend begann es zu schneien…Tja, wer Wein predigt sollte seine Fotos nicht im Trockenen machen….oder so ähnlich…Mist ist nur das der Schnee meistens mit diesen Minustemperaturen daherkommt….:-) noch eine halbe Stunde , dann öffnet wenigstens der Frühkiosk unter der Brücke…ich sollte mich vielleicht schon mal für eine heisse Tasse Kaffee anstellen…oder gleich einen doppelten Klaren auf Ex ? Dann verschütte ich wenigstens den Kaffee nicht mit den vor Kälte zitternden Händen…Das kommt nun davon wenn man Fotokurse in Hamburg leitet, statt auf einem Kreuzfahrtschiff…wobei da ja auch gerade nichts zu tun ist…hier hingegen schon, die Brücke soll nämlich abgerissen werden und einem protzigen Neubau weichen …das finden wiederum die Nachbarn nicht nett und es gibt diverse Bürgerinitiativen gegen den Neubau, für den Neubau oder für …egal, mein VHS Kurs begleitet das ganze und dokumentiert fotografisch die Geschichte dieser Hamburger Ecke bis zum fertigen Neubau…und der Kursleiter geht unerschrocken mit schussbereiter Kamera voran..äh…steht herum und wartet das sich irgendetwas tut…das sollte es auch denn bald wird es hier gefährlich…was sind schon freilebende Eisbären mit Heisshunger in Island gegen sich überholende 40 Tonner auf der Stresemannstrasse unter der Sternbrücke in Hamburg…

Der Nullpunkt….

ist erreicht…wenn man Schlüssel zu 2 Wohnungen hat in denen gleichermassen halbvolle, zuvolle und leere Umzugskartons stehen, ausgepackte, eingepackte und noch zu verpackende Kartons in verschiedensten Grössen…und man sich fragt wie man in diesem Chaos wohl das Brotschneidemesser wiederfinden soll…Schachmatt…die Suche fördert dann Gegenstände zutage die man seit 10 Jahren vermisste…oder auch nicht…manches taucht wieder auf, manches verschwindet…der Fotograf hat noch den Spruch seiner Oma im Kopf : 3 mal umziehen ist wie einmal abgebrannt…nun, ganz so heftig ist es nicht aber was ist schon eine Survivalreise durch den Amazonas gegen den Versuch der Telekom einen bestehenden Anschluss ins neue Domizil zu verlegen…egal, irgendwann funktioniert wieder alles irgendwie..schnell alles zuspachteln und Farbe drüber…

Doch ich schweife ab…eigentlich wollte ich von einem ganz anderen Nullpunkt erzählen…als im vergangenen Herbst die Meldung kam das in 3 Tagen ein neuer Lockdown beginne tat ich das was man eigentlich nicht tun sollte….sich ins Auto setzen und reisen….immerhin allein mit 1,50Meter Abstand um mich herum :-) Die Fotoreisegeschichte über die B96 sollte unbedingt einen (vorläufigen) Abschluss finden…also 800km Autofahrt um das alles entscheidende Schild zu knipsen…Fotografen haben irgendwie einen an der Waffel :-)

Ich war schon mal kurz zuvor in Zittau gewesen…sehr beeindruckend…nur das Schild fand ich nicht , aber mit einer mail an die Stadt Zittau lies sich die Stelle lokalisieren…in Zittau selbst ist der Beginn der B96, in Sassnitz auf Rügen das Ende…aber wo dort wirklich Schluss ist kann man in Zittau unendlich im Kreis laufen…die B96 endet nicht einfach, sie verläuft als Ringstrasse um die Altstadt auf der alten Wallanlage. In Zittau ist es dabei so das die Altstadt eher neu ist, also renoviert, wohingegen fast alles jenseits des Wallringes…nun ja, renovierungsbedürftig erscheint. Das kam mir als Sohn des Ruhrgebietes sehr bekannt vor , eine Region die ihre gesamte Industrie verloren hat und von Erinnerungen lebt…kurzum , ich fühlte mich sofort wohl und machte mich auf die Schildersuche…

Trara !!! Da ist es …wie, komisch normales Schild mit uninteressanter Umgebung ? belangloses Foto ohne erkennbare Gestaltung und Sinn ? Tja, vielleicht hätte sich die Stadt Zittau wenigstens um effektvolle Beleuchtung des Null Kilometer Schildes bemühen können , doch angesichts einstürzender Altbauten müssen hier andere Prioritäten gesetzt werden…

zumindestens mein Hotel aber erwies sich als frisch renoviert…obwohl ich schon gerne mal als erster Gast seit 20 Jahren durch das verlassende Hotel Stadt Görlitz gespukt hätte…und siehe da, ganz in Liverpooler Industrietradition hat auch Zittau einen STAR CLUB, leider Corona bedingt ziemlich verweist…

Also, wer dann in Nachcoronazeiten mal seine Starqualitäten ausprobieren will, Zittau ist eine Reise wert und dann hier durch das Tor und gaaaanz hinten rechts halten…Nach 2 Tagen musste ich zurück, das Hotel warf mich bedauernd hinaus , cooronabedingter Lockdown mit Übernachtungsverbot…

…kaum war ich wieder zu Hause warf mich mein Vermieter hinaus…mittels zweier Presslufthämmer über mir und dem Argument der Kernsanierung…aber in diesem Jahr wird alles anders…habe jetzt nach dem Schleppen von ca. 300 Umzugskartons massig Muskelmasse angesetzt…und wenn ich nun diesem Coronadingsda begegne werde ich mal jemanden hinauswerfen :-)

Oh du fröhliche…

….Au , Mist, wieso steht hier ein Schrank im Weg…Lichtschalter..geht nicht, stockdüster…wo war nochmal der Stuhl…ach so, eingepackt…schepper, das war das Fotostativ, jetzt nur nicht den Computer vom Tisch fegen , Moment , der steht doch neuerdings auf den beiden gestapelten Bücherkisten, aber wo bitte schön stehen die wiederum ? Jetzt die Nerven behalten und vorsichtig tapsend durch den dunklen Raum bewegen..tast…tast…ah, das müsste er sein…Einschaltknopf, der Monitor leuchtet auf, endlich Licht im Raum…erschöpft lässt sich der Fotograf auf der Archivkiste mit alten Fotos nieder…sein momentaner Bürostuhl….besinnliche Vorweihnachtszeit…wenigstens arbeitet die Kaffeemaschine noch, auch wenn sie vorübergehend auf dem Drucker Platz gefunden hat…Der Fotograf schaut sich um..sein ganzes Leben geordnet verpackt und beschriftet in handlichen Kartons…ganz hinten lugt ein Weihnachtsbaum hervor, der sollte aufgestellt werden aber dazu müsste ich ca. 35 Kisten aus dem Weg räumen….allein , der Platz dafür ist nicht da, also bleibt er eingepackt… Weihnachten im Miniformat, so geht es wohl vielen von uns aus den diversen Gründen…aber wenn schon die Weihnachtskerzen nicht leuchten muss irgendwas buntes fröhliches her…so ein Foto aus Duisburg beispielsweise, wo es ja eigentlich überwiegend eher grau zugeht….mit Bildbearbeitung lässt sich das natürlich etwas aufhübschen….so leicht atomar verstrahlt, da leuchtet der Raum im Monitorlicht schön bunt..Affinity Photo sei dank :-) Halbwegs passabler Kerzenscheinersatz wenn man nur fest genug daran glaubt…Zeit für eine Jahresbilanz ? Sinnlos solange man noch mitten in der Sch…steckt. Eins ist aber klar : Anfang des neuen Jahres packe ich mein Leben wieder aus, an einem anderen Ort…eigentlich eine gute Chance sein Leben zu entrümpeln und einen Neustart anzugehen…ok, am 24.12 werden die Wände gestrichen , am 25.12 die Fenster geputzt und am 26.12 bekommt der Keller seine neue Fussbodenfarbe…genug Fertigpizzen liegen im Kühlschrank und müssen weg bevor der abgetaut wird….Festtagsprogramm der etwas anderen Art aber garantiert Coronaisolierungsplan konform…Ob ich den Blog hier gleich mitwegwischen soll ? Oder auch hier einen Neustart ? Oder alles beim Alten lassen ? Werde genug Zeit haben beim Wandstreichen darüber nachzudenken…und ab und zu einen sehnsuchtsvollen Blick auf die sicher und tief verpackten Fotokameras werfen….Euch aber, ihr geschätzten Mitleser und Mitgucker möchte ich für eure Treue, Kommentare und Geduld danken ! Ich wünsche Euch alles Gute für die Festtage und in dieser Zeit, vor allem aber bleibt gesund und findet die Kraft auch aus dieser Krise wieder herauszufinden. Herzlicher Gruss, euer Jürgen.

Reise zum Nullpunkt…

….der Fotograf steht sinnend am Fenster und versucht heraus zu schauen…das geht nicht mehr, seit einigen Tagen steht ein Baugerüst mit Vollverkleidung ums Haus…vor 13 Jahren war mal die Rede von Dachgeschossrenovierung, ob das…Telefon klingelt, die Hausverwaltung…ob ich schon wüsste das ich in 7 Tagen umziehen müsste…sie hätten da auch schon eine Ersatzwohnung, genauso teuer aber 50qm kleiner..äh—höhere Mathematik ? Nein, Hamburger Verhältnisse…das Telefon klingelt erneut…der Coronavertraute der Regierung…was immer ich noch vorhätte dieses Jahr …zum Reisen bleiben noch 3 Tage bis zum neuen Lockdown…mittlere Panik …eigentlich wollte ich doch meine B96 Geschichte weiter fotografieren. Blick auf den Wetterbericht…Kameratasche packen…runter zum Auto..weg aus dieser tollen Welt solange es noch geht…ab nach Zittau , über die B96, mit einem kleinen Abstecher über Lauchhammer …ehemals blühendes Industriegebiet in der Lausitz…heute blüht höchstens das Unkraut in den Hausruinen…davon gibt es hier viele…Nullpunkt ohne grosse Aussicht auf Besserung…auf dem Bild oben übrigens die bekannten Türme, Reste der grössten Braunkohle Kokerei der ehemaligen DDR…als ehemaliger Ruhrgebietler kenne ich solche Landschaften zu gut…alles wegrasiert und Gras gesät…kaum Menschen zu sehen, und wenn dann hinter Gardinen….Übernachten erneut in Finsterwalde…einer der letzten warmen Tage, das Hotelfenster weit auf, im Fernsehen eine Wiederholung einer Schlagersendung mit dem ewig lächelten Herrn Silberdingsda…ein Glas Rotwein, leise mitsingen zu den bekannten Schlagern…heute ist alles erlaubt und langsam bessert sich die Nullstimmung…morgen dann die ultimative Reise zum Nullpunkt…ok, nicht ganz soweit wie die Reise zum Mittelpunkt der Erde eines Herrn Jules Verne…aber immerhin bis Zittau…dort gibt es ein kleines Schild mit einer grossen Null, direkt am Strassenrand…der offizielle Nullpunkt und Anfang der B96…irgendwie hat es dieses Jahr mit Symbolik…hätte vor 12 Monaten nicht gedacht das die Reise zum Nullpunkt so wörtlich für mich zu nehmen ist…atemlos durch die Nacht….äh, lassen wir das :-)

Im Finster-Walde….

….nach meinem letzten Waldabenteuer steuerte ich mein Hotel an, passenderweise im Ort Finsterwalde an der B96…es galt die Fotoserie über die B96 fortzuführen und mal zu schauen ob der Ort seinem Namen Ehre macht…vorher aber war noch ein Foto zu machen, nächst Finsterwalde und der B96 steht F60…ein riesiger Braunkohlebagger und heute ein Besucherbergwerk …da kann man bestimmt nicht gut fotografieren…der Plan war sich von hinten anzuschleichen…auf der Karte war ein passender Waldweg eingezeichnet…nun ist die Oberlausitz etwas speziell…wo gestern noch Wege und Dörfer waren sind heute tiefe Löcher oder hübsche Badeseen ….ich fuhr also Slalom um die Schlaglöcher des Waldweges, in der Ferne die Umrisse des Baggers…in der Ferne … Die wenigen Einheimischen schauten verständnislos und unter der Ölwanne gab es merkwürdige Geräusche..nach 2 Stunden gab ich auf, fuhr zurück auf die Hauptstrasse, zahlte Eintritt im Besucherbergwerk und stand inmitten zahlloser Rentnergruppen und Würstchenständen …sehr beeindruckend….das einzige Bild entstand dann aus der Ferne, im Rücken einer jener Badeseen , etliche Wohnmobile und kreischende Kinder….Finsterwalde F60 an der B96 B

…ich gedachte den aufkommenden Frust in Finsterwalde mit Ouzo zu ertränken…allerdings erwies sich der Grieche als waschechter Inder mit Hang zu Biftekigerichten..da half nur der Griff zur Schokolade aus der Autobordapotheke…

Am nächsten Morgen schnell weiter, immer die B96 entlang Richtung Bautzen…voller Hoffnung nun endlich mal ein tolles Fotoobjekt vor die Linse zu bekommen….

Die Hoffnungslosigkeit blieb aber nicht allein auf mich beschränkt….dann erspähte ich am Rand der B96 ein kleines Porträtfotostudio…sowas wollte ich auch immer mal haben…leider konnte die Fotografin von den wenigen Hochzeiten nicht leben und wohnt mittlerweile in Berlin….trotzdem sehr liebevoll arrangiert…Schnief…Taschentuch…Gedenkminute, Foto machen..

Hinter Senftenberg fuhr ich dann an einem grossen Plattenbau vorbei, der Heimat der Braunkohlewühlmäuse…doch die eigentliche Platte erwartete mich dann im nächsten grösseren Ort…Hoyerswerda…wobei das ein bisschen ungerecht ist, der eigentliche Ort ist durchaus beschaulich, die sogenannte Neustadt allerdings….

Danach löst Natur den Beton ab, es wird kleiner, grüner, dörflicher, hügeliger…eigentlich recht schön wenn nicht die Einheimischen den merkwürdigen Brauch pflegen sich am Sonntag an die B96 zu stellen und Schilder hochzuhalten : Merkel muss weg …und : Schluss mit der Asylantenflut….Der Sturm und Flut erprobte Fotograf hielt allerdings vergebens Ausschau , das einzig fremdländische im Ort war der gutbesuchte Dönerimbiss…

Immerhin hupte die vorbeifahrende Jugendfeuerwehr Senftenberg fröhlich…ich zog es vor den Ort schnell zu verlassen….es ging weiter direkt auf Bautzen zu , etwas kompliziert weil die alte B96 durch eine neue Umgehungsstrasse ersetzt wurde , ich fuhr bei strömendem Regen über die alte Wegführung nach Bautzen rein…zugegebenermassen war das Panorama schon beeindruckend …Zu extrem selbst für mein 11mm Superweitwinkel weshalb das Foto aus drei Bildern zusammengesetzt ist…und allein die Regentropfen aus dem Bild heraus zu retuschieren dauerte 1 Stunde, durch das extreme Weitwinkel mit der gewölbten Glasoberfläche wurden sie recht scharf abgebildet.

Tja, das wars schon mit dem Fototag, auf zum Hotel (s.bitte auch den vorherigen Bericht :-) Ich würde die Strecke nochmal fahren müssen, es muss doch noch etwas geben was ich übersehen habe…und dann steht das grösste Abenteuer bevor : Überleben in Zittau am Nullpunkt , dem Ursprung alles Lebens ..äh, nun zumindestens der B96 :-)

Im Wald….

…der Fotograf denkt er steht im Wald…dabei steht er in einem kleinen Dorf in der Näher des Lausitzringes…Sonntag morgen , 9.00 Uhr , die Nacht durchgefahren um am Rande der B96 eine andere Location zu besichtigen…manchmal sieht man ja bei Kollegen Fotos und denkt sich…hm, da muss ich auch mal hin, schauen wie ich das wohl fotografieren würde…aber hier ist von der Location weit und breit nichts zu sehen, genauso wenig wie sich irgendeine Menschenseele blicken lässt…und dann reisst auch noch der Himmel auf und die Sonne lässt sich blicken…meine Laune sinkt auf den Tiefpunkt …erstmal lauwarmen Kaffee aus der Thermoskanne und ein durchweichtes Käsebrötchen…Photographers Sunday Breakfast…Nach einer halben Stunde öffnet sich eine Tür…ein echter Mensch tritt heraus, schnell hin , fragen…kopfschüttelnd schaut der Mensch sich die ausgedruckten Bilder an..ne, noch nie gesehen, das kann hier nicht sein …ratlos tritt der Fotograf von einem Bein auf das Andere…Stille im Dorf…Die Aktion war wohl irgendwie nicht gut geplant…trotz stundenlangem online Google Street gucken…ich gehe zurück zum Auto, 11.00 , der Tag ist gelaufen…dahinten hält ein Auto, 2 Leute steigen aus, letzte Chance…die Frau zuckt ratlos die Schultern…der Mann überlegt…rennt ins Haus , kommt mit einer Karte zurück…ich habe es …ruft er, hab dort vor Jahren mal einen LKW geparkt…ich nehme mir insgeheim vor nie wieder über LKW Fahrer zu schimpfen wenn sie sich auf der Autobahn gefühlt stundenlang gegenseitig überholen…Meine Location die ich als russische Kaserne angesehen hatte entpuppt sich als ehemaliges Stasi Regiment, ca. 150 Km zurück Richtung Berlin….Dort stehe ich dann wirklich im Wald…

Tarnung ist halt alles….aber was soll ich hier nun fotografieren…? Das bekannte Problem auf das ich auch ab und zu reinfalle …man sieht was bei anderen Fotografen, denkt sich…das kriege ich besser hin…und dann vor Ort…holt es einen dann ganz schnell runter…und die Sonne scheint weiterhin….also später in Photoshop den Himmel austauschen, alle Schatten rausretuschieren, Regenpfützen bauen…ach ne…ich laufe einmal durch die Anlage, versuche mehr oder weniger lustlos ein paar Fotos…ich hätte es wissen müssen, nicht mein Ding…lost places sollen besser andere fotografieren…die können das wenigstens….on the road again…Richtung Finsterwalde…wie der Hohn passend…dort gehts dann wieder an die B96 Geschichte…und nochmal passiert mir sowas nicht….bis zum nächsten Mal :-)

Residence…

….Knall, knirsch, rasch den Lenker rumreissen…man sieht die Hand vor Augen nicht…und warum bauen sie hier Bordsteinkanten in Stockwerkhöhe…schei…hoffentlich hält der reifen den Riss aus…kommt davon wenn man mit dem Handy auf dem Beifahrersitz navigiert…tief im Osten…was, Navi…? Doch habe ich aber rechtzeitig zu Beginn der Reise fiel die gesamte Bordelektronik aus…kein Radio, okay, dagegen konnte ich laut ansingen, mit geöffnetem Fenster alle deutschen Schlager die mir so einfielen…kein Navi, da musste das Handy her….mit durchschlagendem Erfolg…und wo bin ich hier überhaupt…okay, links von mir liegt die B96 und das Hotel müsste rechts davon liegen…es fängt an zu regen, ich bin seit 12 Stunden unterwegs, es wird Zeit für ein gemütliches Hotel…in zentraler ruhiger Lage…da ein Schild…schnell gewendet, ab ins Industriegebiet…alles stockdunkel….Einbahnstrassen sind mir egal, sehe keine Menschenseele…schummrige Beleuchtung, dunkle Hauseingänge…im Tatort findet an solchen Stellen immer die Lösegeldübergabe statt…da ist es, direkt vor mir…stockdunkel…im Licht des Autoscheinwerfers lese ich nochmal die Buchungsbestätigung…das ist es wirklich…die Tür ist auf, modriger Geruch …die Rezeption verschlossen…ich klingel..nichts…ich wähle die angegebene Telefonnummer…dreimal in 10 Minuten…dann ein …was wollen sie…ach so, ….unter der Dusche…verstehe…kurz darauf steht ein tropfnasses Männchen im Bademantel vor mir…schiebt mir einen Schlüssel rüber…murmelt was von…3.Stock…und verschwindet wieder….ich finde das Zimmer…genauso habe ich mir eine Übernachtungsmöglichkeit im real existierenden Sozialismus vorgestellt…30 jähre alte Holzmöbel, Flutlicht und das Zimmer stinkt nach Plastik und Chemie …ich reisse das Fenster auf …dann lese ich nochmal die Eigenwerbung des Hotels die auf dem Nachtschrank liegt…Residence Hotel, ihr modernes ruhiges Tagungshotel im Herzen von Bautzen….von unten dröhnte die 4 spurige B96, bis zur Innenstadt dauert es 30 Minuten bei strömendem Regen…und modern war das Hotel bestimmt mal Anfang der 70er….aber ich hätte vorgewarnt sein müssen….bei dem Namen des Hotels …Residence….buche nie ein Hotel mit so einem Namen, das kann nicht gut gehen…warum vorgewarnt ? Nun , seit Jahren fahre ich in Süssau an der Ostsee an eine schäbigen Pizzeria vorbei…sie nennt sich : Zur schönen Adria…und die Dorfdisco direkt daneben in der umgebauten Scheune heisst : NEW YORK Nights :-)

Second Life….

….ok, dann bauen wir hier einen Schrottplatz hin und reissen dort die Apfelwiese dafür ab…und wieso ist der Baum da im Herbst so grün ? Das müssen wir umfärben und noch ein paar Menschen zusammenkleben, für die Kohlenhandlung …schön dreckig..ach, der Kesselwagen braucht noch etwas glänzendes Öl obendrauf und die Hamburger Beschriftung…draussen beisst das Virus wieder mehr oder weniger unschuldige Spaziergänger, da ist die Welt drinnen definitiv besser…und mal unter uns, hat nicht jeder irgendwie irgendwo ein Second life ? Nein, ich spekuliere nicht auf ein Leben im Jenseits , Second Life muss jetzt her…digital gab es da mal so was , ein jeder wollte mitmachen, sogar grosse Firmen hatten auf einmal eine digitale Zweitexistenz…allein, nach 10 Stunden Bildbearbeitung mit Photoshop reichte mir meine Monitorcomputerexistenz für diesen Tag völlig aus, da sollte das Second life schon etwas mehr im realen Leben verankert sein..und mal ehrlich, wir sind uns einig ….früher war definitiv alles besser…statt auf kleinen Handys die Abfahrtzeiten ausgefallener ICE Züge zu erfahren rollte die Dampflok mit ihren 4 Personenwagen pünktlich im Bahnhof ein…und das sogar bei Schneefall oder Temperaturen über 25 Grad ! So sollte es wieder sein und ich griff statt Tablett und Maus zu Pinzette und Klebstoff…zurück in die Zukunft der 60er wo es nur 3 Fernsehprogramme gab und man die Autos noch selbst reparieren konnte…und wenn das mit der Kohle im aktuellen Leben nicht so richtig klappen wird, ha, nullo Problemo, bau ich mir halt ne Kohlenhandlung und bin ab sofort Chef mit genug Kohle, wenn nicht auf dem Konto so zumindestens im Hinterhoflager.

Probleme mit meinen Angestellten habe ich übrigens nie, wer mosert kommt in die Bastelkiste und wird umgebaut :-) Statt Unkraut zu jäten muss ich jetzt welches pflanzen und bei jedem Spaziergang im ersten Leben richtet sich der Blick nach unten…es gilt brauchbare Fundstücke zu sammeln…so musste besagte zu bauende Schrotthandlung natürlich richtigen rostigen Boden haben…folglich kniete ich bei 34 Grad im Schatten eines Sonntags mit einem kleinen Löffel vor einer echten Schrotthandlung im Hafen und sammelte rostigen Boden in kleinen Gläsern…die herbeigerufene Staatsmacht in Form zweier Streifenwagenbesatzungen vermuteten illegale Drogenverstecke und erst als der Begriff : Modelleisenbahn… fiel war die Situation mit den kopfschüttelnden grinsenden Beamten geklärt…. Ja, auch für das Second Life müssen harte Opfer gebracht werden und überhaupt ähnelt sich das Leben von Fotograf und Modellbauer….beiden ist die reale Welt irgendwie zu komisch und sie Bastelen sie sich besser….Und wenn dann die kleine Rangierlok wieder einen neuen schön dreckigen Kesselwagen hinter sich her zieht…schnief….Das Leben kann so schön sein….zumindestens eine Stunde am Tag in der Modellbahnecke :-)

Zukunftsichere Zukunft…

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Irgendetwas stimmte nicht…jahrelang knipste ich wie verrückt 7 Tage die Woche Fotos, doch statt Jacht, Villa, Porsche und Sylt brachte ich es nur zu einer liefergelegten Familienkutsche…dabei hat man doch nur ein Leben. Ich beschloss ein guter netter Mensch zu werden und meine Fotografie zu verbessern…denn es gab da einige Kollegen denen es augenscheinlicher besser ging….die arbeiteten kaum und fuhren sonnengebräunt im Mercedes Cabrio durch die Gegend , schicke Blondinen an ihrer Seite….dahin musste ich auch kommen, las viele Fotolehrbücher, studierte und in der Tat, die Fotos wurden besser…das Bankkonto leider erholte sich nicht…ich kaufte überteuerte Kamerasysteme und ging mit hochnäsigen Art Direktoren essen….mehr als ein Stirnrunzeln des Bankdirektors am Ende des Monats war nicht drin. Ich lies mich von Kunden anbrüllen und war der wandelnde Superstylistfotografsetbauerbildbearbeiter….und sogar eine halbwegs plausible Steuererklärung gelang mir nach 10 Jahren verzweifelnden übens, die war allerdings so traurig das selbst meinem Finanzbeamten die Tränen kamen und ich eine kleine Rückzahlung erhielt…Irgendwas hatte ich nicht kapiert ….es dauert 20 Jahre und eine Reise nach Bautzen um mir die Augen zu öffnen ….mein Geschäftsmodell war einfach für den Ar….. standen nicht schon in der Bibel die unabänderlichen Grundsätze an irgendwelche Wände geschrieben ? Voila, also sprach Bautzen zu mir… : Du musst dein Geschäft lukrativ ausbauen….Drogen….las ich dort…die hatten schon immer Zukunft und auf dem Rückweg nach Hamburg überlegte ich fieberhaft welche Drogen wohl den höchsten Gewinn und das geringste Risiko bringen würden….und ob ich mich wohl trauen würde…immerhin sah ich nicht mehr aus wie ein gefährlicher Drogenhändler sondern wie ein alternder Familienvater…aber waren das nicht immer schon die gefährlichsten :-) ?

Die Inschrift ist auf jeden Fall alt, ich tippe so auf die 1920 Jahre, spätestens. Damals hatten die Drogeristen die Kenntnis neben Autobenzin und Medikamenten auch Fotolabormaterialien herzustellen. Wer sich mal mit alten Rezepturen für Schwarz Weiss Filmentwickler beschäftigt hat weiss das eine Überdosierung gewisser Stoffe die dann zufällig ins Abendessen gerieten den Lebendspartner rein…äh…zufällig…aus der Welt schaffte. Und in mittlerer Dosierung dafür als Drogen gut benebelten…da war der Fotolaborant ein durchaus gefährlicher Beruf , so permanent im Rauschzustand im Dunkellabor mit festgeschlossener Tür…..Tja, Lebensfreude ade, heute speist man uns mit Lightroom und Consorten ab….wo bleibt da der Fortschritt :-)

Deutschland 2…

bild11oder der Heidespaziergang …Viele von euch werden das kennen : Man hat etliches über einen Ort gelesen, fährt auf der Autobahn jahrelang an den Hinweisschildern vorbei und denkt jedesmal…da muss ich mal hin…und fährt weiter. Vor 2 Monaten hatte ich in der Altmark zu fotografieren, es wurde spät und ich beschloss in einem Dorfgasthof zu übernachten und am Sonntag früh nach Hamburg zurückzufahren…

bild13Sonntag morgen um 7.00, leichter Regen, genau mein Wetter, kein Mensch schon unterwegs…und ich fuhr auf dem Rückweg wieder an einem dieser Hinweisschilder vorbei…diesmal bog ich ab, auf zu einem Heidespaziergang. Das ist ähnlich wie der Strandurlaub in Sankt Peter Ording einer der Ausflugsziele gestresster Großstädter …allerdings macht man um diesen Teil der Heide meistens einen grossen Bogen … auch wenn Karin sich schon auf einen Spaziergang im Sinne der Heimatdichter wie Herrn Löns freut…den der spielt an diesem Ort auch eine Rolle. Er sollte hier begraben werden was aber nicht ging weil ein grosser Truppenübungsplatz geplant war.

bild16Den gibt es immer noch, er ist sozusagen Teil der Anlage. Und dann kam noch etwas hinzu was den Ruf der Gegend bis heute so prägt das vor einiger Zeit Bestrebungen im Gange waren entweder die Anlage oder den Ort umzubenennen …man könne das den Touristen nicht zumuten. So so, Zumutung..allerdings , nur ganz anders. Denn ähnlich wie Herr Löns heute durchaus kritisch beurteilt werden kann und den damalig neuen Herren recht nahe stand ist auch die Heidelandschaft seit dem nicht mehr dieselbe wie vorher. Redeten jene neue Machthaber zwar von natürlicher Scholle und der Romantik des einfachen Bauernlebens hatten sie zugleich keine Skrupel, in jeder Hinsicht keine Skrupel die Heide mit Blut und Asche zu tränken.bild12

Ich war tatsächlich allein in der Gedenkstätte und wie oft an solchen Orten, die Augen sehen nicht das was ich weiss und die Kamera kann nur Heidenatur einfangen. Erstaunliche 3 Stunden dauerte der Rundgang und liess so zumindestens die Grösse des KZ erahnen. Der Regen hörte auf und als ich zum Auto zurückging füllte sich langsam der Besucherparkplatz, den Nummernschildern nach u.a. mit Besuchern aus Polen, Frankreich und den Niederlanden.bild15

Langsam ging es dann zurück über die Autobahn nach Hamburg , ich hatte es endlich nach Jahren geschafft einmal abzubiegen. Das sollte jeder mal tun.bild14

PS : Die Grabstädte von Anne Frank im Bild 2 ist ein Symbol. Sie wurde dort ermordet aber niemand weiss wo ihre sterblichen Überreste verscharrt wurden.