Hells Bells…

Rüdersdorf 2.1…hörte ich früher oft, am meisten dann wenn kurz darauf eine Matheklausur anstand…manchmal gab es auch : Send me an angel…auf der Kassette meines Walkmans ( für neuzeitig Geborene : Walkman=altmodisches Abspielgerät noch altmodischer Minitonbänder genannt Musikkassette ) Genutzt hat das alles nichts , auch nicht an jenem Samstag als der Mathelehrer mich mit dem Mogelzettel erwischte. Zwar gelang es mir den Corpus Delicti noch runterzuschlucken…Danach war mir a) schlecht  und ich war b) Held der Klasse, nutze aber c) nichts, Mathearbeit =6 . Ach ja, Mathe ist ja wieder schwer angesagt in diesen Zeiten…wie hiess nochmal diese unscheinbare Kurve die wie aus dem Nichts irrsinnig steil ansteigt…sag noch einer, man würde in der Schule nicht fürs Leben lernen…Und Hells Bells sind angesagt wie nie zuvor…was ist schon eine 6 in Mathe gegen wenigstens 4 Monate totalen Einkommensausfall..vielen meiner Kollegen dröhnen die Ohren mit Glockenklang..Fotoaufträge storniert, abgesagt, gekündigt…nur die Miete läuft weiter und die Familie hängt einem im Home Office im Nacken…Hells Bells…übrigends schrieb diese australische Wechsel/Gleichstromband geradezu hellseherische Texte: My temperature is high…you ‘re only young but you ‘re gone die…Jetzt ersetze young durch mein Alter…Hells Bells….Es geht auch schon los…2 Zähne durchgebrochen diese Woche…dabei ist der Zahn doch angeblich das Einzige was vom Mensch übrigbleibt…ausser Staub…der Einzige der sich jetzt noch einen Porsche leisten kann ist mein Zahnarzt …Hells Bells….Und ich muss die Lieblingspizza vorläufig gegen Gemüsesuppe tauschen…reine Vorsichtsmassnahme sagt er mit diabolischem Grinsen und reicht mir die Reperaturterminliste rüber…nun habe ich doch wieder eine sinnvolle Aufgabe : Beten das ich heile aus der Zahnarztpraxis komme….was ist schon dieses blöde Coronadingsda gegen einen höllischen 10cm Zahnbohrer… Hells Bells…denkt sich der Fotograf mit letzter Kraft…da muss sich doch was draus machen lassen…Auch das Home Office ist eine Chance ! (Äh, welche ?) Egal, jetzt kann der der Berufspessimist endlich mal hemmungslos seine Neigungen ausleben…Blümchenfotos sind sowas von out…Krokusse und Ostern abgesagt….Es gilt das Ende der Welt zu besingen…ok, das tue ich euch lieber nicht an…aber photoshoppen könnte ich ja mal…Ein Tag später ist es vollbracht..Armageddon a la Jürgen :-) Denn der Virus ist erst der Anfang, hört ihr sie schon fliegen…? …Hells Bells…

PS, wer mir was Gutes tun möchte, Tante Google möchte das meine Bestpixel…Seite (die mit den Photoshopangeboten, hier oben anklicken) verlinkt wird…würde mich also sehr freuen wenn ihr mir da helft (sollte ich Tantes Liebling werden und auf Platz 1 der Rankingliste landen schmeisse ich eine Runde…rein virtuell in Coronazeiten :-)

Lupe…

startbild…Wriezen im Oderbruch, ziemlich genau 1 Jahr vor der Home Office Zwangspause : Es ist früh am Morgen, saukalt und der frierende Fotograf steht vor verschlossenem Tor, dahinter ein merkwürdiges Gebäude. Laut Aufschrift vorn ein Kanuverleih, laut Aufschrift hinten eine Kohlenhandlung …niemand ist zu sehen..jetzt ein Foto machen oder doch lieber ein warmes Café aufsuchen…nein, Fotografie ist nichts für warmduschende 2Meter Abstandshalter, es werden einige Bilder gemacht, keins davon so richtig toll. Die Daten wandern ins Archiv, selig summt die Festplatte …bis vorgestern : Wie der geneigte Leser (m,w,d) weiss haut der Fotograf seine gesammelten Photoshopkünste seit einiger Zeit einer wissbegierigen (sehr) und zahlungskräftigen (na ja) Kundschaft um die Ohren , in Form diverser Onlinekurse und / oder persönlicher Betreuung (das haben tatsächlich schon einige riskiert :-) Das Telefon klingelt, ein etwas verstörter Gelegenheitsphotoshopler ist ratlos : Meine Bildverarbeitungsvorschläge seien so diffizil das man sie mit der Lupe suchen müsste. Einen Moment freue ich mich über das Lob, dann dämmert es mir das das wohl eher Kritik als Lob war…hier möchte es jemand krachen lassen. Nun eignet sich nicht jedes Fotomotiv für das ganz grosse Spektakel und man sieht leider genug Fotos die unter zuviel Bearbeitung eher gelitten haben, als das diese die wesentlichen Merkmale vorsichtig verstärkt hat. Mein Job ist es hier beratend zur Seite zu stehen. Darüberhinaus gibt es die ideale Bildbearbeitung schlichtweg nicht, ein jeder hat so seine Vorstellungen und das ist auch gut so , da kann ich primär dann nur mit technischen Ratschlägen helfen. Nach kurzer Grundsatzdiskussion sieht mein Gesprächspartner die Sache ein, ich gehe auch einen Kompromiss ein und schlage ihm vor einen Farblook über das Bild zulegen. Dann ist es wieder still im Büro…bis ich die besagte Festplatte anschliesse…da gab es doch mal dieses Motiv aus Wriezen…da könnte man doch mal so richtig…48 Stunden später, grosses Kino, vom Original sind nur die Mauern übriggeblieben. Die Kohlenhandlung lebt wieder, die Schornsteine rauchen , Menschen laufen umher und der Schäferhund passt auf das kein neugieriger Fotograf das Betriebsgelände betritt, das Coronavirus schon gar nicht. Alles leicht surreal überhöht, ohne Anspruch auf Realitätsnähe aber als Hingucker konzipiert…zumindestens braucht man keine Lupe mehr :-)

PS : Da einige von euch gerne das Originalbild sehen möchten, hier ist die unbearbeitete Tiff Datei :_MG_5739

Fischverkäufer…

Kilometerstein Stralsund hinter Berlin…oder entlang der B96, Teil 2 : Montag morgens 8.30 in einer bekannten Fachhochschule Deutschlands…welcher Volltrottel hat diese Fotos verbrochen schreit der Herr Professor …alle Studenten zucken zusammen und wären am liebsten ganz weit weg…Fische verkaufen…brüllt der Prof. …Fische verkaufen in Dorstfeld….reisst das Foto durch und feuert es dem verdutzen Studenten vor die Füsse…8.45 , die Woche kann beginnen, ich brauche sofort einen Klaren , am besten zwei, auf ex…Fische verkaufen, ok, Fotojournalismus ist wohl doch nicht meine fotografische Stärke…raus hier an die frische Luft, tief durchatmen…draussen stehen schon ca.15 weitere Fischverkäufer…bin also nicht der Einzige, welch ein Trost….und es dürfte mittlerweile wohl mehr Fischverkäufer als Fische geben…in dem kleinen Fischwagen auf dem Markt von Dortmund Dorstfeld :-)

KZ Sachsenhausen 1Nun, das ist ein paar Jahre her, den Professor haben sich mittlerweile auch die Fische geholt ( das war sein letzter Wille, die Asche verstreut am Strand einer thailändischen Insel)

Teschendorf BushaltestelleUnd der Fotograf …übt verbissen weiter…irgendwann wird ihm so ein journalistisches Foto gelingen…muss auch denn so einen alten Fischkopp stellt kein Fischfachgeschäft mehr ein :-)

Dannenwalde2Nun kann man so ein Thema wie die B96 bestimmt unterschiedlich auffassen , der eine Fotograf sucht das alltäglich Banale und fotografiert es auch so, der Andere sucht das Besondere und setzt es in Szene….das sind zwei unvereinbare Schulen in der Fotografie…die die jeweils andere Richtung für überflüssig und nervig halten…kein Kompromiss möglich. Von den Einen hängen die Bilder im Museum, von den Anderen werden Fotobücher gedruckt.

Ich gehöre offensichtlich zu denen die das Besondere suchen, und so startet die Reise mit der lebensgefährlichen Überquerung der B96 östlich von Berlin…an diesem tollen Kilometerstein in der Mitte der 4spurigen Strasse. Dann der Abstecher ins KZ Sachsenhausen, wieder zurück auf die B96, die Strasse ist voll, die Dörfer leer und nicht wenige nervt der pausenlose LKW Verkehr.

Fürstenberg 1

vor Fürstenberg 1Kurz vor Fürstenberg liegt links die frühere Eingangsmauer zu einer russischen Kaserne, darauf eingraviert der Weg aus den Tiefen Russlands bis Berlin. In der Stille des Waldes frage ich mich ob es einen Soldaten gegeben hat der diese Strecke lebend geschafft hat. Diese Frage nach Leben und Tod stellt sich hinter Fürstenberg nicht, denn jenseits des idyllischen Sees liegt das KZ Ravensbrück…KZ Ravensbrück2Einfahrt Neustrelitz

Mit ziemlich gedrückter Laune geht es weiter, Neustrelitz wartet am Ortseingang mit einem beeindruckenden Monument des Aufbau Ost auf…weiter Richtung Greifswald , die Dörfer werden immer leerer, so wie auch jenes Schaufenster in Jarmen, still und idyllisch fällt das Licht in die seit Jahren leeren Ladenräume…die Jugend zieht lieber in die nächst gelegenen grösseren Städte.Jarmen Schaufenster 1Spät Abends komme ich in Greifswald an, in besagtem Hotel christlicher Hoteliers (s. Beitrag :Bifteki) Ziemlich viel Zeug zum Nachdenken….und nicht wirklich in guter Laune, aber das gehört dazu….

Aber es geht weiter, im nächsten Bericht bis Sassnitz und dem ersten Foto in diesem Blog welches nicht von mir stammt….

Bifteki….

Gaststätte 1.3….oder auf der B96 unterwegs. Wie ihr ja schon im letzten Blogbeitrag lesen konntet war der Fotograf mal wieder auf der B96 unterwegs, Teil 2 , Die Strecke von Berlin nach Sassnitz. Fotos folgen im nächsten Bericht, heute aber muss ich leiden…mit diabolischem Grinsen serviert der Sohn zum Abendessen einen sehr grünen Salat , er hingegen bleibt der Currywurst treu. Das habe ich nun von meiner kleinen Fotoreise, einen Haufen Bildbearbeitung und grüne Rohkost…ich mache mich sofort wieder auf den Weg zu meiner Lieblingsbundesstrasse :-) Denn eins ist klar, wenn man so allein unterwegs ist und ausser dem Hotelfrühstück den ganzen Tag nichts zu essen bekommt hat man abends richtig Appetit…und zwar ohne Rücksicht auf familiäre das machtzudickundistvölligungesund Attitüde….Mein Sohn nennt die Fotoreise daher auch Papas Pizzagriecheassiafuttertour…aber komm du mal spät abends in Greifswald im VCH Hotel an…nie gehört ? Ich dachte auch eher an eine amerikanische Superhotelkette …bis ich das Zimmer betrat : Kein Wasser , dafür gleich 2 Bibel auf dem Bettkissen : VCH bedeutet :Verein christlicher Hoteliers…und darauf brauchte ich erstmal ein paar doppelte Ouzo…der Mensch soll bekanntlich viel Flüssigkeit zu sich nehmen :-)  Das Frühstück und der Kaffee waren …ach, schweigen wir in christlicher Nächstenliebe…Dank des Bifteki am Abend vorher war ich eh noch satt…nur schnell weiter, Sturmtief Sabine im Rücken und die Pizza in Sassnitz vor Augen…Dann bei strömendem Regen zum Superitaliener des Ortes….dieser Laden ist zu vermieten kündete ein grosses Schild im ansonsten sehr leeren Restaurant… aber auch hier war auf den örtlichen Griechen verlass, der Ouzo machte wieder warm und das Bifteki satt. Das war nun das Dritte innerhalb von 3 Tagen und als ich diese Tatsache per SMS dem heimatlichen Sohn mitteilte kam kurz darauf ein paar hier nicht druckbare Kraftausdrücke zurück…der Arme sass gerade an englischen Vokabeln wegen bevorstehender Klassenarbeit….Es war also eine erfolgreiche Tour , 2 Speicherkarten mit 32GB Fotodaten voll und der Biftekivorrat für ein halbes Jahr angefuttert…sollte nach der Rückkehr mal wieder mit Sport anfangen…aber vorher noch dieses Bild hier bearbeiten : Bekanntlich bin ich ja nun im Viertjob Photoshoptrainer und da möchte man es ab und zu mal knallen lassen…so im übertragenden Sinn : Den Gasthof fand ich direkt an der B96, der Himmel ist aus dem Archiv, der Sandboden original von einem russischen Truppenübungsplatz, der Panzer vom Denkmal davor…da liesse sich doch eine kleine Geschichte erzählen…wer sie hören möchte: Ich bin heute auf ein Bifteki ausser Haus essen, mein Firmenfahrzeug parkt bereits vor der Tür…treten sie ruhig näher….

Ratlos…

KZ Sachsenhausen 2…sitzt der Fotograf vor dem Monitor, alle Bilder sind bearbeitet, normalerweise ein Grund glückselig auf coole Motive zu blicken…das geht heute nicht, kein Grund zur Freude…letzte Woche, Sabine im Anmarsch flitze ,der Fotograf noch schnell los, angesagt war die Fotogeschichte über die B96 fortzusetzen…diesmal das Stück Ortsausgang Berlin bis zum Ende der Strasse in Sassnitz auf Rügen. Der erste Ort hinter Berlin ist Oranienburg und dort gibt es den Stadtteil Sachsenhausen.Eigentlich hatte ich mir vorgenommen nur das zu fotografieren was direkt links und rechts der Strasse liegt, aber auf dieser Fahrt gab es zwei wichtige Ausnahmen…also in Oranienburg rechts abgebogen und ca.3 km weiter gefahren, 9.00, kalt, kein Mensch zu sehen, ich bin allein auf der weitläufigen Anlage KZ Sachsenhausen 4…und nun ? Irgendwie gute Fotos machen, das ist mein Job, aber auch hier ? Kann man das hier überhaupt fotografieren und wenn ja, darf das dann eine ästhetische Fotografie sein ? Bedrückt schleiche ich durch die Gedenkstätte…wenigsten ist der Himmel passend tiefgrau, bei blauem Himmel hätte ich die Kamera im Auto gelassen…also Perspektiven suchen, das wesentliche herausarbeiten…halt, das geht nicht….du kannst jetzt hier nicht den Profiwerbeknipser raushängen lassen…..KZ Sachsenhausen 3kein Foto der Welt heute gemacht könnte wiedergeben was hier Menschen anderen Menschen angetan haben…frierend stehe ich vor den Gedenktafeln und lese die Schicksale von Menschen die hier endeten…nicht freiwillig sondern weil andere dachten sie hätten quasi dank eigener Vollkommenheit die Macht über Leben und Tod zu entscheiden …was also soll ich hier fotografieren…irgendwie werden die Bilder schon wieder schön, so grafisch und aufgeräumt wie ich es eigentlich mag…mir fällt eine alte Bilderstrecke aus der Zeitschrift GEO ein, überschrieben mit dem Titel : Ästhetik des Schreckens …und gezeigt wurde auf Hochglanzpapier sehr grafische und hochästhetische Fotos…amerikanischer Kampfbomber…so ganz wohl schienen sich die Redakteure damals auch nicht gefühlt haben angesichts ihrer tollen Bildpräsentation…KZ Sachsenhausen 6Zurück ins Hier…wenn ich jetzt nicht fotografiere , wenn man also hier gar nicht fotografiert…würde das nicht heissen diesen Ort zu negieren und zu vergessen ? Viele Fragen und dem Ort entsprechend kaum Antworten, nicht nur meine Fragen sind unbeantwortbar, auch was hier geschah entzieht sich meinen schlimmsten Vorstellungskräften …also hinter der Kamera verstecken und Weiterknipsen….2 Stunden später fahre ich langsam die B96 Richtung Sassnitz…der Tag ist nicht so wie ich mir das vorgestellt habe… meine kleine heile Welt ist soeben wieder ein Stück kaputtgegangen …und ich bin froh darum und diesen Besuch gemacht zu haben. Deswegen zeige ich euch auch diese Fotos, ganz ohne den sonst hier üblichen ironischen Unterton …sozusagen fast kommentarlos…ratlos werde ich bleiben..in jeder Hinsicht  :-(KZ Sachsenhausen 5

KZ Sachsenhausen 7

Lass mal….

Dahme 3….die Kirche im Dorf…sagte mein Vater immer wenn er mich mal wieder in einem Vorhaben stoppen wollte…dementsprechend schlecht war ich auf die Kirche auch zu sprechen…klar, was die Eltern sind und glauben ist ja genau das was man selber also nicht will…das wahre Leben fand eh nicht auf dem Dorf statt…Ferien in Frankreich, Satre lesen, Rotwein trinken und Camembert futtern, dazu eine Gauloises ..ha, so machte das Erwachsen werden Spass…hielt leider nur 2 Wochen lang, dann ging es zurück ins Dorf, lernen fürs ABI und jeden morgen vorbei an der Kirche…es gab davon eine ganz Grosse in der Mitte, und eine ganz Kleine am Rand…das war die Evangelische Kirche zu der wir als zugezogene Norddeutsche pro Forma auch gehörten ( na Ule, bei dir sieht es wohl ähnlich aus , unter : ulerolff.net schreibt sie gerade über Heimat ) Hier in dieser Gegend gab es den Kirchturmausblickcontest : Die Kirche von deren Turm man die meisten anderen Kirchtürme sehen konnte durfte sich Dom nennen. Da wurde heftig gemogelt und gerne mal der Schornstein der örtlichen Ziegelei mitgezählt…der Contest war halt Glaubenssache :-) Und wer nicht glauben wollte…nun, in der nächsten Großstadt hingen in der Kirche ganz oben im Turm drei Käfige…zwecks Abschreckung liess man dort einige Ketzer lebendig verhungern…in alten nicht so schönen Zeiten. Und als die ersten Grünen sich im Dorf zur Wahl des Bürgermeisters mit anstellten gab es von der Kanzel sonntags mahnende Worte ans gemeine Fussvolk…ihr werdet doch wohl nicht…Es dauerte dann 12 Jahre bis es doch geschah…aber wir Ketzer liefen stolz mit der Sonnenblume auf der Jacke durchs Dorf. Der Erste der mir eine andere Form der Gläubigkeit nahelegte war der Vater eines Mädchens mit dem ich gerne befreundet gewesen wäre…ich redete die ganze Nacht von Philosophie und dem Unsinn der Kirche, ganz zu schweigen von deren historischen Verbrechen…und er erzählte mir von einem schweren Verkehrsunfall mit Nahtoderfahrung…und das er seit dem Moment ein gläubiger Mensch sei…Das mit dem Mädchen klappte nicht aber an das Gespräch denke ich heute noch gerne zurück. Dann ging es hinaus in die weite Welt, ohne Dorfmauern und Dom in der Mitte, je grösser die Stadt umso besser. Jetzt gab es hohe Fernsehtürme und echte Hochhäuser ….aber das mit der Kirche im Dorf…es ist wie verhext, je älter ich werde umso mehr fühle ich mich im Dorf wieder wohl…da gilt wohl ein anderer alter Spruch ,vom Apfel der nicht weit…und so weiter. Schliesse ich also Frieden mit mir und dem Dorf und da fällt mir gerade auf, wenn ich durchs Fenster schaue sehe ich auf einen..genau, einen Kirchturm 50 Meter entfernt…man kann ihnen einfach nicht entkommen, auch nicht in der Großstadt . Und ab und zu ertappe ich mich das Fenster zu öffnen und dem beruhigenden Klang der Glocken zu lauschen…vielleicht sollte ich mal rübergehen ….

 

DPD,SPD,DHL+UPS…

Gänsemarkt 3…na, kennt einer noch den Song der Fanta 4 welcher fast nur aus 3buchstabigen Abkürzungen besteht ? Oder ein schlechter Witz: Dreien davon gehts super und sie vermehren sich wie die Karnickel, der vierten droht langandauerndes Siechtum und das Aussterben…äh, ok, Fotografenblog sollte keine Politsatiresendung werden…Einer der ersten Jobs des Jahres versprach entspanntes Geldverdienen :Gehe zum Gänsemarkt, mache ein hübsches Foto und komme damit zurück…frohgemut macht sich der Profiknipser auf den Weg, Stativ unterm Arm, Kamera im Rucksack , das wird ein lockerer Spazierga….was ist das, kaum angekommen ist morgens um 8.00 der ganze Platz verstellt : Getränkelaster, Paketdienste…na super, also kurz abwarten, schon mal Position suchen und Stativ aufbauen…der erste Paketdienst fährt weg, schnell ein Bild, da wird die Lücke schon von einem Cateringunternehmen gefüllt…eine Stunde später, ich hüpfe von einem Bein aufs andere um mich warmzuhalten …da ! 2 Paketdienste fahren zeitgleich davon, vor mir liegt der Gänsemarkt in aller Pracht, jetzt schnell…Blaulicht, Feuerwehreinsatz, der Leiterwagen hält genau vor der Kamera…ich rede um mein Leben und darf vorerst in der Brandzone stehen bleiben…2 Stunden später, war wohl falscher Alarm, die Feuerwehr fährt weg, den Platz nimmt sofort ein neuer Getränkelaster ein, parkt mitten in der Bushaltestelle…kurz überlege ich die Polizei per Handy anzurufen…jetzt brauche ich zur Tarnung ein paar nette Businessmeni, nicht diese Jogginghosenträger die sich da vor der Kamera aufbauen…drüben hält auch noch ein gelber DHL Laster…na super, und die Fritzen aus dem Getränkelaster gehen erstmal frühstücken…die Sonne dreht sich weiter aus dem Bild und trotz der Kälte fängt der Fotograf zu schwitzen an : 4 Stunden Wartezeit , 100 Bilder, davon eins gebrauchbar…mit Abstrichen…nichts los hier ausser Paketdienste, Busse und Lieferwagen, und alle stehen vor der Kamera, jetzt auch noch so ein Typ der auf mich einredet das meine Canon schei…sei wohingegen seine Nikon..kurz wünsche ich mich auf ein entspanntes Fotoshooting auf dem menschenleeren Mars…..doch jetzt, den Getränkelaster verbirgt eine Gruppe Leute, der Bus fährt weg…Fotozeit !! Ein Bild ,noch ei…ein Motorrad mit Blaulicht, noch eins, noch eins, Stimmengewirr, Trillerpfeifen…Freitag, da war doch was …Friday for Future baut sich auf dem Gänsemarkt auf…no future für den Fotografen …6 Stunden, 250 Bilder, eins verwertbar…irgendwie hatte ich mir Street Photography entspannter vorgestellt …2 Stunden Photoshop später bin ich halbwegs einverstanden mit dem Motiv, einer Montage aus 5 einzelnen Bildern…das kommt davon wenn ein Studiofotograf auf die unvollkommende Realität losgelassen wird :-)

Vierländer Krauser…

Gewächshaus.jpg…ganz Deutschland feiert ein wildes Silvesterfest…ganz Deutschland ? Nein, ein einsamer Fotograf steht mitten im Nichts…nur schwach hört man den Verkehr der nahen Autobahn…hier wäre ein ideales Experimentierfeld auch den lautesten Polenböller hochgehen zu lassen…oder polizeilich unbemerkt eine spektakuläre Hanfplantage anzulegen… doch das Gebäude vor mir sieht eher so aus als würde es jeden Moment zusammenbrechen. Tür 1Mit den …lost places …habe ich ja so meine Probleme (ähnlich wie mit Ölfässern wie geneigte Leser bereits wissen :-) Während der Studienzeit in Dortmund wurden etliche Zechen, Stahlwerke und Kokereien unsicher gemacht, noch davor alte Textilfabriken im Münsterland…doch irgendwann schien das Thema erschöpft und der Fotograf wand sich berufsbedingt den Hochglanzseiten der Werbung zu. Das war zwar nicht unbedingt interessanter zu fotografieren, brachte aber das nötige Kleingeld ein…bis der Sohn geboren wurde und das Geld im Schlund einer dänischen Steinfabrik verschwand :-)Glasscheibe 15 Und wie das so ist in diesen speziellen Tagen, man denkt da ja viel über den Kreislauf , den Sinn des Lebens an und für sich und überhaupt…was wollte ich noch sagen…ach so, Rückkehr zum Lost Place Motiv.  Nicht wirklich denn das Haus nebenan habe ich nicht betreten, jahrelang sass ein alter Mann vor der Tür , einen Tisch mit etwas geerntetem Gemüse und Obst zum Verkauf vor sich, auch am Sonntag.  Irgendwann sass er nicht mehr dort, die Fenster hatten Sprünge und Löcher, Teile des Daches stürzten ein…was mich aber mehr interessierte war das Gewächshaus hinten im Garten…vielleicht gab es da Fotomotive…Glasscheibe:Dach1Es war der erste frostige Tag im Dezember und ich natürlich seit einer Stunde mit dem Rad dort hingefahren…Das Auto mit der tollen Standheizung parkte derweil vor derHaustür…Greta zu liebe…Fahrräder.Aber sieh an, mein alter Meister hatte doch recht : Klug brauchst du nicht sein aber Glück solltest du schon mal haben…in diesem Fall erwies sich der Frost als echter Glücksbringer. Glasscheibe 13.23 Stunden später wollte ich durchfroren aber halbwegs zufrieden wieder zurück radeln…jetzt konnte ich die Zeit zwischen den Tagen gut mit der unvermeidlichen Bildbearbeitung totschlagen…doch da, direkt am Eingang hing er…der Hero dieses Berichtes…wie es sich für einen wahren Helden gehört :  Einsam , verkannt und vergessen (kommt mir sehr bekannt vor :-) , hiermit erweise ich ihm die Ehre , dem Vierländer Krauser !Glasscheibe 2Glasscheibe 4

PS: Für die Nicht Hamburger : Vierlande ist eine fruchtbare Marschgegend zwischen den Elbarmen , ,durchzogen von alten Bauernhöfen mit vielen Gewächshäusern, früher eher Obst, heute eher Blumen. Und wer mal eine gut schmeckende Tomate essen möchte…also nicht diese roten Retortenzombies aus Holland…der findet den Vierländer Krauser noch auf einigen Hamburger Wochenmärkten !_MG_0375

Weihnachtsgans…

Veddeler Fischgaststätte 1…na, schwitzt bei euch der Braten schon im Ofen oder liegt ihr noch mit der Schrotflinte im Matsch des abgeernteten Kartoffelfeldes und hofft auf ein vorbeifliegendes Weihnachtsmahl ? Auf der anderen Seite des grossen Teichs nimmt man für solche Unternehmungen gerne eines der Armee geprüften Sturmgewehre aus dem Schrank…und wundert sich hinterher das vom Truthahn nichts essbares mehr übriggebliebene ist… aber was wollte ich noch sagen ? Ach so, beim Fotografen fällt das Weihnachtsessen etwas schmaler aus…Kartoffelsalat und Würstchen schmecken ja eigentlich auch ganz gut…diese ewigen Geschäftsessen in 5 Sterne Lokalen können einem schon zum Hals …   :-)  Wobei das leider auch nachgelassen hat, in Zeiten von Content Produktionen und Home Office bringt man seine selbst geschmierten Brötchen mit zur Weihnachtsfeier mit den Kollegen…Wie ? …ich könnte auch mal einen ausgeben ? Ok, wenn ich Überziehungskredit bekomme lässt sich das einrichten..und zwar in dem Etablissement dort oben… Zwar keine Sterneküche aber laut Meinung Vieler gibt es dort den besten Fisch in Hamburg, pur und reduziert, mit hausgemachter Sauce…Die Bude liegt im Ortsteil Veddel..den muss man nicht kennen…Ein Industriegebiet und 5 Strassenzüge mit Wohnblockes…einerseits leben dort türkische Grossfamilien deren Sprösslinge den tiefergelegten Mercedes AMG auf dem Bürgersteig parken , anderseits die studierende Zukunft Deutschlands die bereits mittags leicht umnebelt die grossen Fragen der Menschheitszukunft diskutiert…und mittendrin im Niemandsland zwischen stillgelegten Hafenschuppen und Autobahnzubringern findet man die Gaststätte…noch…ein Relikt vergangener Zeiten als dort die Hafenarbeiter einkehrten , hungrig von der zehn Stundenschicht…Die Arbeiter gibt es nicht mehr, und fast alle ihre Kaffeeklappen und kleinen Essbuden auch nicht…nur diese hier hat durchgehalten…Galliermässig im entlegensten Teil der grossen reichen Stadt…allein, es nützt nichts, Hamburg ist gefrässig, zumindestens was Immobilien anbetrifft…und so sehen die Pläne genau an dieser Stelle einige 30 geschossige Hochbauten für Hotels und Büros vor…Dann ist Schluss mit Lustig…und dem leckeren Fisch und dem original Hamburger Labskaus..der Beweis das auch schrecklich aussehende Essen gut schmecken können…Also noch schnell ein Krabbenbrötchen…und mit vollem Mund…das geht nur weil das hier noch kein Podcast ist :-) möchte ich mich bei allen Lesern für ihre Geduld und Leidensbereitschaft bedanken, auch für die vielen Kommentare und Anregungen. Ich wünsche euch einige schöne ruhige Tage, möge sie jeder auf seine Art und Weise geniessen ! Und dann freue ich mich euch im neuen Jahr hier wieder begrüssen zu dürfen .Lieber Gruss, euer Jürgen (aka der Berufsknipser :-)

Seniorenheim…

B96 Dabendorf 1…geschafft biegt der Fotograf um die Ecke, seit 10 Stunden im Auto unterwegs auf der Suche nach Fotomotiven für ein neues Projekt…jetzt ist es dunkel, Hotel ist gebucht, Zeit zu entspannen…allein, in der angegebenen Strasse gibt es kein Hotel…und ich kann mich auch nicht vertan haben..dazu ist der Ort zu klein, es gab nur das eine Hotel…vor dem hellerleuchteten modernen Gebäude sitzen mehrere ältere Menschen in Rollstühlen und kommentieren den wenigen vorbeifahrenden Verkehr…ich parke erst mal und schaue auf die Buchungsbestätigung : Residenz Schlosspark…ok, der Park ist da und die Schlossruine auch, aber die Hotelresidenz ?B96 Baruth Mark Russ.Friedhof

Über dem Eingang des Gebäudes leuchtet ein Schild, das muss ich mir mal näher ansehen…Der Tag selbst war aufregend, wie immer wenn man versucht ein seit langem geplantes Projekt das erstmal in die Tat umzusetzen : Vor einiger Zeit las ich ein Taschenbuch über die B96 mit sehr interessanten Geschichten über die Leute rechts und links der Strasse. Die Fotos im Buch hingegen waren nicht so mein Fall…aber immer nur meckern ? Besser machen oder zumindestens anders fotografieren, ein Roadmovie ohne movie aber mit den besten Fotos entlang der B96 einmal quer durch Deutschland …B96 Giessmannsdorf 2

und heute war der erste Abschnitt geschafft, von Berlin bis Finsterwalde. Ganz unzufrieden mit dem Ergebnis war ich nicht, zumindest für den Anfang waren Motive dabei und die Idee schien aufzugehen…jetzt aber schlängelte ich mich vorsichtig zwischen den Senioren hindurch und betrat das Haus, die am Empfang würden mir bei der Suche nach dem Hotel bestimmt weiterhelfen…Ah, Sie aus Hamburg, herzlich willkommen…3.ter Stock , Zimmer 302… Äh, mir war schon klar das ich irgendwann seniorengerecht untergebracht werden würde aber hier, heute und jetzt ? Ohne Widerworte nahm ich den Schlüssel und lief die Treppen hoch in den dritten Stock..ohne Zweifel , ich war angekommen : Seniorenresidenz Schlosspark,B96 Dabendorf 2

Einzelzimmer mit Frühstück…für eine Nacht…Das mit den Senioren hatten sie auf der Hotelbuchungsseite glatt unterschlagen..immerhin ein interessantes Geschäftsmodell ! Das Frühstück war dann auch seniorengerecht, vor allem der Schonkaffee ….da musste ich am Ortsausgang erstmal an der Tankstelle halten um einen Wachmacher zu bekommen :-) Jetzt wird der zweite Teil der Geschichte geplant : Berlin Richtung Sassnitz…und wenn alles klappt könnte ich in einem Jahr die besten 30 Motive zeigen…oh, das Telefon ….die Hausverwaltung : Wie, Was…Wohnungsmangel…Dachausbau…direkt über mir , Feuerschutzdecke in meine Wohnung , alles ausräumen, Start Februar….ich, Mist,Moment mal, wie war nochmal die Adresse des netten Seniorenheims …ich glaube ich ziehe wirklich um:-(B96 Bornsdorf-SonnenwaldeB96 Wünsdorf

und als Nachtrag noch ein Bild , mit Dank an Werner für den B3 Tipp !

B96 Baruth-Golssen