Nichts zu sehen….nothing to see…

KZ flossenbürg hinrichtungsstätte…auf diesem bild, unspektakulär, fast leer, augenscheinlich im winter aufgenommen…passt sogar irgendwie zum vorherigen beitrag..aber eigentlich auch wieder nicht…ich weiss nicht wie es euch geht…aber ich denke das es bestimmte sachen gibt die man nicht fotografieren kann…ein zweidimensionales medium ist nicht in der lage alles menschenmögliche oder von menschen angerichtete zu zeigen…was sind schon aufnahmen zerfetzter körper gegen das tatsächliche leid der opfer und ihrer angehörigen…ich habe schon öfter über diese problematik nachgedacht…ohne ergebniss…bin als werbefotograf auch eher der oberfläche zugewand ( was nicht heisst das man augen, ohren und mund schliessen sollte )….so lief ich unbefangen im frühjahr durch den bayrischen wald auf der suche nach einem möglichst nahen zugang zur burgruine flossenbürg….flossenbürg??? …da war doch mal was…und dann stand ich vor dieser wand….der hinrichtungswand…wo noch kurz vor ende des weltkrieges aufrechte menschen wie dietrich bonhöffer, ludwig gehre, hans oster , um nur einige zu nennen , noch schnell erhängt wurden…angesichts der schon absehbaren niederlage….warum ?…ich kann es weder verstehen noch nachvollziehen….genausowenig wie die auf den infotafeln beschriebene behauptung der bevölkerung des ortes : sie hätte von all dem nichts mitbekommen…dabei mussten alle häftlinge vom bahnhof zu fuss durch den gesamtem ort hoch zum kz laufen….ich habe dann mal diese wand fotografiert…meine gefühlte körpertemperatur dürfte weit unter der schneetemperatur gelegen haben und der tag war stimmungsmässig versaut…aber ein foto wollte ich doch machen…es hat ja immer einen reiz in den sogenannten …lost places..zu fotografieren aber diese art von im wahrsten sinne des wortes : lost places…. ich glaube man kann dort nicht fotografieren …es wird dem ort und dem geschehen nicht gerecht….was soll weisser schnee in lieblicher berglandschaft wenn dort mehr als 30.000 menschen umgebracht wurden….kurz : ich war froh dagewesen zu sein…aber ich habe als fotograf kapituliert…es ging einfach nicht…. zu tief das gewesende für ein sprach-und emotionsloses medium wie die fotografie !

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12 Antworten zu “Nichts zu sehen….nothing to see…

  1. Oh… das geht mir echt nah…
    Ich glaube, an solchen Orte wird man nie
    den schrecklichen Geschehnissen gerecht, weder mit Worten noch mit
    Bildern.. so unermeßliches Leid und Unrecht …macht stumm … und wütend die Behauptung, man habe nichts gewußt.
    LG, Petra

    • hallo petra,
      dem stimme ich zu….ich habe auch nur dieses eine bild…aber der spruch : ein bild sagt mehr als tausend worte gilt da nicht : wie soll ich meinem sohn mit dem bild erklären was da passiert ist ?
      lg, jürgen

  2. Danke für diesen Beitrag, Jürgen.
    genauso erging es mir, als ich im Frühjahr das KZ in Dachau besichtigt habe. Eigentlich weiß man ja ganz genau, was dort passiert ist, aber wenn man dann tatsächlich einen dieser Orte aufsucht, trifft einen doch der Schlag. Es existiert kein Foto von meinem Besuch und auf der Rückfahrt schwiegen meine Freundin und ich uns erst eine ganze Weile an. Wie du schon schreibst, der Tag war gelaufen.
    LG kiki

    • hallo kiki,
      danke für die zustimmung, es ist schön zu wissen das man nicht allein mit diesen gedanken herumläuft …ich denke daher das ein besuch dieser orte wichtig ist…die kamera kann derweil im auto liegenbleiben !
      lg, jürgen

  3. Ich habe zu meiner Bundeswehrzeit vor 20 Jahren die Gedenkstätte Bergen-Belsen besucht. In Uniform. Ich glaube es gab in meinem Leben keinen Moment, an dem ich mich jemals schlechter gefühlt habe……

    • hallo stefan,
      in der tat, obwohl längst reiner schnee über dem gelände liegt ( in meinem fall) kann man sich nicht mehr an der schönheit der landschaft erfreuen, von der eigenen gemütslage ganz zu schweigen…bin aber trotzdem froh dagewesen zu sein !

  4. Es stimmt schon dass man solche Sachen kaum auf einem Foto festhalten kann… Es sind die Bilder in unserer Erinnerung die sie zu dem machen was sie sind… Ich habe voor ein paar Jahren fotografiert im Fort von Breendonk hier in Belgiën mit ein paar Freunden und es war eerst am Rechner, bij der Bearbeitung, dass alles mir wirklich bewusst wurde mit den dazu gehörenden Gefühlen… Und das war dann ’nur‘ ein Durchgangslager… Wie kann man diesem Leiden mit einem Foto gerecht werden?…

    • hallo nil,
      danke für die zustimmung, ich denke das ein foto allein nicht reicht um zu erklären…man muss schrift und text und originaltöne dazu nehmen..und das wird vielleicht ein problem, denn wenn die letzten überlebenden verstorben sind wird es leute geben die sagen : alles erlogen, die fotos bearbeitet…das gabs alles nicht…so gesehen ist ein foto besser als nichts aber es wird nie ausreichend erklären können !
      beste grüsse, jürgen

  5. War mal in Buchenwald. Unglaublich diese Empfindungen und Gefühle. Habe versucht diese ganzen Eindrücke anhand meiner Fotos schon festzuhalten, aus den Aufnahmen habe ich eine Video-Doku erstellt. https://vimeo.com/42469182
    Aber verstehen kann ich trotzdem nicht, wie man einem anderen Menschen derartige Grausamkeiten antun kann. Und das so was geleugnet wird, unglaublich.
    Danke für Dein Foto und die Gedanken dazu.
    Gitte

    • hallo gitte,
      dein beitrag gefällt mir auch sehr gut…letztendlich bleiben unsere versuche aber immer nur eine unvollkommende annährung an ein unverständliches ungeheueres geschehen…aber der versuch ist besser als das vergessen oder verschweigen !
      lg, jürgen

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