highway to hell…

highway…dunkel ist es im Jugendzentrum, die Discokugel rotiert, man sieht die Hand vor den Augen nicht vor lauter Zigarettenrauch..und wenn man was sieht sind es fast nur Männer , die stehen auf der Tanzfläche rum und schütteln ihre langen Haare..wir schreiben die 80er und alle kennen den Text als die Melodie einsetzt…jetzt tanzen die Typen die später mal Karriere machen sollen…und hier in der Dorfdisco von der grossen weiten Welt träumen und vom Highway to luck… mit der süssen Kleinen aus der 10b und einem dicken Amischlitten vorm Eigenheim….30 Jahre später ist dann Jubiläumsklassentreffen der Überlebenden des Highways…ich gebe zu man schläft schlecht in der Nacht davor und hat mittlere Alpträume…wer wird wohl sein Auto direkt vor dem Schuleingang parken und wer lieber 3 Seitenstrassen entfernt…ich gehe mal zu Fuss rüber …und dann ist es soweit : fast alle sind da..auch mein alter Lateinlehrer ,der jetzt aber menschlich wirkt…und das Gedächtnis leistet Schwerarbeit…wie hiess der da drüben nochmal …und was passierte nochmal in der 13.2…ach so, ich hatte die erste 6 meines Lebends…beim Mogeln erwischt und zum Gaudi der Klasse den Schummelzettel runtergeschluckt…war mir total egal, denn an dem Abend durfte ich auf einer Geburtstagsparty zum erstenmal mit meinem Traummädchen tanzen…es lief mein Lieblingslied aller Zeiten : Year of the cat….was ist da schon eine versemmelte Matheklausur gegen…nun ja, mit dem Traummädchen blieb es ein Traum…wie so manches auch (Eigenheim, Amischlitten…) aber egal, wir wilden Rocker sind immer noch auf dem Highway…wenn auch zugegebenermassen die Haarlänge…bei einigen zur Glatze mutierte ( ich brauchte damals 30 Minuten Heissluftfön um meine Haare trocken zu bekommen…bis die Bundeswehr anrief…) und spät an diesem Abend waren wir uns einig : der Highway ist ein oneway…ob to hell or to luck…du wirst es erst im letzten Moment wissen…das war die durchschlagende Erkenntnis nach 30 Jahren Leben…immerhin, den Text konnten wir immer noch auswendig…anders als die Lateinvokabeln…aber unser alter Lehrer nahm das nicht persönlich 🙂

Und wenn ihr jetzt fragt wieso zum Teufel zeigt er kein Autobahnbild ?… Weil ich keins habe , weil ich denke das Leben findet nicht auf der Überholspur statt und weil diese tolle Strasse in Mecklenburghintersonstwopommern mir den letzten Nerv geraubt hat…als ich feststellte das es vorne nicht mehr weiterging konnte ich den teifergelegten Familiensportkombi nicht wenden ohne mir die Ölwanne zu ruinieren …durfte dann also 4 km im Rückwärtsgang den Weg zurückschleichen bis ich gefahrlos wenden konnte…vorbei an schief grinsenden wiederkäuenden einheimischen Ureinwohnern auf 4 Beinen…noch eine letzte Lebensweisheit : auch wenn oben die Sonne lacht…oder wie war das noch mit dem Hochmut….egal, ankommen tut man immer …irgendwie…notfalls auch im Rückwärtsgang  🙂

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20 Antworten zu “highway to hell…

  1. Atmosphärisch das Foto. Erinnert mich an alte Zeiten, relight my fire, ain’t nobody, relax, urgent (ein Kracher), Pride, Cruise missile…
    Ach ja.

  2. Wie wahr, wie wahr 😀 Und im Rückwärtsgang ist es doch mal eine ganz neue Perspektive 😉
    Wunderbar geschrieben! Ach ja, das liebe Klassentreffen…

    • Hallo Anette,
      mit Perspektiven kenne ich mich ja berufsbedingt aus 🙂
      Und über Klassentreffen könnte man bestimmt einen ganzen Blog füllen..aber diese Geschichten behalte ich dann doch für mich…
      Lieber Gruss,
      Jürgen

  3. So ein Kopfsteinpflaster führt auf unseren Hof, extrem holperig, was den Vorteil hat, das alle entsprechend langsam fahren müssen.
    Unsere Klassentreffen finden alle 5 Jahre statt, und so sind die Überraschungen nicht ganz so groß, aber trotzdem…. es ist immer wieder aufregend und schön. Diese gemeinsamen Erinnerungen an die alte Zeit, ich möchte sie nicht missen.
    Liebe Grüße marlies

    • Das stimmt Marlies ,
      diese Erinnerungen sind das was bleibt und die Vertrautheit mit den Menschen von damals ist an so einem Treffen sofort wieder da.
      Lieber Gruss,
      Jürgen

  4. Kann mir dieses Wiedershene nach 30 Jahren gut vorstellen – ging mir auch so, und gewundert hat mich besonders, dass alle irgendwie doch jünger aussahen, als vorher angenommen … Und das Bild passt ja auch sehr gut!

    • Das war bei mir anders…einige sahen älter aus, andere fühlten sich jünger (wie ich z.B, da ich aus unerfindlichen Gründen seit dem 30.Geburtstag nicht älter werde:-)..und leider fehlten auch schon 3 aus dem Jahrgang …das war nun eher noch nicht zu erwarten und dadurch umso trauriger…
      Beste Grüsse, Jürgen

  5. Ach ja… Wir machen es heute wieder: drei- viermal im Jahr Treffen in einem gut ausgebauten Kellerstudio: Da dürfen „Vinyls“ noch „Single“ oder „LP“ heißen, dort spielen wir zu fortgeschrittener Stunde auch Luftgitarre, dort läuft „sweet child in time“ und „whole lotta love“ in einer Lautstärke, dass wir schwerhörig werden (sofern wir es nicht schon sind). Da unten im Keller werden alle „angearbeiteten“ Unterschiede (Auto, Bankkonto etc) belanglos,
    Viele Grüße,
    Werner

    • Hallo Werner,
      eine tolle…Kellergeschichte..!
      So lässt es sich gutgehen mit dem älterwerden und die da draussen angeblich so wichtigen Statusdinge werden da unten ganz klein…
      Weiter so 🙂
      Beste Grüsse, Jürgen

  6. Hallo Jürgen,

    Klassentreffen sind nichts für mich, die lasse ich links liegen.
    Aber „Year of the Cat“, wenn dieser Song läuft, würde ich nie abschalten. Du hast es schön ausgedrückt, das Leben findet nicht auf der Überholspur statt. Es ist nicht immer glatt und geradeaus, oft eher holprig und oft eine Herausforderung, wie „deine“ Straße. Ein Vorteil des Älterwerdens ist die Lebenserfahrung, die uns auch mal den Rückwärtsgang einlegen lässt und uns davor bewahrt, immer mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. 😉

    LG, Conny

  7. Hallo Conny,
    das war mein erstes Treffen, nach 30 Jahren…da wollte ich dann doch dabei sein..so als alter Junggeselle mit Kind , Beruf und magerem Bankkonto 🙂
    Year of the cat…war eine meiner ersten selbstgekauften LPs…und dann noch der Nachfolger : Time Passengers…damals schlossen wir uns mit BarcadiCola im Zimmer ein, hörten Al Steward und dachten übers Leben nach..so als BeinahGrosse…tja, mittlerweile höre ich die CD, aber trotz aller toller Jazz und Rockmusik CDs…year of the cat würde ich auf die berühmte einsame Insel mitnehmen…
    Lieber Gruss,
    Jürgen

  8. Da kommen wunderbare Erinnerungen hoch an once upon a time:
    Ich bin ja fast eine Generation älter und meine erste Single war der Babysitter-Boogie und unsere Jungs in der Klasse, immerhin 32 an der Zahl, von denen leider schon 17! verstorben sind, frisierten sich die Haare bzw. die Elvis- oder Bill Haleylocke mit Brisk und wir hatten 7 Petticoats übereinander an und tanzten Rocknroll und dann gab es diese Kofferplattenspieler, auf die man 10 Singles legen konnte, was für ein Luxus…alles kaum noch vorstellbar für die Jugend von heute mit ihren Handfesseln. Long long ago

    also die Straße da oben ist das fürs Auto, was für die Skifahrer eine Buckelpiste ist ..und Mcpom paßt doch….halbierte Kartoffeln….-:)))

    mehr vom Klassentreffen bitte -:)))
    amüsierte Grüße in den Norden
    Karin

  9. Hallo Karin,
    tja, once upon a time in the…west…läuft bei mir immer noch obwohl die damals als zu intellektuell galten 🙂 kein Wunder wenn man normalerweise Status Quo und ACDC hörte…die RockandRoll Zeit habe ich nur als Baby erlebt…aber so einen Plattenspieler hatten meine Eltern auch…und genau 10 Platten, davon 2 Weihnachtsplatten…und dann kaufte ich mir vom ersten in den Ferien selbstverdienten Geld einen Verstärker und einen Plattenspieler sowie gleich 22 LPs..meine Eltern haben eine Woche kein Wort mit ihrem verschwenderischen Sohn gesprochen…hätte sie eh nicht verstanden, bei 200Watt Stereo Ausgangsleistung des Verstärkers 🙂
    Mal schauen , vielleicht erzähle ich noch mehr vom Treffen…muss mal rauskriegen was ich hier so verraten darf…Freund liesst mit !
    Lieber Gruss,
    Jürgen

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