Perfekt…

m1….über dem Haus kreisen die Hubschrauber, gegenüber auf dem Dach lungern so ein paar vermummte Typen mit Präzisionsgewehren und Fernglas, untern auf der Strasse stehen Polizeiautos im Parkverbot….Politikertreffen in Hamburg und der Fotograf fragt sich ob er den Abschleppdienst rufen soll…aber wer weiss wozu die Typen auf dem Dach wohl fähig sind…die Assistentin hat auf ihre schwarzen Kampfstiefel und den Kaputzenpullover verzichtet und ist im farbenfrohen Rock gekommen…mir zuliebe würde sie das nie tun :-)…Blaulicht und Martinshorn im Dutzendpack..kaum hört man das Telefon : Wie bitte, mehr weihnachtliche Stimmung im Bild ??? Die Redaktion wünscht sich mehr Gold und Glitter…im Studio flackert das Blaulicht an der Wand und es klingelt…10 Polizisten kommen herein und wollen mal die Lage peilen…es würde hier ab und an blitzen…tja äh, die Studioblitzanlage….Personalausweise bitte….die Blitzanlage bleibt jetzt besser mal aus…fordert der Eine mit den 3 goldenen Streifen auf der Jacke…die Hubschrauberbesatzungen könnten sonst auf nicht nette Ideen kommen…das Telefon klingelt erneut…wo denn das Weihnachtsmotiv bleibt…der Fotograf wird hektisch….noch ein schneller Blitz….dann versuchen wir es mal mit Kerzenlicht, notgedrungen , es blitzt, gegenüber auf dem Dach dreht sich das Gewehr in unsere Richtung…Fotograf und Assistent gegen in Deckung…kriechen zum Schreibtischen holen die gesammelten Kerzenreste der letzten 3 Jahre hervor…die Typen auf dem Dach werden mehr und alle blicken rüber….es klingelt an der Tür….schnell noch das Bild im Kerzenschein ….es klopft, nein , es rummst gegen die Tür…die Assistentin muss ran…eine(r) muss ja dran glauben und wozu gibt es Angestellte 🙂 : nein, wir waren das nicht süssholzraspelt sie…wir haben hier nur unsere Weihnachtsfeier, schauen sie doch all die Kerzen….die Vermummten mit den Schlagstöcken äugen herein und ziehen dann wieder ab…wir haben Schweissperlen auf der Stirn….das Telefon klingelt erneut : die Redaktion : nein was für ein hübsches Motiv, so golden und voll weihnachtlich mit all den Kerzen…einfach grandios PERFEKT …draussen krachen die ersten Nebelgranaten , der Wasserwerfer rollt heran…klar ist das Motiv super, hier sitzen immerhin die wahren Meister der deutschen Lichtbildkunst…sie sitzen allerdings nicht sondern kauern unterm Schreibtisch und genehmigen sich denn Vorrat an Gin, Korn und Ouzo….später dann trauen wir uns vor die Tür : auf dem gemietet Parkplatz des Fotografen steht ein Polizeiauto…der eigene Wagen kann dann  gegen Gebühr abgeholt werden….25km entfernt….egal, hätte eh nicht mehr fahren können….Nächstes Jahr dann , wenn der G20 Giel mit dem amerikanischen Präsidentkomiker zu Besuch kommt….dann machen wir ihn….den perfekten Tag…auf Hiddensee, so weit weg wie mich meine künsten Träume wegtragen können….

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29 Antworten zu “Perfekt…

    • In manchen Krisen schon…so eine Art Bürgerkrieg vor der Haustür allerdings führt nicht zu wirklich weihnachtlichen Stimmungslagen…in diesemFall immerhin habe ich zum erstmal seit Jahren mal wieder ein Bild ohne die Studioblitzanlage gemacht…sollte ich vielleicht öfter machen 🙂
      Lieber Gruss, Jürgen

  1. Es liest sich wie der Anfang eines Romans der in der zweiten Dekade des 21 ten Jahrhunderts spielt. Erschreckend nah an der Wirklichkeit. Ach so, es war ja Realität! Umso schlimmer! Was geschieht hier? Was geschieht mit uns? – Wie immer sehr eindringlich und schön beschrieben. Weiterhin eine schöne Adventszeit!
    Lg,
    Werner

    • Hallo Werner,
      eigentlich wollen sie nur spielen…aber es war schon gespenstisch so mittendrin in dem ganzen Trubel….
      Ich wünsche Dir auch eine schöne Adventszeit,
      LG Jürgen

  2. Weia! Erst verbietet die Staatsmacht, daß man seine Arbeit macht, dann treibt sie einen in den Alkoholismus. Immerhin klug mitgedacht, daß man den Opfern die Möglichkeit zum Fahren nimmt, sie könnten sonst ja in Versuchung kommen. Hätte ich denen gar nicht zugetraut.

  3. Tja, das sind so die Tage, an denen ich mich freue am äußersten Rand dieser Stadt zu wohnen :-). Für alle, die nah an dem Geschehen wohnen oder arbeiten, war das keine nette Zeit. Höchstens für Schäffs, die sich über bunte Röcke freuen ;-).

    Supertoller Song, heute immer noch!

    LG, Conny

  4. Hallo Conny,
    ja mittendrin bringt nicht nur Vorteile..aber immerhin hatte ich wieder was zum Angeben….supercooler Fotograf lässt sich auch durch massivem Militäreinsatz nicht vom Knipsen abbringen….und von bunten Röcken schon gar nicht 🙂
    Lieber Gruss, Jürgen

  5. 🙂
    Kriegsgebiet Hamburg (ok, kein Vergleich mit der Aleppotragödie)…grosses Aussenministertreffen und ich mitten unter Scharfschützen die keine Studioblitzanlagen mochten…da war dann Still Life im Winterlicht angesagt 🙂
    Danke und lieber Gruss, Jürgen

  6. Lieber Jürgen, du hast mein tiefempfundenes Mitgefühl, hier im Münsterland wird’s nur ungemütlich, wenn man sich radelnd auf militärisches Übungsgelände verirrt.
    Ich hoffe, der Gin war wenigstens gut.

    • Danke Ule…und das Münsterland ist (war ) ja voll mit diesen tollen Spielplätzen…kenne mich da sozusagen zwangsweise aus denn mein alter Herr gehört auch der Truppe an die gerne ihre Fahrzeuge im Wald spazierenfuhr…einen kleinen Vorteil hatte das…man war befugt hinterm Zaun entlanglaufen zu dürfen und konnte so im Herbst fast ungestört Pilze sammeln….im militärischen Schutzgebiet 🙂
      Liebe Grüsse aus dem wieder friedlichen Hamburg von Jürgen

      • Das dachte ich mir schon nach deiner Bemerkung über die Umzüge alle 2 bis 3 Jahre. Da ich in Neumünster aufgewachsen bin (etwa 5 Kasernen), hatte ich häufig neue Schulfreunde, die nach kurzer Zeit wieder verschwanden – muss für Kinder scheußlich sein.

  7. Na das ist ja wohl der HIT : Neumünster, da habe ich auch 3 Jahre gelebt , allerdings lange her , 2-4 Grundschulklasse…und es ist schon blöd…man wird umgezogen , in meinem Fall aus Fürstenau, Niedersachsen nach Neumünster…und kaum hat man die ersten Freunde muss man sich schon wieder verabschieden (ging für mich dann nach Rheine)…und aufheben darf man nur das was in den Möbelwagen passt…sowas prägt dann das ganze Leben….

  8. Hi Jürgen,
    das klingt ja gruselig! Alle Achtung dass Du es mit so viel Humor nehmen kannst – denn der Blogbeitrag liest sich tatsächlich amüsant.
    Ich hoffe, Ihr habt Euch mittlerweile von dem Schock ein wenig erholen können…
    Alles Liebe und besonders friedliche Grüße,
    Steffi

      • wir haben kürzlich nach vielen Jahren endlich wieder die 600.000er-Marke geknackt und liegen damit vor Essen, lach. Es gibt übrgens wieder eine Biermarke in Dortmund (mir schmeckt es nicht besonders)

  9. Wow, wenn Dortmund so weiter macht ist es im Jahr 2150 vielleicht doch noch Weltstadt 🙂 ….obwohl, da wir Babyboomer dann ja längst von der Bildfläche verschwunden sind…egal, vor Essen ist immer gut, genauso wie vor Schalke 🙂
    Lieber Gruss, Jürgen
    PS : Über das Hamburger Bier wollen wir auch mal lieber schweigen : Trinke Holstein, das knallt am dollsten….

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