Fernsehen…

bralitz-1-5der Fotograf hat für ein paar Tage die Enge der 4 Studiowände den Rücken gekehrt und sich ziellos (na ja ,fast) auf den Weg gemacht , Kopf frei pusten lassen um Platz für neue Fotoideen zu schaffen…das mit dem Pusten klappt bei den arktischen Ostwinden schon ganz gut…nur die Sicht ist nebelmässig verhangen…ähnlich wie die Aussichten in der Berufsfotografie…die Kamera ist bei solchen Reisen immer dabei, genauer gesagt sie ist der Grund  der Reise…mal wieder fotografieren zu können ohne das der Auftraggeber einem auf den Füssen steht..also wird die Gegend nach spektakulär unspektakulären Fotomotiven gescannt…leider fährt vor mir gerade ein nicht zu überholender 40Tonner…dessen Rückseite ich nun schon seit 10 Minuten bewunder…also ab in die nächste Seitenstrasse und den LKW fahren lassen…Seitenstrassen sind in dieser Gegend nicht immer für tiefergelegte Lifestylekombis geeignet und der Fotograf nimmt sich vor demnächst mal in einen zünftigen Trecker zu investieren…hat ausserdem in Hamburg den unschlagbaren Vorteil das ich auf die SUV runterschauen kann und bei den Reifen traut sich auch kein knölchenschreibender Parkraummanager  mir in den Weg zu stellen 🙂  Rückwärts geht jetzt nicht mehr , drehen kann ich nicht , also gehts mit 20KmH weiter…bedenklich schleift die Bodenwanne des Wagens über Felssteine …und was ist das da…Anhalten,Rausklettern…Warnblickanlage brauche ich hier wohl keine…und zuparken geht hier auch nicht weil augenscheinlich niemand mehr da ist….kalter Nebel, völlige Stille…so eine Art Lost Place und doch wieder nicht…ich gehe da nicht rein, Respekt vor denen die dort mal gewohnt haben…aber ein Foto muss sein…ich denke an ein tolles Buch ( nein, kein Schreck bekommen…ich fange jetzt nicht auch noch mit Buchrezensionen an 🙂 Ich las die Biographie der ZEIT Herausgeberin Marion Gräfin von Dönhoff sowie verschiedene Berichte über die Flucht in jenem eiskalten Winter 45…Die Rolle der Frauen  die bei Minus 20 Grad ihre Kinder auf den Schlitten packten und das warme Haus mit dem Weihnachtsbaum drinnen verliessen, dabei die Tür nur anlehnten damit die Russen sie nicht eintreten mussten…hat mich sehr beeindruckt….und Eine beschrieb dann wie sie nach 30 Jahren als Besucher zurückkehrte und nur noch die Treppenstufen zur Haustür des Gutshofes im Gebüsch wiederfand…nein, ich schaue mir das Gebäude nur aus respektvoller Entfernung an…welche Geschichte hier wohl gespielt hat ?  Irgendwer muss nach dem Krieg noch diese Antenne angebracht haben…bevor er trotz Fernsehens für immer verschwand…Bald wird sich die Natur alles zurückgeholt haben…Ich kletter durchfroren ins warme Auto zurück , ein letzter Blick…langsam geht es weiter …Fernsicht immer noch gleich Null..aber das war damals wohl genauso…

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48 Antworten zu “Fernsehen…

  1. Welch ein Ort! Welch ein Bild!
    Folgt die Fortsetzung des Abenteuers? Wie bringt der Fotograf das edle Gefährt wieder aus dem Schlamassel? Die Fans fiebern mit …

    • 🙂
      Folgt !! Das edle Gefährt vulgo Lifestylefamilienkombie hat ne Beule…und Fieber hatte ich nach der Rückkehr…wohl etwas verkühlt …der nächste Bericht kommt aus dem…wo liegt denn das : Autokennzeichen MOL….
      beste Grüsse von Jürgen

      • Märkisch Oderland. Östlich von Berlin. Oderbruch. Das Kennzeichen ist berüchtigt für seine Tiefflieger.

        🙂 Aber die Landschaft ist toll…und mit meinem HH Kennzeichen und der S.Pauli Totenkopfflagge bin ich dann eher der Überflieger….

    • Hello Alexandra,
      there was no-one to ask but i think yes…it reminded me to a lot of stories about the cold winter 1945 , second world war, when people had to leave there homes and escape from the russians and never were able to come back or see there House again…
      Kind regards, Jürgen

    • Hallo Petra…das wäre ziemlich gefährlich gewesen…die Holzböden sahen nicht besonders vertrauensvoll aus , genausowenig die Deckenbalken …aber reizvoll ist die Idee schon !
      Lieber Gruss, Jürgen

    • Hallo Annette,
      bin schon wieder da und sichte mein Bildmaterial…wie immer, einiges hat geklappt, anderes so lala….mal schauen , das nächste Bild kommt aus dem ehemalig deutschen Neuwarp….
      Lieber Gruss, Jürgen

  2. 🙂 Ich wünsche dir einen schönen entspannte Sonntag, komme gerade vom Joggen zurück, total durchnässt (Hamburger Nieselregen)…jetzt wird es hier gemütlich vor dem warmen Computer….
    Liebe Grüsse, Jürgen

  3. Da tauchen in mir gleich wieder Fragen auf, wie es für meine Oma damals mit fünf Kindern auf der Flucht gewesen sein muss. Leider kann ich sie nicht mehr fragen, aber soweit ich mich erinnere, hat sie ein paar Erinnerungen aufgeschrieben und manches habe ich von meinem Vater und seinen Geschwistern erfahren. Ein sehr trauriges Kapitel in der Geschichte und ich hoffe immer noch, dass wir auch in der Zukunft daraus lernen werden.
    Die Biographie hört sich interessant an und wird definitiv noch gelesen!
    Liebe Grüße, Anette

    • Hallo Anette,
      Ich kann das Buch wirklich empfehlen…eine tolle starke Frau ! Auf meiner kleinen Reise fand ich noch erstaunlich viele solcher deutscher Überreste…und war erstaunt über die Herzlichkeit der jetzigen polnischen Bewohner , die unbedingt ein paar Worte Deutsch versuchten (und ich ebenso mein klägliches Polnisch) Viele dieser Leute waren ebenfalls vertrieben worden aus ihrer Heimat die jetzt zu Russland gehört…eine Geschichte mit viel Schrecken auf allen Seiten !
      Lieber Gruss, Jürgen

  4. Bloß nicht abreißen (wie gerade nebenan geschehen, um einen seelenlosen Neubau hochzuziehen)! Aus so einer „Bruchbude“ haben wir vor vielen Jahren ein schnuckeliges „Knusperhäuschen“ gestaltet. Leider kann man nicht beides machen: Monatelang segeln und 800 qm Garten in Schuss halten.
    Viele Grüße aus dem Hamburger Nebelgrau(en) von Christine und Heinz

    • Mir wurde in Frankreich mal ein ganzes Schloss für 1€ angeboten…das hätte schon zu mir gepasst 🙂 …aber bei den Denkmalschutzauflagen hätte ich schon Millionär sein müssen 🙂
      Lieber Gruss aus dem Hamburger Sprühregen von Jürgen

  5. Lieber Jürgen,
    eine schöne Geschichte zu einem tollen Bild. Oder umgekehrt? Ich möchte auf jeden Fall aus der Ferne einziehen in diesen Holz-Stein-Rümpel-Bau. Dort lassen sich sicher noch viele tolle Gedanken erzählen.
    Lieben Gruß aus der Nachbarschaft,
    Madeline

    • Hallo Madeline,
      vielen Dank, das ist auf jeden Fall das traurig Schöne daran…die Geschichte wird nicht gutausgehen denn sonst
      würde das Haus heute anders aussehen…aber die eigene Phantasie kann schwelgen !
      Lieber Gruss, Jürgen

  6. Jeu! Und du gehst in so was nicht rein? Da muss man doch rein – um die Geister auf sich wirken zu lassen! Eventuell entdeckt man auch Grafittis, die der Situation angemessen sind oder von anderen als belanglos übersehene Relikte. (Knopf, Besteck, Porzellanscherbe mit deutschem Firmenlogo…)
    Habe die Tage die „Kriegskinder“ und die „Kriegsenkel“ von Sabine Bode gelesen. Wenn dir die Dönhoff gefallen hat – die beiden Bode-Taschenbücher haben es ebenfalls in sich. Aber lass ma; „Mutti“ will ja rüsten; unsd die Cowboys hinterm großen Teich wollen spielen. Eventuell wird dann Meck-Pom auch noch polnisch. Weil ein ganzer Streifen entlang der russ. Grenze unbewohnbar wird. Schwerin wird Sverigozdz. Berlin wird Brrwawa usw. Dann hastes von HH aus auch nicht mehr so weit im Alter bis Polen.
    Hoffentlich wird die „Elbe-Friedensgrenze“ erfunden. Dann hätt‘ ich ein Exil, in dem ich kein Fremder sein muss.

    • Werde mir die beiden Bücher mal antuen, vom …Kriegskinder…habe ich schon gehört…und nein, das Haus steht noch so gerade aber ohne Graffiti…ist ne ordentliche Gegend 🙂 Das mit der Elbefriedensgrenze …nun ja, war gerade an der Oder und das klappt schon toll…gehst rüber, kommst zurück und alles ohne Kontrollstress…da kann man mal von wirklichem Fortschritt sprechen…selbst wenn mancher Hamburger gerne die Grenze wiederhätte …als letzte Chance seinen geliebten geklauten SUV zurückzubekommen…und Berlin wird wenn es dann mal was wird höchstens türkisch 🙂 egal, wenn alle nur spielen wollen ziehe ich mich auf die Insel zurück….Hiddensee ist sehr schön !
      Beste Grüsse zum hier verregneten Sonntag von Jürgen

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