Erschossen…

S5…entspannt sitzen Fotograf und Assistentin im Studio, ein Glas Rotwein darf es jetzt sein…ein sehr schönes Motiv wurde an den Werbekunden geschickt, 3 Tage Arbeit , davon 2 unentgeltlich …es lebe das Freiberuflerdasein…aber das Ergebnis kann sich sehen lassen , ein Stilleben mit leichter Ironie und einer kleinen Geschichte im Bild…da darf man mal zufrieden…das Telefon klingelt…bestimmt der hochzufriedene Kunde mit Lobeshymnen….Was,Wie , nicht so laut…bitte, sie wollen den Looser der Woche der sich Berufsknipser schimpft…tja , das bin ich dann wohl…Hallo, etwas leiser,Was? Ach so,bitte ? Wer diesen Schrott verbrochen hat gehört geteert und gefedert…äh…aber…was, kein aber…total daneben…es muss knallen…zack…peng…bum…Geschichten erzählen ist was für Märchenbücher…VERSTANDEN ???  Es muss knallen,ein Foto eine Ohrfeige, Klarheit ist das neue schwarz-weiss…will sagen schwarz weiss…der Kunde will es kapieren ohne nachzudenken..keine Zeit für Drumherum oder Laberei…Einfachheit, Grafisch,Übersichtlichkeit…VERSTANDEN??? Der Mensch ist dumm…sie ganz besonders…da muss die Botschaft  zack..peng..bumbum…sitzen…presto Pronto…ein Foto wie die Titelseite der BILD…alles andere ist Schrott, hören sie SCHROTT VERSTANDEN ?…Bis Montag neu, ansonsten…klack…biepbiep …aufgelegt…Der Fotograf sinkt im Stuhl zurück, die Assistentin tauscht Rotwein gegen einen doppelten Klaren und der Fotograf braucht einen Zweiten davon sowie 5 Tage Abstand….nach 4 Tagen wieder ein Treffen im Studio…der Fotograf zeigt der Assistentin stolz das Ergebnis seiner Suche nach Klarheit und Übersichtlichkeit…das Maximum wurde erreicht…nichts erzählt,nichts stört, garantiert ironiefrei und nichts für Märchenbücher…zwar auch nichts für den Kunden, der bekommt sein abgespecktes Stilleben…aber ein neuer Standart in Form und Reduktion …die Assistentin schweigt…findet sie die Motive etwa nicht gut…tja…kommt es dann nach einer Pause…wie soll ich es sagen…(dazu muss man wissen das der Vater der allwissenden Superassistentin ein genauso allwissender Oberstudienrat der Geschichte ist )…na raus mit der Sprache, mehr als entlassen kann ich dich nicht…ok, also , prinzipiell nicht schlecht aber unter Stalin wärst du mit diesem Motiv erschossen worden, wegen dekadentem westlichen Funktionalismus…der Fotograf ist für einen Moment sprachlos…OK,vielleicht sollte ich in Zukunft etwas weniger über Frau Merkel schimpfen…scheint ja doch ganz in Ordnung zu sein 🙂

 

 

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24 Antworten zu “Erschossen…

  1. Schön beschrieben warum ich von Auftragsarbeiten (sprich Freiberuflerdasein) Abstand genommen habe und Lohnhure wurde… 😉
    Aber das sei Ihnen mal gesagt, Ihre Photos und Geschichten möchte ich nicht missen (Ausrufezeichen)!
    soloEzistische Grüße

    • Vielen Dank, versuche auch gerade eine Festanstellung zu finden (na ja halbfest), werde darüber berichten, mir bleibt nicht mehr viel übrig weil ich leider nicht so gut zeichnen kann ! Bleibe daher notgedrungen der apperativen Darstellung treu und stresse alle Woche wieder mit neuen Bildern !
      Beste Grüsse aus dem Lightroom von Jürgen

      • Ah was, Sie stellen appaarativ allemal besser dar als ich zeichne. Verdien mein Geld auch in einem ganz anderen Metier, ,weil ich nach zwei Auftragsarbeiten bereits bemerkt habe, das wird nix. Da labern zu viele rein, haben keine Ahnung und man wird weder sich selbst, (und schlimmer) noch dem Auftrag gerecht.
        Aber egal, bitte stressen Sie weiter!

  2. 🙂 Das kann ich gut ….
    Und es stimmt und wird immer schlimmer…alle wollen mitreden aber keiner hat mehr Ahnung…ich muss mir hier von irgendwelchen Vertriebsmitarbeitern sagen lassen wie das Foto aussehen soll…was die wohl sagen wenn ich ihnen erkläre das sie besser machen müssen…Früher hat man in geordneten Strukturen mit Leuten zu tun die ihren Job gut machten und Ahnung hatten…heute wo alle alles machen und keiner mehr so richtig…tja, da sind die Überraschungen schon vorprogrammiert …und mein Fell wird dicker und dicker (was mache ich nur im Sommer ?)
    Egal, es wird auf diese Art auf jedenfalls noch ein paar …lustige…Geschichten aus dem Alltag eines Berufsknipsers geben….

  3. Jürgen, deine Geschichte als solche (dein unverblümter und dazu unnachahmlicher Stil!) war mal wieder herrlich – doch ansonsten …
    Herrschaftszeiten! Ist das nicht bitter, wie sich manches entwickelt hat? Dieses unqualifizierte Dazwischengehaue … Dass ein Fachmann, ein Spezialist nicht mehr als solcher gesehen und anerkannt wird, sondern jeder meint, alles viel besser zu wissen? Dass nebenher alles immer günstiger – billig, billig, – abgeliefert werden soll und die wirkliche Arbeit überhaupt nicht angemessen honoriert wird? So dass einem nichts anderes übrigbleibt als sich als Freiberufler – zumindest nebenher/zusätzlich – noch eine weitere sichere Einnahmequelle als Angestellter zu suchen. So hin und wieder bin ich einfach geschockt über die immer normaler werdende geringe Wertschätzung der erbrachten Leistung und überhaupt einem Menschen gegenüber.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!
    LG Michèle

    • Hallo Michele,
      Das betrifft nicht nur die Fotografie heutzutage…aber mir fällt es in meinem Beruf halt auf da ich auch noch die anderen Zeiten kenne…als der Fotograf unter dem schwarzen Tuch verschwand und geheimnisvolle Dinge tat die keiner verstand und die Grossformatkamera wirklich gross war…man könnte daher glatt von einer Demokratisierung der Fotografie sprechen…was einhergeht damit das halt jeder mitdiskutiert , einerseits gut, andererseits…tja….s.oben…und der Wert der Arbeit ? Wenn wir da mal zu den ach so fortschrittlichen Skandinaviern rüberschauen…in Kopenhagen oder Stockholm ist der Zweitberuf für einen Selbstständigen schon fast (Über)lebenswichtig…das wird sich noch verstärken …Aber jammern nützt nichts und Beamter kann ich bei meinem hohen Alter nicht mehr werden 🙂
      Ich wünsche dir auch ein angenehmes Wochenende…schön scheint es leider bei dem Blick aus dem Fenster nicht zu werden …
      Lieber Gruss, Jürgen

  4. Das klingt ja ganz schön düster aus dem Lightroom. Dabei ist das Beispiel von „dekadentem westlichen Funktionalismus“ ausgesprochen schön und klar und gar nicht so simpel, wie die Pragmatikerliga es sich wünschen mag.

    • Hallo Ule,
      der darke lightroom….schönes Wortspiel…fast so heftig dort wie im Darknet (kommt nicht dieses Wochenende ein Tatort zu dem Thema ?)
      Ich habe jetzt 10 Motive aus der Serie…gar nicht so einfach zu fotografieren weil man einen bestimmten Himmel dazu braucht und bestimmte Stellen wo sich die Leitungen überschneiden…aber die Fotos sehen schon cool aus wenn man sie auf 1 Meter mal 80cm vergrössert…keiner kommt sofort drauf was es wohl darstellen soll…
      Grüsse aus Hamburg ins Münsterland von Jürgen (war letztes Wochenende dort und genoss die Frühlingslandluft, noch gefahrlos ohne Radtouristen 🙂

      • Die ersten Motorradfahrer waren hier jedenfalls auf Probefahrt schon zu bewundern. Und Fotografinnen auf Bienchenjagd (geschätzte 250 von 300 Bildern ohne irgendein Bienchen, die sind ja sowas von schnell, die Viecher!) …

        Meine Schwester arbeitet als Krankenschwester, die sagt immer : sobald es warm wird und Wochenende : gibt es wieder den Morbus Kawasaki …vor allem bei den schönen Kurven um Billerbeck herum….und zu den Bienen : ich empfehle die neue Olympus…25 Bilder die Sekunde…da sollte auf der 32GB SD Karte bei 500 Fotos wohl ein Treffer sein…frage mich warum die nicht gleich eine Videokamera rausgebracht haben ….

    • Hallo Maren,
      Vielen Dank, ich war erst ein wenig unsicher ob es klappt, aber jetzt wo hier 6 Motive gross vergrössert nebeneinander stehen sieht man das klappt…die ersten Motive entstanden noch in Polen wo es sehr viel mehr Freileitungen gibt…mittlerweile bin ich aber auch in Hamburg fündig geworden und habe schon einen ganz steifen Hals…vom ständigen nach oben schauen… 🙂
      Lieber Gruss, Jürgen

  5. Große Not gebiert große Kunst. Spätestens wenn du den Hungertod gestorben bist, wird dieses Werk unsterblich. Schick mir schon mal einen Abzug. Danke, auch für den Text.

    • 🙂 ich muss noch ein bisschen mehr leiden damit die Fotos richtig gut werden…arbeite daran…auch das Finanzamt hilft mir dabei…und mein Wohnungsvermieter….denke mal in ca einem Jahr könnte dann eine neue Qualitätsstufe sichtbar werden…so ich die Festanstellung als Currywurstverkäufer des örtlichen Wochenmarktes mangels Befähigung nicht bekommen habe…

  6. Ächz. Das Bild. Die Schilderung…perfekt. Und wie immer diese treffende Kürze! Kann ich nich’… laber mir immern’n Wolf… Aber mal bei Seite: Sag mir einen Beruf, der glücklich macht…

    • Danke….und angeblich leben Mönche besonders lang…aufgrund ihres stressfreien Lebends …aber dazu ist es jetzt zu spät..bei meinem vorleben werde ich in keinem Kloster mehr aufgenommen 🙂

      • isses nich‘ tragisch, dass man in diese abstrusen Bereiche gucken muss, um noch eine halbwegs plausible Antwort geben zu können…oder mit Zappa: What happened to all the fun in the world…

  7. Da hat der olle Musikphilosoph mal wieder recht…manchmal ist bei all dem Kampf und Krampf gar kein Patz mehr für ein bisschen Spass und selbst die Flucht in den Traum klappt nicht mehr wenn man nachts schweissgebadet aufwacht weil einem soeben der Gerichtsvollzieher aus der überteuerten Mietwohnung geworfen hat..aber noch gebe ich nicht auf und arbeite hart daran wieder mal Spass zu haben …wobei mir gerade auffällt : war Spass nicht gerade das Gegenteil von Arbeit ???

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