Wandel…

Polen Fussgängerüberweg….nd schlendert der Fotograf ein letztes Mal durch seine Halle…auch genannt Fotostudio…seine Halle ? Nicht mehr…es hatte sich angedeutet : vor einiger Zeit fuhr ein weisser Porsche Geländewagen auf den Hof, sehr laute sehr basslästige Hip Hop Musik und ein sehr junger Typ stieg aus, Baseballkappe falsch rum aufgesetzt…dann kletterte seine sehr langbeinige sehr blonde Freundin aus dem Wagen…der Typ wies mit einladender Gestik auf das ganze Gebäude : Ey ,hat mein Alter alles gekauft …und da krich ich jetzt meine eigene Wohnung von Papa geschenkt…Ok, ich habe dann später das Angebot abgelehnt nach der Totalrenovierung wieder einzuziehen…habe gerne nette Nachbarn…Wobei der Vater echt in Ordnung war, ein sogenannter Projektentwickler…natürlich auch mit Porsche aber wenigstens von der geschmackvollen Sorte…ich brauchte vor dem Abriss nicht noch zu renovieren und bekam 3 Monatsmieten erlassen…zwecks beschleunigtem Umzug…tja, das wars wohl mit dem eigenen Fotostudio, ein Auge weint, eins freut sich….einerseits war es eine tolle Zeit…Fabrikhallen haben per se eine künstlerische Aura und das Wohnen so ohne Türen und Zwischenwänden in einer grossen Halle…schwer spektakulär…sieht man mal von dem winterlichen es wird nicht warm sondern bleibt arschkalt Problem ab…dafür war es im Sommer um so heisser…muss man halt das jeweils passende Getränk parat halten 🙂 Das freuende Auge sieht die ersparte Miete, Wohnung und Studio sind Doppelmiete , das in einer Stadt wie Hamburg,  und leider ist nicht jeden Tag Arbeit angesagt…Also Umzug in eine grosse Wohnung mit Büro…der Umzugsfachmann kam , schlug die Hände überm Kopf zusammen und meinte : bei dem Gerümpel brauchen wir 2 Grossraumlaster…das sass…ich hatte noch 3 Monate Zeit und auf dem Recyclinghof wurde ich bald geduzt…es reichte dann ein Laster und meinem Lieferkombinixlifestylekiste…ich fuhr langsam dem Laster hinterher, ein letztes Mal durch die Toreinfahrt,jetzt mit zwei tränenden Augen, vorbei an dem nicht mehr existierenden Lebendsmittelladen, dem geschlossenen Fleischerfachgeschäft, dem dichtgemachten Fotolabor und der ebenfalls geschlossenen kleinen Bäckerei…dafür gibt es jetzt 3 BurgerSushiPizza Expressdienste in der Strasse…wer hat da behauptet das Wandel stetiger Fortschritt bedeutet ?  Aber solche Gedanken kennt der Wandel nicht, er kommt einfach und wer im Weg steht wird beiseite geschubst…im schönen Glasgeschäft ist jetzt ein Coffeeshop und das ehemalige Bekleidungsgeschäft hat ein Lebendsmitteldiscouter gestürmt…ich war wohl einer der letzten Oldies in der Strasse…wo früher Freiberufler in unrenovierten Fabriklofts schufteten befinden sich jetzt Eigenheime mit Kanalblick zu entsprechenden Preisen…und ich wohne jetzt ganz spiessig in einer Wohnung…habe aber zuerst alle Türen ausgehängt…in meinem Ministudiowohnloft im vierten Stock, nur die Tür zum Zimmer des Sohnes ist noch da…damit er was zum Zuknallen hat wenn es mal wieder Zoff gibt 🙂

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30 Antworten zu “Wandel…

    • Vielen Dank,
      wink zurück, ist schon fast wieder alles wie gewohnt ,aber der Wechsel war hart…gerade wenn einem bewusst wird das ein ganzer Lebensabschnitt beendet ist , und mit ihm auch alle Träume und Ideen …und statt dessen so eine Art Mini Neuanfang angesagt ist…
      LG Jürgen

  1. Das war (und ist) mit Sicherheit nicht einfach, Jürgen … Umstände, die einen derartigen Einschnitt mit sich bringen. Eine Phase des loslassen Müssens. Eine Veränderung größerer Art. Unsicherheit wird unweigerlich hochkommen, denn auch Unbekanntes wartet …
    Da man durchaus gern vorzugsweise die schönen Abschnitte in der Vergangenheit (Erlebnisse, Erfolge, Vorankommen, Bestätigung, persönliche Entwicklung etc.) erinnert, mischt sich zu der pflichtgemäß hervorgekramten Zuversicht auf Kommendes und zum Pragmatismus wohl auch ein gehöriges Stück Wehmut mit dazu …
    Doch jede Veränderung, jeder Wandel hat erstaunlicherweise sehr oft auch den einen Vorteil: Er stoppt eingefahrene Dinge, die man aus Gewohnheit beibehält, die sich aber möglicherweise als Ballast erweisen.
    In diesem Sinne wünsche ich dir ganz herzlich, dass der ja quasi erzwungene Wandel sich im Nachhinein als neue Chance darstellt, sich somit als wesentlich positiver entpuppt, als die Situation es erwarten ließ oder lässt.
    Alles Gute, Jürgen! Und ja, lass die Tür zum Zimmer des Sohnes unbedingt an Ort und Stelle! ^^

    LG Michèle

    (PS: Vielen Dank für deine kürzliche schriftliche Unterstützung!)

    • Hallo Michele,
      den Wandel bin ich schon gewohnt (Umstellung analoger Fotografie auf die Digitale z.B.) merke aber, das mit dem Älterwerden auch die Neigung sinkt sich ständig neu zu erfinden…so gesehen ist so ein Wachrütteln auch mal ganz gut…und sei es das man sich umzugsbedingt von allem Angehäuften der letzten Jahre trennt…sagte nicht der olle Marx das Besitz nur belastet 🙂 Und schliesslich ist der Einschnitt nicht so belastend und schlimm …es gibt da viel existenziellere Einschnitte wie Du sie ja leider gerade erlebst…da sind meine kleinen Wehwehchen mit einmal Türknallen in Griff zu bekommen 🙂
      Dir wünsche ich ein schönes Wochenende und drücke weiter fest die Daumen das alles sich wieder Einrenkt !
      Lieber Gruss, Jürgen

  2. Boah. „Gefällt mir“ kann man da gar nicht drücken. Immer weniger normale Berufe gehen weiterhin normale Wege. Mir fiels vor Jahren schmerzhaft auf, als die Plattenläden verschwanden. Schlagartig gab es keinen Grund mehr in die Großstädte zu fahren. Erstmal Beileid und dann – Alles Gute für den Neustart.

    • Danke, Neustart geglückt, habe da mittlerweile eine gewisse Erfahrung mit…aber was auffallend war wieviele der alten Geschäfte verschwunden waren…es gibt hier keine kleine Bäckerei mehr , keinen Fleischer und gerade hat das letzte Möbelwohnhaus geschlossen…jetzt sind nur noch die grossen Ketten hier und es ist fast egal wo man einkauft …aber Kaffee trinken kannst du in mittlerweile 9 Coffeeshops auf 500Meter Strasse…dazwischen nur noch Friseure und Bringdienste…ich glaube ich gründe einen Pizzalieferdienst, Fahrrad habe ich schon 🙂
      Grüsse aus der Hansestadt von Jürgen

      • Ja, ich kenn das. Eine Kleinstadt hier in meiner Nähe hatte plötzlich ungelogen 5 Friseure auf 20m Straße, 2links, zwei rechts und dazwischen noch ein „Orient-Barber-Shop“, der war gleich wieder zu, bei nur 3 Döner-Türken im Städtele als potentielle Kundschaft, von denen sich 2 erstmal die Grundlage hätten wachsen lassen müssen; und wurde Tatoo-Studio (und ich möchte gar nicht wissen, welche Symbole die da so in die Haut ritzen, so wie die Belegschaft aussieht…)

  3. Wenn Immobilien verkauft werden, in denen man lebt und arbeitet, bekommt man die Grenzen der Selbstbestimmung zu spüren. Das schmerzt.
    Lieber Jürgen, ich hoffe, alles wird gut. Und wenn der Sohn mal nicht zu Hause ist, darfst du die Tür bestimmt auch mal zum Knallen benutzen, wenn dir danach ist.
    Gruß
    Ule

    • Hallo Ule,
      ja, für einen Moment tut das weh…obwohl man ja um die Verhältnisse weiss…Meine Eltern lebten im Münsterland in einem Haus mit zwei Mal 130Qm Wohnfläche und 900Qm Garten…das Ganze musste für 250T€ verkauft werden…da kriege ich in Hamburg keine 2 Zimmerwohnung für…daher ist die Anschaffung von Eigentum hier fast unmöglich…da hilft auch Türknallen nichts 🙂
      Wünsche Dir ein entspanntes Wochenende,
      Lieber Gruss, Jürgen

  4. Pingback: soloE in „Schatten über Innsmouth“ – Des Soloezisten Block·

  5. Das kommt mir leider bekannt vor. Stadtentwicklung könnte auch ganz anders gehen als die Gewerbeflächen mit Lieferdiensten, Frisören und Coffeeshops o.ä. zuzumauern. Und Eigentum erwerben…na ja, das ist ein anderes Thema. Wie heißt es auch: Es is’ ja wie es is’ Und wie ich lese ist der Neustart geglückt. Ich hoffe es geht auch in den neuen Räumen positiv weiter. Alles Gute, Jürgen. Ich drücke die Daumen.
    Lieben Gruß in die Nachbarschaft,
    Stefan

  6. Hallo Stefan,
    vielen Dank für deinen Zuspruch, ja, ich freunde mich langsam mit meinen Hochsitz im vierten Stock an, es gibt ja auch ein paar hübsche Dinge wie Südostbalkon mit Blick auf den Stadtpark hier…und damit umsonst Musikhören bei den Konzerten 🙂 Allein für mich als alter Fabrikhallenbewohner ist es noch etwas gewöhnungsbedürftig, ich laufe die ganze Zeit mit gesengtem Kopf herum , obwohl die Deckenhöhe hier 3,50 Meter ist, wer aber 6 Meter gewöhnt ist…Die genannte Strasse ist übrigens der Mühlenkamp und die Jahrestrasse, jetzt wohne ich 5 Minuten von diesen Hotspots (???) entfernt direkt neben einer Kirche…mal sehen wann diesem Blog und seinem Betreiber die Engelsflügelchen wachsen 🙂
    Lieber Gruss, Jürgen

  7. Och Menno… Es heißt aber auch die Zeit heilt alle Wunden. Insofern wird es irgendwann verschmerzt sein.Wer weiß wozu diese Aktion jetzt gut war. Etwas Positives kommt bestimmt irgendwann zum Vorschein.Da bin ich mir ganz sicher. Wünsche Dir alles Guite zum „Neustart“

    • Danke, positiv war schon die ganze Aufräumaktion..fühle mich jetzt irgendwie um einige Pfunde leichter…kaum zu glauben was man so alles hortet unter dem Motto : könnte ich ja vielleicht nochmal irgendwann gebrauchen…
      Beste Grüsse von Jürgen

  8. Ich hatte mal eine Wohnung direkt am Rhein. Was passiert: Die Besitzergesellschaft geht pleite, die Wohnungen werden zwangsversteigert, der neue Besitzer meldet Eigenbedarf an. Schöner Mist. Aus einer Halle in eine Wohnung stelle ich mir aber krasser vor, Du hast mein ganzes Mitgefühl. Immerhin konntest Du in der selben Gegend bleiben. Neben einer Kirche? Ich hoffe, Du bist auch am Wochenende Frühaufsteher?

    • Das ist eine Hamburger Kirche, kein Kölner Dom 🙂
      Mitten im Wohngebiet wird anstandsgemäss das erste Mal um 9.30 geläutet, da komme ich gerade vom 15km Lauf zurück…die Hanseaten sind eher pragmatische Gläubige…wenn ich da an meine Zeit im katholischen Münsterland zurückdenke…Punkt 7.00 am Sonntag Sturmläuten..nein , kein Überfall andersreligiöser Barbaren…es ist Frühgottesdienst !
      Und Danke fürs Mitgefühl…war eine tolle Zeit in so einem Fabrikloft…da kam ich mir fast wie ein Künstler vor…Ist aber auch eher was für >Einzelgänger, spätestens mit Kindern ist so eine Einraumwohnung doch etwas laut und ohne Rückzugsmöglichkeit.
      Grüsse aus der Hansestadt von Jürgen

  9. hier ähnliche situation. 4. stock. ein paar türen ausgehängt. kinderzimmertüre bleibt zuknalleinladend weiter dran… 🙂
    fröhliches einwohnen wünscht daniel

    • 🙂 warte mal ab bis Deine grösser geworden sind…das kann dann ganz schön laut werden bei schlechter Laune …und die ist immer angesagt wenn der grosse Chef dem kleinen Chef das Computerspiel wegnimmt und die Hausaufgaben sehen will….
      Lieber Gruss vom Hochsitz,
      Jürgen

      • oj. das kann ja was werden. hier schon riesenterror wenn papa die mittlerweile durch die ganze wohnung verlaufende holzeisenbahn zumindest teilweise abbaut, weil alle nur noch stolpern und durch die gegend fliegen… 🙂

  10. 🙂 Ha, auch das lässt sich steigern…hier tobt die Lego Star Wars Schlacht…will sagen, vom Kinderzimmer über den Flur bis in mein Arbeitszimmer verteilen sich ca. 403 Figuren und 20 Raumschiffe…um dadurch bzw darüber zukommen habe ich gerade Daniel Düsentrieb beauftragt mir einen Warpantrieb zu konstruieren…by the way, ich bin natürlich mal wieder der Böse..habe aber die cooleren Raumschiffe 🙂

  11. Hallo, Jürgen!
    Der Artikel ist so gut, da hätte ich dir gern zwei „gefällt mir“ gegeben. Aber auch traurig für dich, was der Wandel so mit sich bringt.
    Hoffentlich lebst du dich bald ein in deinem neuen „Miniloft“, wo die Tür hoffentlich nicht zu oft zugeknallt wird. Damit sich die neuen (hoffentlich netten) Nachbarn nicht gleich beschweren.
    Liebe Grüße von der Stiefelsohle aus Italien/Crotone
    Christine von der Anima mea

    • Hallo Christine,
      nun ja, ihr habt den Wandel ja sozusagen jeden Tag…wenigstens könnt ihr euer Zuhause immer mitnehmen…Grüsse nach Catania, ich habe dort mal einen schönen Urlaub erlebt und die besten Tomaten meines Lebens gegessen…seitdem mag ich Tomatensalat…mein Sohn allerdings nur mit Würstchen ohne Tomaten 🙂 So hat hier jeder seinen Salat und die Tür bleibt(meistens )offen !
      Wünsche euch eine spannende Weiterfahrt und allzeit gut Wind ,
      lieber Gruss aus Hamburg von Jürgen

  12. Ja, der Wandel… wo es früher schön bunt war, kommt jetzt der graue Einheitsbrei. Schade um das coole Fabrikloft, ich hoffe du hast die Veränderung gut verkraftet und den Kopf frei für neue Ideen.
    LG kiki

    • Hallo Kiki,
      da müssen wir wohl durch…und es war schon klar das die Fabrikloftzeit irgendwann vorbei sein würde…wenn dann aber der Zeitpunkt gekommen ist fühlt es sich komisch an…irgendwie bin ich erst jetzt erwachsen geworden…mit der ersten eigenen Wohnung im klassischen Sinn…:-)
      Lieber Gruss, Jürgen

  13. Die neue Wohnsituation klingt auch nicht schlecht, aber … ach. Was den alten Viertelkulturen passiert, ist auf vielen Ebenen schlimm. Man kann viele schöne Dinge ohne viel Geld herstellen und mit viel Geld kaputtmachen. Na. Alles, alles Gute weiterhin!

    • Vielen Dank, wird schon klappen…das war eine vorhersehbare Entwicklung und wohl nicht zu ändern, es sei denn man hätte soviel Geld ganze Gebäude zu kaufen…so wie es in Hamburg mit der autonomen Wohnzeile an der Reeperbahn geschehen war…die hatte der Reemtsma komplett gekauft um den Leuten dort ihre alternativen Wohnungen zu erhalten… aber ich habe leider keine Zigarettenfabrik geerbt 🙂
      LG Jürgen

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