Yesterday…

altes Haus…all my troubles are so far away…oder färbt man sich da die Erinnerung nur schön ? Neulich hätte der Fotograf seinen tiefergelegten SuperlifestyleFamilienkombi beinahe an den Baum gesetzt…vor Schreck, denn die ewige Weisheit der Beatles schien augenscheinlich nicht mehr zu stimmen, quasi ein Naturgesetz aufgehoben…wobei ich das schon lange im Verdacht der Schummelei hatte…Was war los ?  Im automobilenständiginbewegungs Zeitalter gibt es Strassen die kennt man besser als sein Zuhause…ich würde mal behaupten das ich die A1 auch mit geschlossenen Augen bewältige…(vielleicht solltet ihr trotzdem an dem Tag zu Hause bleiben :-) und auf der A7 jeden Stau präziser vorhersage als der Verkehrsfunk und manchmal denke ich das die Bäume an der A5 kurz vor Frankfurt denken : ach ne der schon wieder…und mir schnell noch ein paar Blätter auf die Windschutzscheibe werfen….Kein Wunder das die Autos immer mehr wie rollende Häuser aussehen, wenn man sich nicht gleich so ein praktisches Wohnmobil zulegt (gibts die auch schon tiefergelegt mit 500PS und 280km/h Dauervorfahrtsberechtigung ? )  Es gibt die Arbeitsstrassen und die Urlaubsstrassen und die Traumstrassen…letztere sterben gerade aus weil alle dort mit ihren Pkws hinwollen=aus der Traum….und überhaupt Traum : kaum hat man den Traumwagen steht man im Stau genauso wie mit der Klapperkiste vorher…aber ich schweife ab…man fährt von der Autobahn runter und die letzten Kilometer etwas langsamer und schaut rechts und links…ah, auf der Wäscheleine hängen diese Jahr Kinderklamotten…wohl Nachwuchs bekommen…und dort: sie haben jetzt einen hohen Zaun zum Nachbarhaus …gab wohl Stress…man nimmt am Leben der Leute teil obwohl die davon gar nichts wissen…und wichtig ist das alles irgendwie genauso vertraut ist wie bei der Fahrt ein Jahr zuvor, man öffnet das Fenster…der altbekannte Geruch…für eine bestimmte Strasse hatte ich immer eine bestimmte Kassette mit Spezialmusikmischung…Hells Bells von ACDC lief immer auf Höhe der kleinen Dorfkirche und ich habe immer etwas lauter gestellt (dafür werde ich wohl vor dem Himmelstor wieder zurückgeschickt:-) Tja, der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier mit all den (kleinen) Macken. Jetzt aber spielt die Welt verrückt : erst gab es keine Autos mehr mit eingebautem Cassettendeck…und die Musik auf digitale Träger zu überspielen ist glatter Kulturverrat…dann schloss die kleine Dorfkirche und dieses Jahr…nun ja , ich bin noch haarscharf am Baum vorbeigekommen…das letzte Haus des Dorfes , kurz bevor ich am Ziel war…nun, ich kannte es noch mit kleinen Kindern im Vorgarten, dann mit grösseren Kinder mit Mopeds…dann mit gar keinen Kindern mehr und einem alten Opel vor der Tür…eigentlich hätte ich mir denken können was als nächstes kommt…ich habe dann auf der Strasse gehalten ,Warnblinkanlage an, und eine Schweigeminute gehalten bevor ich das Foto machte…nächstes Jahr zur selben Zeit wird da wohl nicht mehr viel stehen…Und in der kommenden Nacht habe ich dann schlecht geschlafen: Irgendwann wird man so einen alten Knacker mit Blindenhund aus der Tür schlurfen sehen und einige werden denken : Huch das war doch mal dieser obercoole Fototyp…und das nächste Mal kommt dann nur noch der Blindenhund durch die Tür, schleicht vorbei an dem Container mit Restmüll auf dem Gehweg und aus irgendeinem Autofenster schallt es : Life is life schalallla…..

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37 Antworten zu “Yesterday…

    • Hallo Lars,
      stimmt, muss man ab und zu mal daran denken, schnell eine Packung Tempo verbrauchen und dann zurück zum Alltag …die fröhliche Weihnachtszeit droht und die Geschenkliste des Sohnes umfasst 2 DIN A4 Zettel…gehe jetzt mal den Lottoschein ausfüllen :-)
      Lieber Gruss, Jürgen

  1. Jessas was ein Novemberblues, nee eher schon tristestes Grau! Schöner Wohnen im November 🤗 Ich schenk ihm zum Nikolaus ein Kaleidoskop, dann sieht er wieder bunter.
    So jung und solche Gedanken, was soll ich denn da sagen?
    Aufmunternden Gruss in den Norden vom Dach in Hanau, Karin

    • Hallo Karin,
      lieben Dank und nochmehr Dank für das *jung* :-)
      Schon gehts mir besser und ich hüpfe singend durch die Wohnung…Grau ist übrigens meine Lieblingsfarbe….irgendwie passt dann doch alles zusammen !
      Lieber Gruss, Jürgen

  2. Wenn Kirchen geschlossen werden, ist das ja eher ein Grund für Optimismus, nicht alles verändert sich zum Schlechten … aber mal im Ernst: In gut einem Jahr werde ich 60, wieviel Zeit bleibt da noch, statistisch, und dann bin ich auch noch Raucher – kann ich gleich noch ein paar Jahre abziehen. Dabei fühle ich mich kein Jahr älter als … als früher eben. Aber: Scheiß drauf. November-Blues und kalte Füße, das vergeht. Und das Gute an Weihnachten ist das gute Essen. Das Schlechte an Weihnachten ist Weihnachten, okay, aber wenn das überstanden ist – mal schauen, was das neue Jahr bringt. Das alte ist dann jedenfalls yesterday, man kann nur hoffen, daß die troubles nicht schlimmer werden, was ich als Erfolg verbuchen würde.;-)

    • Guter Kommentar…November Blues gehört zum Jahr dazu und dann muss man noch Silvester überstehen und dann : auf ein Neues…mal schauen, vielleicht werde ich dann für 6 Jahre ein Kölner…dann brauche ich Nachhilfe von dir in den heidnischen Gebräuchen wie Fastnacht … :-)

      • Wir fangen gleich an:
        1. Lektion: Sag nie „Fastnacht“. Wenn Du das kölsche Idiom beherrscht, sag „Fasteleer“ – da das nie der Fall sein wird, da Du nicht hier geboren wurdest, mußt Du Dich mit einem einfachen „Karneval“ begnügen.
        2. Lektion: Halte Dich fern davon.

        6 Jahre ein Kölner? Das klingt nach einer Verurteilung … was hast Du Dir zuschulden kommen lassen? Aber soo schlimm ist die Strafe nicht. Okay, die Luft ist viel schlechter als in Hamburg, aber die Architektur ist ähnlich häßlich, und die Stadt ist überschaubarer.
        Sag Bescheid, wenn Du da bist, ich würde mich freuen.
        videbitis(at)online.ms

  3. Klasse geschrieben. Kenne ich selbst. Diese Wahrnehmung der langsamen Veränderung entlang der Strassen..
    Zuerst jedoch war ich etwas verwirrt. Trotz Kassettenspieler im alten Audi. Aber dann zurück zum Text der Beatles. They seemed far away. Sie schienen also lediglich weit weg. In Wirklichkeit ist alles viel näher.
    Das ist andererseits der Vorteil der Sehfähigkeit von Fotografen. Der sieht die Veränderungen wenigstens und kann sie obendrein kreativ nutzen. Auf der nächsten Magical Mystery Tour.

    Schöne Grüsse,
    Herr Ärmel

  4. Der November hat dich gerade ganz schön im Griff, oder ?😉
    Vielleicht erbarmen sich ja doch junge Leute, die renovieren und hier ihre Zukunft finden? :)

    • Same procedure as every year :-) Und ich denke nicht das da noch renoviert wird…direkt vor der Tür geht besagte Strasse vorbei…und die ist von der Landstrasse mittlerweile zur Bundesstrasse mit Urlaubsverkehr in den Sommermonaten mutiert…so stahlharte Nerven hat glaube ich keiner…
      Lieber Gruss, Jürgen

  5. Der Lack ist eindeutig ab – und wenn man die täglichen, kleinen Portionen wegen Abwesenheit versäumt, haut einen der große Unterschied leicht aus der Kurve, wie man an dir wieder sehen kann, Darum ist es auch nicht ratsam, sich in höherem Alter von Liebgewordenem lange zu trennen – es sei denn, man schätzt den anschließend geklärten Blick.
    Tröste dich: das Jahr ist schneller zuende, als du nachlackieren kannst; am besten lässt man’s bröckeln und freut sich auf den (zweiten, … , nächsten) Frühling,

    • Hallo Ule,
      tja, in unserem biblischen Alter ….ob da noch nachlackierten hilft :-) Vielleicht beim Auto aber ich selber verzichte aufs Haarefärben !
      Und angesichts des Hamburger Wetters träume ich davon das der Frühling schon morgen vor der Tür steht…wird wohl leider nicht klappen..hat aber wiederum den Vorteil das man in der dunkeln Jahreszeit die Augenringe und Falten nicht so gut erkennen kann…
      Lieber Gruss ins Münsterland von Jürgen

      • Tja, hier liegt gerade eine dicke Hagelschicht auf dem Dachfenster.
        Ich finde solches Wetter gemütlich, dann muss ich wenigstens nicht raus, fotografieren, und darf am Computer rummachen. Da seh ich auch keine Falten, meistens ;-)

  6. Das stimmt, wenn es draussen schüttet (wie gerade hier) kann man sich so richtig eingraben…Schneefall hingegen ist schon wieder fotogen…und Nebel erstmal (letzte Woche Sonntag um 5.10 aufgestanden und als ich im Hafen war…war der Nebel leider weg…)

    • Könnte fast so eine Art Symbolbild sein…denke gerade im Osten findet man solche Häuser noch öfter während in Hamburg sofort abgerissen und teuer neugebaut wird…das Haus hier kenne ich seit 3 Tagen nach der Wende…da musste ich nach Ahlbeck zum Fotografieren und bin zum erstmal daran vorbeigefahren, also Usedom und damals noch bewohnt und intakt mit gepflegtem Vorgarten….
      Grüsse von Jürgen

  7. @videbitis : Hängt von den Kölnern ab ob sie mich haben wollen…an der Medien+Kunsthochschule ist die Stelle eines Dozenten für Fotografie ausgeschrieben und da ich eh alles besser weiss dachte ich ich probiere mal eine Bewerbung…weit weg von Hamburg falls es schiefgeht :-)
    Halte dich auf dem Laufenden !
    Beste Grüsse von Jürgen

  8. Danke für Deine Antwort, ich rolle gerade Deine Beiträge von hinten auf, merkst Du nun… 😊 bin Deiner Meinung und er muss jene, die mit der Post versandt werden, mit Briefmarken versehen, die er ALLE abschlecken muss…!

    Das Haus ist ein Phänomen, das sich in jeder Generation dauernd wiederholt. Als wir neu gebaut haben, waren hier im Gebiet lauter Kinder unterwegs. Viele. Echt viele. Das ist 15 Jahre her. Man sieht sie nicht mehr draußen, klar geht nicht, weil da das Display so spiegelt und WLAN nicht so gut ist…, aber sie werden älter, ziehen aus, machen eine Lehre oder studieren, gründen eine Familie, meist woanders, dann werden die Häuser leerer, wir Eltern werden älter, wie die Menschen in den noch älteren Häusern, deren Enkel jetzt eigene Familien gründen, dann kommt keiner mehr zurück, die Häuser werden irgendwann nicht mehr bewohnt… wie jenes, was Du abgebildet hast, wie irgendwann auch mal unser „Neubau“ und ob unsere Kinder den übernehmen, das steht auf einem anderen Blatt…. Bon Scott! RIP. 🙋

  9. Hallo Olaf ,
    :-) gute Idee !… Und das mit dem Haus, da sagst du was Wahres…es ist halt der mittlerweile natürliche Gang der Dinge.. …im Zeitalter der flexiblen Berufe und des Wegziehens in die grösseren Städte…ich habe auch lange überlegt ob ich bauen soll aber meine Eltern sind da eher ein abschreckendes Beispiel : Haus gebaut als wir Kinder schon so gross waren das wir uns lieber auswärts mit Freunden rumtrieben als noch häuslich zu sein, dann sind wir ausgezogen, die Eltern blieben allein im grossen Haus zurück , zerstritten sich…und ich als Ältester durfte dann die Trümmer abwickeln…ich denke für viele ist es heute besser je nach Art der Lebensumstände sich eine Wohnung zu suchen, und die immer wieder anzupassen, mein Sohn wird garantiert irgendwann hier ausziehen….
    Grüsse von Jürgen

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