Gewohnheitsmensch…

Caravan 4…bekanntermassen neigt der Mensch ja dazu Gewohnheiten zu entwickeln und die dann sein ganzes Leben durchzuziehen…auch wenn Aussenstehende nur unverständnissvoll den Kopf schütteln…schon zu Studium Zeiten im Ruhrgebiet wunderte ich mich darüber wie der Urlaub geplant wurde : aus der Enge der Stadt, aus der Wohnung direkt gegenüber der A40/B1 oder aus dem 10 Stock des Mehrfamilienhauses in Wanne Eichel ging es an den Strand…aber nicht etwa romantisch einsam an einer wilden Küste…nein , man fuhr schon seit Jahrzehnten den immergleichen Campingplatz an ….und war man in der alten Heimat seinem Nachbar 5 Meter Luftlinie entfernt so waren es jetzt nur noch 2 Meter..bild255kein Wunder das die Hecken um die Wagen teilweise mehr als 3 Meter hoch sind…dafür aber kaum Platz lassen für einen Liegestuhl auf dem engen Grundstück um den Campingwagen herum…und praktischerweise ist alles aus Plastik, das Besteck, die Stühle, die Hälfte des Wagens und die Kleidung sowieso…und Abends kann man dann von den aus allen 4 Himmelsrichtungen herbeizaubernden Grillgerüchen lustiges Essensraten veranstalten : beim Nachbarn westlich gibts heute Würstchen, beim Nachbarn östlich wohl Knoblauchlamm….die für den Urlaub verlassene Großstadt hat man jetzt also komprimiert auf einem Quadratkilometer wieder…noch etwas enger und lauter…hach ..schön !!bild256 Wie gesagt, konnte ich nie verstehen…bis…nun ja,  die Eltern einer meiner ersten Freundinnen hatten gleich 2 Campingwagen an der Ostsee , einen schicken Neuen zum Angeben und direkt daneben den alten Vorgänger der aussah wie ein liegendes Ei…und wenn man nun frisch verliebt in der Enge dieser Kiste liegt und dem gleichmässige Prasseln des Regens auf das Blechdach lauscht…schööön !! Und erst der Kurzsprint zur Gemeinschaftstoilette um Mitternacht bei 3 Grad+ und böigem Wind…Ganz zu schweigen von der Gemeinschaftsdusche für den ganzen Platz die leider nach den ersten 5 Besuchern nur noch eiskaltes Wasser abgab…das machte wenigstens wach ….Bier und Schnaps gab übrigens schon ab 11.00 und für die echten Kerle bereits zum Frühstücksei…Und danach begann das beliebte Tratschen wer denn nun mit wem gestern in welchem Wagen verschwunden war …und vielleicht immer noch nicht wieder aufgetaucht war ….Das ist pure Lebensfreude !c17 Kurzeitig gerieten meine Vorurteile gegenüber Camping arg ins wanken…später musste ich mir eingestehen das man mich in der damaligen Gefühlslage mit dem Mädchen auch in einen Bunker hätte verbannen können…ich hätte es immer noch toll gefunden :-)  OK, was macht man als Fotograf nach solchen schwerwiegenden frühpubertären Erlebnissen…richtig, man arbeitet sich den Rest seines versauten Lebends therapeutisch an dem Thema ab…und seitdem findet man mich bevorzugt in der Nebensaison auf Campingplätzen…gibt ja dank Hamburgs strategisch günstiger Lage zu Nord-und Ostsee genug davon um mein Leben mit diesem Thema beschliessen zu können…andere fotografieren Sonnenuntergänge, Katzen oder sich selbst…Jetzt also kann man darüber sinnieren was denn das über die jeweiligen Fotografen zu sagen hat…und während wir das bei (einem, zwei, drei…) klarem münsterländer Korn tun zeige ich mal ein paar Motive aus meiner Serie…wohl bekommt :-)Caravan 10Caravan 6bild240bild247

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45 Antworten zu “Gewohnheitsmensch…

    • Danke Peter,
      das ist nur ein Teil der Serie…und vielleicht setze ich mal eine zweite Serie dagegen…dieselben Plätze im Hochsommer…wenn ich dann da überhaupt noch irgendwo dazwischen passe…
      Grüsse von Jürgen

  1. I wish I understood the text :) it’s such a great photo series, Jürgen, love the subdued tones and the compositions are so neat, almost of an abstract quality…

  2. Okay, für ein Reiseprospekt sind die Fotos natürlich nur bedingt geeignet, aber sie geben mir einen guten Einblick in eine Welt, die ich nie kennengelernt habe (und das nicht sonderlich bedauere, wenn ich hier nun lese, dass Du Deine Erfahrungen noch immer auf- und verarbeitest.). Ich mag die Fotos, aber ich mag generell Deine Art zu fotografieren und die Wirkung Deiner Arbeiten.

    Mal eine praktische Frage: bist Du einfach auf den Campingplatz marschiert, Kamera raus und fotografiert? Ich meine, geht das rechtlich (wegen fremden Eigentum) oder hattest Du Dir eine Erlaubnis geholt oder *hust* war das im Rahmen eines Urlaubsaufenthaltes? 😉

    Gruß, Annett

    • Hallo Annett,
      Danke für das Lob…und ehem…es war schlicht keiner da den ich fragen konnte…so im Januar/Februar bei -10Grad sind diese Plätze menschenleer…ganz gespenstische Stimmung…aber es sind eher die älteren Plätze wo man einfach so reinspazieren kann, die ganz Modernen sind umzäunt und da muss man dann fragen und eine Erlaubnis erbitten…was meistens nicht klappt weil sie nicht verstehen (wollen) was man macht…und rechtlich gesehen kann man mich höchstens wegen Hausfriedensbruch des Platzes verweisen…das macht mir nichts, ich bin schon so oft rausgeworfen worden (aus alten Fabrikanlagen z.B :-)
      Lieber Gruss, Jürgen

      • Danke für Deine Erklärung. Gespenstisch … das sieht man. Und auch etwas traurig, weil es wie ausrangiert/ausgedient wirkt und so verlassen ist um die Zeit.

        Hausfriedensbruch … ok. Ich dachte, da käme dann noch mehr, weil Du ja fotografiert hast.

  3. Hello Alexandra,
    Thanks a lot for the great compliment ! Text is about the fact that i don’t understand how to make holidays on a camping place…to much people to close together …
    Best regards, Jürgen

  4. @ Annett,
    nein, das traut sich kaum einer…das heftigste war mal in einer alten Fabrikanlage, da wollte der Werkschutz den Film haben…ich extra dafür einen alten wertlosen in der Hosentasche :-) Und Campingplätze die nicht abgesperrt sind sind eigentlich fast öffentlich…was anderes wäre es aber wenn Menschen auf dem Bild sind…dann gilt das Recht am persönlichen Bild und ich müsste vor der Veröffentlichung eine Erlaubnis haben…
    Grüsse von Jürgen

  5. Hallo, Jürgen! Ein interessanter Beitrag zum „Landyachting“. Als gebürtige Nordrhein-Westfalin kann ich mich gut in das Campen in Wanne-Eickel alias Wanne-Eichel hineinversetzen!
    Schönen zweiten Advent von Stadtteil zu Stadtteil
    Christine

    • Hallo Christine,
      Tja, Wanne-Eickel oder Der Erkenschwick oder Gelsenkirchen Schalke, Dortmund Hoerde…habe ich damals alles mit dem Rad erkundet, als Student hatte man ja Zeit :-)
      Ihr habt es zwar auch beengt…seid dafür aber beweglich und wenn die Nachbarn im Hafen nerven macht ihr euch auf den Weg einen Hafen weiter, die Camper hingegen kaufen sich einen Wagen und der wird als erstes fest einbetoniert….
      Ich wünsche dir und dem Kapitän auch einen schönen zweiten Advent !
      Lieber Gruss, Jürgen
      PS: WordPress lässt mich mal wieder nicht auf euren Blog…als privat vermerkt…

  6. Wenn ich bis vor kurzem noch gejammert haben sollte, dass wir früher nie in den Urlaub sind: hiermit wird das eingestellt. (Regentropfen aufs Blechdach werden zugleich vermisst und durch 1 eiskalten Schneeschauerlauf ausgeglichen.) schönes Wochenende! :-) lgk

    • Hallo Conny,
      vielen Dank, ich werde noch weiter daran arbeiten, im kommenden Januar/Februar so das ich auf ca. 60 Motive komme, davon sind dann 30 halbwegs gut….mal schauen was ich noch finde…
      Lieber Gruss und einen schönen zweiten Advent wünscht Jürgen

    • Gerne, ich schenke mir auch noch einen ein…komme ja ursprünglich aus der Gegend und wenn im Dorf das grösste Gebäude neben der Kirche die Kornbranntweinverwertungsstelle (schönes Wort oder ?) (und damit bin nicht ich gemeint :-) ist dann ist das ein klares (hicks) Zeichen !
      Lieber Gruss, Jürgen

      • Das ist natürlich prägend. Ich komm aus einem Städtchen, das noch nicht mal das hat, sondern nur eine Mineralwasserquelle namens Geyer-Sprudel. Das konnt ja nix werden.

  7. Ich fühlte mich bei deinem (wieder einmal herrlichen) persönlichen Rückblick in Camperzeiten und dem Anblick der Wohnheime auf ihren kargen Plätzen sowas von mittendrin! Und das, obwohl ich nie campen war! :-D
    Wier haben nur mal Bekannte in ihrem Urlaub an der Ostsee auf einem Platz besucht, und ich hatte eben beim Lesen sofort wieder die diversen Grill- und Kochgerüche in der Nase, die auf unterschiedliche Sender eingestellen Radioempfänger im Ohr und die Betonflachdachbauten mit den sanitären Anlagen vor dem inneren Auge. (Sieht bestimmt nicht überall gleich oder zumindest heute etwas anders (besser) aus.)
    Damals waren es mehr die PKWs mit Wohnwagenanhänger, die auf den Plätzen zu finden waren. Mit irre vielen Vorzelten und Anbauten! Heute herrscht wohl eher das innen vielseitig umbaubare Mehrzweckwohnmobil vor. Ist einfacher zu handhaben, besser zu sichern und entschieden wetterfester.
    Jürgen, mich würde wirklich eine Sommervariante deiner Aufnahmen interessieren. Falls du also in der Zeit dort vorbeikommst – und man dich aufs Gelände lässt ^^ – dann bring gern noch die Variante „dicht besiedelt“ mit.
    Liebe Grüße und einen schönen 2. Advent!
    Michèle

    • Hallo Michele,
      Vielen Dank , stimmt, es gibt natürlich auch die 5 Sterne Plätze aber die sind so langweilig überordentlich…da dürfte das Fotografieren schwer fallen…zur Sommerserie muss ich mir was überlegen, vielleicht mit einer kleinen Schnappschusskamera arbeiten so das die Leute es nicht merken wenn fotografiert wird…ich berichte dann im nächsten Sommer…also vielleicht in 2-3 Jahren :-)
      Ich wünsche dir auch einen schönen zweiten Advent und Euch weiterhin alles Gute .
      Lieber Gruse
      Jürgen

  8. Hallo Jürgen, trister kann man Camping-Tristesse kaum fotografieren. Perfekt! Im Sommer wird’s vielleicht bunter, aber verlockender vermutlich nicht. Ich hoffe, dein Trauma ist damit behoben.
    Hab einen gemütlichen Adventssonntag!

    • :-) Das Trauma des Fotografen kann nicht behoben werden…ist quasi ein Geburtsfehler der einen zwingt ständig weiter zu forschen und zu fotografieren….aber im nächsten Leben werde ich Beamter …versprochen !
      Dir wünsche ich auch einen entspannten zweiten Advent ,
      Lieber Gruss, Jürgen

    • Stimmt Sabine, da hast du mich erwischt…ich habe die Farben ein wenig reduziert…so wirkt es noch morbider..aber es ist schon eine merkwürdige Stimmung dort…mitten im Winter zwischen all den Wagen zu stehen, keine Menschenseele weit und breit und vor Augen hat man die Bilder eines Sommercampingplatzes…
      Lieber Gruss, Jürgen

    • Hallo Nicole,
      vielen Dank…tja, noch ein wenig Novembertristesse bevor der Weihnachtsbaum brennt…pardon, erleuchtet natürlich :-)
      Wünsche dir einen schönen zweiten Advent,
      Lieber Gruss, Jürgen

  9. :-) Spitze wie immer. Ick sach man so, det mitti Lehmsfreude is nu balde vo’bei. Da sei der Ami vor. Weinstein und die Foljen. Oda da Dschendawahn. Man weesetnich, wer jewinnt! Eheanbahnung demnäx nua üba Vattan. Vatraglich abjesichatt. Oda die Youngstas vazwittan alle. Da lobick mir doch unse ßeit! „….please don’t lose your balls down in the bunker!“ (Steve Gibbons „the girl from the bunker“ 1978)
    Oda ebend in de rolling egg.

  10. Danke , Danke…ja, Schluss mit lustig…vielleicht sollte man sich doch so einen Wagen besorgen und den dann irgendwo in der Uckermark verstecken um sich verstecken zu können…aber das hatten wir ja hier schon mal mit dem Thema Cirkuswohnwagen…du siehst : ich kreise um das Thema :-) Letztendlich ist Hamburg auch nur ein grosser Campingplatz…ob die Leute nun im Wohnanhänger sitzen oder im Auto im Dauerstau stehen macht kaum einen Unterschied…
    Grüsse von Jürgen zum zweiten Advent !

  11. Vielleicht braucht man solche Erlebnisse in der Jugend um das später in solch einer Serie verarbeiten zu können. Solltest du davon mal ein Buch veröffentlichen, ich kaufe es sofort!
    LG kiki

  12. Hallo Kiki,
    vielen Dank, die Idee ist gar nicht so von der Hand zu weisen, ich bin schon gefragt worden…abeer ich finde die Serie muss noch besser werden und will noch mal in 2018 daran arbeiten…
    Lieber Gruss, Jürgen

  13. Beim Lesen ist mir gerade aufgefallen, dass Selfies mit Katze vermutlich ziemlich hype wären. Werde meiner Katze jetzt erstmal das richtige Dabben beibringen… :)

    • Au ja, das dürfte voll Trend sein und wird dir (Katzen)follower ohne Ende bescheren…frage ist nur was du machst wenn die Werbemillionen an deine Superkatze fliessen und die dich enterben will :-)

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