Dramaqueen 2…

Bunker 1….hey, was Hollywood kann kriege ich schon lange hin…auf jeden Blockbuster erfolgt sofort ein lauwarmer Aufguss 🙂 …. nein, keine Sorge, bitte weiterlesen, es folgt nicht der 128 Teil der Endlossaga : Die Leiden des alten J aus HH….vielmehr war der letzte Teil Anlass zu einigen Fragen und so schreibe ich heute ausnahmsweise mal etwas über Idee und Ausführung…hatte dazu den massgeblich Beteiligten zum Exklusivinterview ( die BILD war auch schon dran, konnte aber die hohen Honorarforderungen nicht begleichen…) Die Grundidee war eine kleine Reise entlang der dänischen Nord-Ostseeküste zu machen, in einer Zeit wo dort nichts los ist…Februar…und dazu hatte ich mir einige mögliche Fotomotive notiert…Dann den Wetterbericht geprüft und als der dramatisches Licht versprach losgefahren….Nun darf man ja in Dänemark nur angenehme 90km/h fahren was der Deutsche gerne mit kurz vor 120km/h übersetzt…der Däne allerdings hält sich stur dran und so war die erste Zeitverzögerung vorprogrammiert…das Hauptproblem allerdings war der Wetterbericht…statt dramatischem Licht fing es aus dunkeldauergrau an zu regnen…Da stehe ich nun am Strand 500 entfernt von zu Hause…umdrehen ist keine Option…Kaputze auf und zum Strand stapfen…alles durchweicht und nass…und da liegen sie nun…graue Klötze in grauem Meer vor grauem Himmel…es ist zum Heulen…das erledigt der Himmel über mir schon für mich….also trotzdem fotografieren…und irgendwie hat die Situation auch was…menschenleer, alles trist…mit ein wenig Phantasie ergeben sich ganz neue Assoziationen…Tage später wieder zurück in Hamburg…jetzt scheint die Sonne…na klar….und ich starre auf graue Fotos….nun ist man als Berufsfotograf ja oft gezwungen auch aus Schrott goldene Eier…will sagen Motive zu zaubern….und die dazu nötige Fee trägt den unromantischen Namen : Photoshop….also Vorhänge vorm Fenster zu und basteln…es erweist sich für mich das es zwei interessante Möglichkeiten gibt : alles 3 Blenden heller und farbensättigt, sozusagen HeyKey Look Bunker 10: das ergibt fast abstrakte kühl klare Motive mit leicht surrealem Touch….jetzt gäbe es noch die Möglichkeit der reinen Dokumentation, also der grauen Fotos …aber das ist als Bildbastler nicht so mein Ding…also die dritte Möglichkeit : für mich eher untypisch als Freund des gleichmässigen grauen Nebellichtes : eine Übersteigerung des Motives unter dem Motto : wenn der Himmel schon nicht will werde ich ihm mal auf die Sprünge helfen….als ich allein im Nieselregen vor den Bunkern stand hatte ich keinerlei Kriegsassoziationen sondern mir kamen die Dinger eher als gestrandete Wesen aus grauer Vorzeit vor…Bunker 5.das wollte ich nun darstellen…und stiess auf heftige Kritik meiner Assistentin : da war von Kriegsverherrlichung die Rede , von falscher Glorifizierung und Überhöhung…kurzum die falschen Mittel am falschen Objekt….OK, wir haben gelernt das kein Objekt an und für sich wertfrei ist…(und ich definitiv kein Freund der damaligen deutschen Machthaber und ihrer Pläne ) , trotzdem denke ich das jeder das Recht hat seine eigene Interpretation zu zeigen…ob nun gelungen oder nicht müssen die Betrachter entscheiden…Apropos Entscheidung : ich kann mich noch nicht zwischen meinen beiden Versionen entscheiden…eigentlich mag ich die hellen kargen Motive lieber…für meine Gefühlslage im Moment des Fotografierens steht aber die Dramaqueen….Bunker 8Bunker 2

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47 Antworten zu “Dramaqueen 2…

  1. Nr.3 von oben oder unten ist mein Favorit, die Ruhe darauf ist unheimlich und gespenstisch, überlege gerade, welche Musik ich dem Foto zuordnen würde.
    Einen undramatischen Gruss vom Dach, Karin

    • Hallo Karin,
      bei dem Motiv wurde ich endgültig nass, nicht nur durch den regen von oben sondern jetzt auch noch nasse Füsse…damit die Spiegelung gut wirkte musste ich etwas ins Wasser und dann kam die kleine gemeine Welle 🙂
      Lieber Gruss, auch ganz undramatisch, von Jürgen

  2. Grandios. Ich mag auch beide Versionen, aber die dunklere Variante ist mir lieber. Und die Tristesse der Jahreszeit macht den Rest. Im Hochsommer verliert sowas seinen Schrecken.
    Auch KZ-Überreste sollte man prinzipiell im November oder Februar besuchen.
    Dann erklärt sich das alles von alleine.

    Mit Seeungeheuerassoziation bringste mich erst drauf: Don’t kill the Whale…(YES)

    • Danke dir, und es stimmt, im Hochsommer wirkt selbst Ausschwitz merkwürdig harmlos…mal von den ganzen Touristen abgesehen, aber als ich im Januar bei -15 Grad und Schneetreiben dort war…eiskalt im wahrsten Sinn des Wortes….
      Das mit den Walen ist eine gute Idee : ich dachte an sowas wie das Ungeheuer von Loch Ness in versteinerter Form (habe mal an der Küste einen kleinen versteinerten Seeigel gefunden…seitdem verfolgt mich das 🙂
      Grüsse von Jürgen

  3. Interessantes Motiv und das Wetter finde ich auch prima dafür. Mit oder ohne Photoshop, alle Versionen haben eine klare Bildsprache. Die Stimmung ist unterschiedlich, etwas surreal kommen alle rüber. Klasse.
    LG Franz

  4. Also ich frag mich ja, wie du das hinkriegst, dass die dramatischen Wolken genau im Bildmittelpunkd auf das Objekt der Begierde treffen. Im wirklich wahren Leben scheinst du ja nicht der Gebieter über die Erde und den Himmel zu sein. Also wie?

    • Hallo Rolf,
      stimmt, leider entziehen sich Erde und Himmel (noch) meinen Anweisungen…nicht aber Photoshop…das ist dann meine Rache an der Realität ..und da bin ich einigermassen gut (habe allein ein Himmelsarchiv von ca 2000 Fotos für alle Fälle …um der Realität ein Schnippchen zu Schlagen 🙂
      LG Jürgen

      • Da bist du in guter Gesellschaft. Auch Jewgein Chaldei, der berühmte sowietische Kriegsfotograf (der mit den Soldaten auf dem Reichstag) hat zugegeben, dass er immer ein Archiv mit Himmelsbildern eingesetzt hat, um seinen Bildern mehr Dramatik zu verleihen. Du weißt: Ich seh dich bei den ganz Großen. Nastarowie!

      • Das ist aber zuviel des Lobes Rolf, ich übe noch….die wahren Meister damals unter Stalin hatten auch ohne Photoshop viel zu tun, Personen rein ins Bild, Kopf raus aus dem Bild, je nachdem wer gerade In Ungnade gefallen war und im Gulag verschwand…da müssen die Scheren gequalmt haben und der Klebstoff geflossen sein ..aber hinterher sah es auf der Reproduktion perfekt aus…kein Wunder, sonst wäre der Retuscheur seinem herausgeschnittenen Opfer nach Sibirien gefolgt…

      • Steht noch dahin, wie Anna Seghers schrieb, ob uns diese Fähigkeiten nicht irgendwann den Kopf retten. Ich werde gerade dafür bezahlt, das Wort „Hartz IV“ aus Texten zu steichen.

    • Vielen Dank Petra,
      freut mich das dir auch mein …Geschreibsel …gefällt….eigentlich hält man ja als Fotograf seine Klappe und lässt nur die Bilder wirken 🙂
      Lieber Gruss, Jürgen

    • Hallo Alberto,
      Stimmt, ich habe da einige berühmte Vorbilder, vor allem mit Motiven aus der Normandie / Bretagne aber eben noch früher auch Roger Fenton …wobei da die Filmtechnik noch nicht so gut war so das der Himmel weiss überstrahlt…und so eine merkwürdig kalte präzise Stimmung schuf…nicht zu vergessen die ganzen Kanonenkugeln die da herumliegen…
      Beste Grüsse von Jürgen

    • Thanks a lot Harrie,
      indeed, two were shot at Sondervig , the other at Vigso Bugt ….and the last one ( comes later in a new post ) were shot at Skagen (this one is the only danish one, the other were build by the germans during second world war) ….i had a nice journey from Hamburg to Skagen in February 🙂
      Best, Jürgen

  5. Sehr spannend, lieber Jürgen, deine Varianten mit den Kommentaren! Vielen Dank dafür!
    Regenwetterfotos gehören anscheinend zu deinen Stärken.

  6. Lieber Jürgen, auch mein Favorit ist Nr. 3 von oben. Wie zwei riesige Tiere, die gestrandet sind und sich nun erstmal erschöpft sind. Vermutlich erzählen sie sich später von ihrer Odyssee.
    (Die anderen Bilder sind aber auch toll.:)
    Freundlich winkende Grüße gen Norden – Birgit

  7. Ich finde die Fotos super. Es kann hier auch kein besser oder schlechter geben, es kommt letztlich immer darauf an, welche Gefühlslage man ausdrücken will. Ich finde es aber schön, mal den Vergleich zu sehen. Meine eigene Fotobearbeitungserfahrung beschränkt sich in der Regel auf das Abschneiden ungewollter Mülltonnen. 😀

    • Hallo Peggy,
      danke sehr, und das mit dem Mülltonnenentfernungsprogramm ist doch schon mal ein guter Anfang 🙂 Der Rest ist gar nicht so schwer…
      Lieber Gruss, Jürgen

  8. Die dunklen Bilder sind sie schöneren. Das jedenfalls spiegelt nur meine Meinung dar und muß nicht mit der Meinung der Redaktion oder anderer Personen übereinstimmen. Eigentlich wollte ich noch ein paar Wort zu der Assistentinmeinung sagen. Doch ich lass es lieber bleiben. Zu schnell wird man heute, in die eine oder andere Ecke gestellt. In der man gar nicht stehen will. Vieleicht ist es das Glück des Fotografen, der er nicht nur schwarz und weiss sieht. Sondern auch millionen von Abstufungen in die eine oder andere Richtung. VG Lars

    • Hallo Lars,
      Danke dir….und das mit der Assistentin geht schon in Ordnung : da ist viel bewusste Provokation dabei und die Lust am Diskutieren über Bilder…sie weiss schon wie ich ticke….und wie man mich auf die Palme bringt 🙂
      LG, Jürgen

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