Sommerwetter…

Nebelhafen 1….30 Grad im Schatten, superblauer Himmel und Sonne überall….die Studiofenster sind geschlossen, der Fotograf hustet und würgt, die Assistentin kichert belustigt…der Fotograf hat der Dauerraucherin 2 Packungen Zigaretten spendiert und zum erstmal darf sie während der Arbeit rauchen…er selbst als Nichtraucher versucht sich ebenfalls als Marlboro Man…mit dem Effekt das alle 3 Minuten das Badezimmer aufgesucht wird und die arktischfrische Zahnpasta kurz vor dem Ende ist….der Kunde wünscht ein Motiv mit viel Rauch um das Objekt…und so wird fleissig geraucht und mittels Strohhalm der Rauch an die richtige Stelle bugsiert…röchel, würg….allein.. das Telefon klingelt….gut das man Zigarettenrauch nicht durch die Leitung riechen kann…wie, was? mehr Rauch….Super, die Assistentin dreht zur Höchstform auf…jetzt muss die Zigarre ran…ursprünglich wollte ich mal Fotograf werden um langbeinige Blondinen lasziv hingestreckt zu knipsen…irgendwie ist da was schiefgegangen…hust…Zigarre reicht auch nicht, es muss noch mehr Rauch sein…Fenster bleiben zu damit der Rauch nicht durch Windzug gestört wird…es klingelt, der Fotograf stolpert mit flauem Magen zur Tür….Scotty2 kommt, die Allzweckwunderwaffe…eine kleine Nebelmaschine ….einmal kurz auf diesen Schalter drücken und….prust, stopp, wo bist du…alles dicht…Nebel halt, aber so richtig…schnell zum Computer die Daten sichern, wo stand der nochmal…ich falle über das Kabel des Blitzgenerators und knalle mit dem Kopf gegen den Bürotisch…ah, da steht er also und jetzt habe ich neben Magenschmerzen auch noch Kopf….ein Höllenlärm geht los, die Rauchmelder, Mist …hätte man vorher abkleben müssen…schnell die Leiter…wo war die nochmal…Nebel….es klingelt , man hört Sirenen…die Feuerwehr, besorgte Nachbarn…nein, kein Problem, wir knipsen hier nur…die Rechnung bitte an den Kunden…zur Abwechslung klingelt wieder das Telefon…super , der Kunde freut sich…steht auch nicht hier im Studio…biitte, äh…explosiver soll der Rauch…ratlos blicken sich Fotograf und Assistentin an…und kommen sich ganz nah denn sonst sehen sie sich nicht…soll ich jetzt in Polen anrufen und mir einen der netten Böller bestellen und dann Handgranatenmässig das Studio in die Nebelluft jagen ?… noch mal Scotty2 ….wieder versinkt alles im Grauen…die Klingel…der Fotograf tastet nach dem Telefon…ach so, die Türklingel…durch die geöffnete Tür quillt der Nebel und schemenhaft überreicht der Postbote einen Eilbrief…jetzt wird es sehr still denn der Brief ist einer von der Sorte die nie ankommen sollten…Todesfall in der Familie , Beerdigung in 3 Tagen….irgendwie ist alles Nebel und die Familientreffen finden bei fortschreitendem Alter nicht nur seltener statt sondern werden auch immer unfröhlicher…der Nebel im Raum verhindert das ich die Sonne draussen  sehen kann…gut so, mir ist nicht danach…Ratlosigkeit im Fotostudio, ich drücke nochmal Scottys Schalter…wir kommen aus dem Nebel ,wir verschwinden wieder im Nebel…und zwischendurch scheint ab und zu die Sonne…

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20 Antworten zu “Sommerwetter…

    • Danke dir,
      es war absehbar und manchmal ist der Tod ja auch eine Erlösung…gegenüber dem was die moderne Gerätemedizin so anrichten kann….Aber wenn es dann soweit ist bleibt die Welt trotzdem für einen Moment stehen und alles wird nichtig.
      Lieber Gruss, Jürgen

  1. „Beam me up Scotty.“

    Da stecke ich mir doch auch erst Mal eine Zigarette an, sagt Captain Kirk in Zone 3 und bewegt den Schalter.

    • Ich bin dann mal raus :-) So als Nichtraucher aus Jobgründen eine rauchen zu müssen…jetzt muss ich eine Woche KIWI Diät machen um mein mir vorgesehenes Lebensalter zu erreichen…
      LG Jürgen

    • Vielen Dank Frauke,
      gesehen habe ich da auch nicht viel, nur das Boot gehört…und dann war es für Bruchteile einer Sekunde sichtbar…
      Lieber Gruss, Jürgen

    • Danke dir Lars,
      je älter man wird um so bewusster merkt man das…wenn die eigene Familie statt jedes Jahr grösser zu werden auf einmal wieder kleiner wird….Lieber Gruss, Jürgen

  2. Wunderbar „leeres“ Foto, lieber Jürgen! Es wirkt ganz still, lautlos, kühl … als könne man in solcher Szene strapazierte Nerven ( und Raucherlungen) heilen.
    Dein Text kippt von Chaotisch-Witzig in tiefen Ernst und gibt damit ein überzeugendes Abbild des „richtigen“ Lebens, das auch kaum sanfte Übergänge kennt.

    • Hallo Ule,
      vielen Dank, ich geb zu das das Motiv schon etwas älter ist, hier scheint im Augenblick permanent die Sonne…und mit dem Text habe ich mich diesmal etwas schwer getan…der erste lustig chaotische Teil existierte schon bevor der Eilbrief ankam…aber wie verbindet man dann die beiden Geschichten….ich dachte das Bild mit dem Nebel schafft das vielleicht , also als Symbolbild zu meinen Nebelübungen im Studio mit der Weiterleitung zum Begräbnis…freue mich wenn es dir gefällt und meine Idee doch etwas rübergekommen ist !
      Wünsche dir noch einen schönen Sonntag,
      Lieber Gruss, Jürgen

  3. Hallo Jürgen,
    ich lese gerade deine Reaktion und Antwort auf den Kommentar von Ule Rolff – dessen Zeilen ich mich anschließen möchte. Mein aufrichtiges Mitgefühl … Auch wenn es zu erwarten gewesen war, ist das Eintreffen doch noch etwas anderes.

    Mir hat aber deine Fotografen-Rauch-Nebel-Aktion wieder sehr imponiert! ^^ Was für ein Chaos und welcher persönlich Einsatz (als Nichtraucher!). Deine ganz eigene Art, diese chaotischen Momente zu eine dramatisch-rasanten Geschichte, die man vor Augen hat und die einen immer auch ein bisschen atemlos werden lässt, zu formulieren, ist grandios.
    Heute hat es mir besonders gefallen, wie du die Kurve bekommen hast, bzw. den traurigen Moment mehr als angemessen integriert hast.

    Ein lieber innerstädtischer Gruß und komm gut in die neue Woche!
    Michèle

    • Hallo Michele,
      Vielen lieben Dank für dein Lob, das tut gut ! Ja, man redet und denkt über den Tod aber wenn er dann da ist …und klar weiss man : die Eltern werden älter und wir können uns schon mal darauf vorbereiten das der tag kommen wird…trotzdem wird ein Stückchen des Lebens von da an fehlen , unwiderruflich ….mein Wochenende ist gründlich verdorben…erst die Beerdigung und am heutigen Sonntagmorgen rief noch vor dem Frühstück die Polizei an…mein Vater hat im Heim randaliert und mit einer Tasse einem dementen Mitbewohner mehrfach auf den Kopf geschlagen…jetzt kommt also auch die Zeit wo die Eltern wieder zu Kindern werden und man überall hin muss um schnell zu vermitteln…und bei jedem Telefonklingeln hochschreckt…ich brauche jetzt erstmal ein Glas Wein…vielleicht auch 2 :-)
      Ich wünsche dir und deinem Mann eine entspannte und gute neue Woche ,
      Lieber Gruss, Jürgen

      • Oh …, das klingt ja nicht gut. Und irgendwie kann man aus der Position heraus auch gar nicht viel machen – außer Ansprechpartner sein, schlichten, sich kümmern … Und das ist nicht ohne.
        Ich wünsche alles Gute, Jürgen!

    • Vielen Dank Bernhard,
      es macht es etwas leichter insofern hier der Tod eine Erlösung (von einer schweren Krankheit) darstellt .
      beste Grüsse von Jürgen

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