Anarchie…

mauerBerlin…herrschte bei uns im beschaulich katholischen Münsterland nicht gerade…und die 1,5 rebellischen Jugendlichen wurden von der örtlichen Dorfjugend schnell eingenordet..notfalls mit dem unchristlichen Mittel des Faustschlags …aber zur Vergebung ging man ja Sonntags in die Kirche…und alles ward wieder ruhig…Sonntagsruhe oder Friedhofsruhe…das war nun Ansichtssache…heimlich auf dem Zimmer zumindestens lief auf kleinen Plattenspieler durchaus mal …unanständige …Mucke….und dann kam der grosse Tag : wir 4 Jungs hetzten ein Elternpaar in die benachbarte Grossstadt und stürmten den örtlichen Plattenladen : die packten gerade ein Paket aus mit frisch eingetroffenen Alben, darunter das Ersehnte : 6 Exemplare von PINK FLOYDs neuster Doppel LP Another Brick in the Wall wurden erstanden…endlich hatten wir armen bedauernswerten Insassen einer höheren Lehranstalt unser Protestlied gegen spiessige Pauker und das Rauch+Knutschverbot….ein halbes Jahr später brach dann tatsächlich die Anarchie aus…nein, nicht bei uns an der Schule (einer früheren Klosterschule) sondern in besagter Grossstadt und dort in einem schon entsprechend bekannten Ort, dem Westfalenstadion….und aussnahmsweise waren nicht feinselige Schalker05-06 schuld sondern oben genannte Protestband…4 Tage life in der Arena…diesmal mussten gleich mehrere Elternpaare als Transportesel her…und weil das einige im Ruhrgebiet so machten brach der verkehr auf der A40 vor der Westfalenhalle komplett zusammen…kreuzbrave Familienväter parkten mitten auf der Autobahn und drohten Polizisten Prügel an derweilen die hoffnungsvolle Jugend die Arena stürmte…wurde es draussen still, Abschleppwagen wurden ebenfalls zugeparkt und die Polizei entmachtet und beschloss daher folgerichtig die A40 weiträumig abzusperren und das Krisengebiet trockenzulegen…klarer Fall von Rebellion der Untertanen…und wie im echten Leben auch haben es auch in diesem Fall die Bürger versäumt den mit grossem Elan begonnenen Aufstand siegesgewiss weiterzutragen…nach Konzertende stiegen sie brav in ihre Autos, grüssten entspannt die Pause machenden Polizisten und fuhren ihre heisernen und müden jugendlichen Helden zurück zu Mama ins Bett…wie stellte der SPIEGEL schon neulich so treffend fest : die Deutschen sind einfach nicht zu Anarchie gemacht und überlassen das lieber den heissblütigen Franzosen oder Italienern…nun gut , in der Rückschau war das ja nun auch kein wirklich revolutionäres Konzert sondern eher der Versuch einer alternden Rockband noch ein Mal die Rente aufzubessern ….das wahre Protestlied kam dann zum Ende meiner Schulzeit heraus…Hurra Hurra die Schule brennt ….NDW von Markus…(wie oft habe ich vor Klassenarbeiten geträumt das diese ausfallen würde weil just in der Nacht die Schule lichterloh…und jetzt , nach 30 Jahren bekam ich neulich einen Zeitungsausschnitt der meine brennende Schule zeigte…es passiert also doch, wenngleich der 6er im Lotto wahrscheinlicher ist…und es waren keine bösen Jungs sonder fahrlässige Arbeiten am Dachstuhl…von wegen es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen…:-)  Worauf wollte ich nun hinaus…ach ja, ihr versteht daher das ich kein Anarchist bin (oder nur ein ganz ganz kleiner) angesichts dieser verpassten Chancen und daher gibt es heute ein ganz reaktionäres Foto..weil im Gegensatz zu sonstigen Bildern ist dieses eins aus dem Archiv…aufgenommen an einem kalten Februartag in Berlin an einer Stelle die es heute so nicht mehr gibt…weil …manchmal können sie doch Rebellion, die Deutschen…wenn auch alles ganz ordentlich mit Feierabend und ohne Fallbeil :-)

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40 Antworten zu “Anarchie…

  1. Lieber Jürgen, was ist das für ein Text an der Hauswand? Freundlich winkende Grüße gen Norden – Birgit

    • Hallo Birgit,
      das weiss ich auch nicht genau, das Haus ist heute neu weiss gestrichen, ich habe mal in Berlin einen Art-Direkror einer Werbeagentur getroffen, dessen Freund war wohl in der Wendezeit für das Projektverantwortlich war , ich selber habe mal den Text vergrössert, muss aber passen…klingt schwer literarisch…aber ich habe keinen Bezug entdeckt…vielleicht weis ja hier jemand genaueres (z.B die Berliner Mitblogger ? )
      Lieber Gruss, Jürgen

      • Danke Dir. Ich habe es auch via Vergrößerung versucht, kann aber nix entziffern.
        Und ja, vielleicht kennt ihn jemand von Deinen Followern. 👋

  2. Hihi, tolle Musik ist das, mehr als das! In Köln haben sie auch im FußballStadion gespielt, ich konnte aber schon alleine hingehen mit Töchterchen an der Hand :), damit sie direkt den richtigen Musikgeschmack bekommt :).Die Lichtshow fand ich absolut Spitzenklasse damals. LG

    • Die Show war in der Tat bombastisch, sie blieben auch mehrere Tag in Dortmund weil sich der Aufwand für einen Tag gar nicht gelohnt hätte…und man merkte auch das das absolute Profis waren…wir waren alle schwer beeindruckt ….und mehr als einer nahm sich wohl vor : hey , das mache ich später auch mal :-)
      Lieber Gruss, Jürgen

  3. … und mit gültiger Bahnsteigkarte zur Bahnhofsbesetzung. Ja, wir sind schon dolle Revoluzzer!
    Schön, dein bisschen chaotischer Text (ich sorgte mich schon, ob du die Kurve noch kriegst 😉), besonders in der Kombination zu dem klassisch-ordentlichen Foto ( gefällt mir „trotzdem“ sehr).

    • Hallo Ule,
      ja , diesmal habe ich mich schriftstellerisch schwer getan, zuviel Ablenkung beim Schreiben und dann kommt man raus und findet den Anschluss nicht mehr…wollte schon alles wieder löschen…andererseits ist es eine gute Momentaufnahme ….womit wir bei der Fotografie wären…auch da kann ein zuviel Unruhe durchaus vom Thema und einem guten Bild abhalten ….
      Lieber Gruss, Jürgen

      • Ich fand die Form deines Schreibens sehr passend zum Inhalt.
        Dass Unruhe eine innere Sammlung und gute Arbeit behindern kann, erlebe ich immer wieder. Doch ist „alles wieder löschen“ nicht immer die beste Lösung. Weglegen und später noch mal dran gehen zeigt den guten Kern.

        • Danke Ule, habe ich auch so gemacht, hat 4,5 Studenten gedauert bis der Text fertig war, unterbrochen vom wütenden Sohn, quengelten Nachbarn, dauerklingendem Telefon, nervigen Einschreiben und dem 1:0 des BVB (wenigstens das war super :-)

  4. Hallo Jürgen,
    vielen Dank für deine Erinnerung. Hat reichlich Spaß gemacht sie zu lesen. Und eigene Erinnerung an Dortmund und an die A40 bzw. B1 wachgerufen. Stand sehr viel Anfang der 80er Jahre auf´m Weg von Duisburg ins Sauerland in Höhe der alten britischen Kaserne herum, wenn die Panzer mal wieder auf die Straße rollen mussten. Da habe ich mir so gerne den deutschen Revolutionär von einst gewünscht. Habe mich immer gefragt, warum die Briten sonntags Panzer fahren müssen? Die spinnen die Briten. Naja, lang her. Pink Floyd war nicht meine Welt, mehr schon Hurra die…, passiert nie. War auch gut so, denn die alte Dorfschule war damals schon gut und gerne 150 Jahre alt. Wäre Schade gewesen :-) Und zum Revoluzzer habe ich damals schon nicht getaugt, ok man war in Bonn, und bin später den Grünen beigetreten, aber nur da sie die hübscheren Mädels hatten.
    Danke, ich finde Text und Bild toll.

    Und was die Frage von Birgit angeht, vielleicht kann die Bloggerin „streetartwalks“ https://streetartwalks.blog weiterhelfen. Sie kennt sich in der Graffiti Szene im Pott und Berlin bestens aus.

    Liebe Grüße, Peter

    • Danke Peter, werde die Bloggerin mal um Infos bitten….und das scheint echt Britischer Spleen gewesen zu sein…mein alter Herr (bei der Bundeswehr) kam immer rechtzeitig Freitagnachmittag mit (seinen)Panzern von der Übung zurück….
      Lieber Gruss, Jürgen

  5. tippi toppi .. wie immer … mit den Pinken konnte ich mich nie so richtig anfreunden…Revoluzzer sind die deutschen schon… nur dann knallt es leider gewaltig … schönen Sonntag noch :)

    • :-) Das ist dein Thema , ja ? Und vermutlich richtig, anderseits darfst du das vorerst nicht meinem Sohn verraten …sonst stehen mir unruhige Zeiten ins Haus :-)
      Lieber Gruss, Jürgen

      • es wäre schön, wenn es unser aller Thema wäre, denn eine viel zu große Zahl der Deutschen bleibt im Meckern stecken und verändert dann doch lieber nichts

  6. Dass schon mal Revolution in Deutschland auf der Autobahn stattfand, lässt für kommende Dieselfahrverbote nichts Gutes ahnen. Wahrscheinlich werden die neuen Aufstände von den 20% der jungen Menschen angeführt werden, die keinen Berufsabschluss haben. Und Ihre Hymne? Natürlich „We don’t need no education“ ;-)

    • Sowie die Sache in Hamburg aussieht könnte die nächste Revolution wohl wieder klassisch auf der Strasse ausbrechen…von all den Dieselfahrern deren Kisten nichts mehr wert sind …und dann wird gerufen : we dont need education but a new SUV… :-)

    • Danke, mir war noch der Spasstitel bekannt ..daher habe ich zur Vereinfachung die halbe NDW Markus zugeschrieben…gebe aber gerne zu das ich mich in dem Bereich nicht so gut auskenne, wer das damals bei uns an der Schule hörte wurde als Kinderliedexperte durch den Kakao gezogen… :-)
      LG Jürgen

      • Gerne. Ich komme aus Hagen (ursprünglich) und da sind Extrabreit, Nena und Grobschnitt zu Hause (die Humpe-Sisters indirekt auch, wohnten aber in Herdecke – also direkt nebenan). Komm nach Hagen und werde Rockstar, war die Parole. Dortmund ist zwar auch um die Ecke, aber zu The Wall durfte ich nicht. Das habe ich erst 1990 in Berlin life
        gesehen

        • Da waren wir ja fast Nachbarn :-) Wobei die(jungen) Dortmunder ja immer etwas auf die Ländler herabgeschaut haben und überwiegend sehr düstere Musik mochten von Bands mit so tollen Namen wie suicide commando…und wir schauten damals eher Richtung Bochum wo beim Rough Trade Label so Musiker wie Philip Boa Musik machten…ich fing an für die Bands zu fotografieren und ein Freund von mir, Dirk Rudolph machte etliche Plattencover…schwarze Kleidung war Pflicht und der Weltuntergang nah…das prägt mich bis heute und auch deshalb schreibe ich hier als beruflicher Dauerpessimist :-)

  7. Hey, hang on, hang on….“der Versuch einer alternden Rockband noch ein Mal die Rente aufzubessern“…. that was Dortmund1981
    Didn’t these ‚old men‘ manage another 15 years before entering the Rock and Roll Hall of Fame?
    (thank you for lovely memory anyway)

    • Yes, Pink Floyds great time as a avant-garde psychedelic and electronic rock band with (one of my lifetime favourites) LP like : dark side of the moon…no comparison to what they play (popular but no more strange) in the later years until the first of them died…

  8. Entweder Extrabreit „Hurra hurra die Schule brennt“ oder Denise und die Wilde 13 „Schule?Schule? Nein Danke!“ – Hätte auch gepasst. Yeahhh!
    „The Wall“ war nicht mein Ding. We don’t need no education – ist doch eine mordsblöde Zeile. Britische Schulmisere hin oder her.

    • Extrabreit !!! Und für ne Schulmisere brauchen wir gar nicht nach England schauen, die kriegen wir besser hin wenn ich das so bei meinem Sohn sehe…keine Lehrer, uralte Schulen und kein deutschlandweit vereinheitlichtes Lernsystem…da wäre mal ein Hauslehrer angedacht…

      • Jau! Ich weiß. Die westdeutsche Schulmisere mit Abwahlfächern und Noten verschenken bzw. Zusammenhänge zerhauen und einem jeden sein Syndrom zuzustehen ist aber von anderer Art als die englische. Ich erinnere mich an die Aussage eines ARD Korrespondenten, der anlässlich der Riots 78 oder 79 in London das so zusammenfasste: In England sind die öffentlichen Schulen im besten Falle Hauptschulen, wobei der Wissensstand so eines 16jährigen Briten einem deutschen 4.Klässler entsprechen dürfte. Bildung findet nur an Privatschulen statt. Wie gesagt, das war 78 oder 79. Europa nähert sich, was das betrifft, an. Nach unten. Und Ganztagsschulen sind diesbezüglich der neueste Clou …

        • Mit dem nach unten angenäherten Europa sagst du was wahres…selbst wenn man kein Freund des japanischen oder chinesischen Schuldrills ist finde ich das ewige herumexperimentieren am Schulsystem kontraproduktiv …als ich meinem Sohn in der Grundschule erklären wollte wie man ein Wort richtig schreibt hiess es seitens der Lehrer ich solle das bitte lassen…man schreibt wie man spricht…heute in der 7 Klasse fangen wir jetzt wieder bei 0 an weil jetzt wieder …richtig…geschrieben wird….bis zur nächsten Reform…und wehe du wohnst an einer Landesgrenze und ein Kind ist in dem einen Bundesland und das zweite Kind in dem anderen Bundesland auf der Schule…da kommt man sich als Elternteil vor wie im Zweifrontenkrieg….

          • Applaus. Und das schlimme: Das sind alles Westideen. Wenn wir Ostler was dagegen sagen, ist unsere Diktaturpägung schuld. Wir Albinoaskaris aus dem Fast-Balkan-Busch mussten uns für Kritik an diesem Unsinn regelmäßig auslachen lassen.

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