Im Finster-Walde….

….nach meinem letzten Waldabenteuer steuerte ich mein Hotel an, passenderweise im Ort Finsterwalde an der B96…es galt die Fotoserie über die B96 fortzuführen und mal zu schauen ob der Ort seinem Namen Ehre macht…vorher aber war noch ein Foto zu machen, nächst Finsterwalde und der B96 steht F60…ein riesiger Braunkohlebagger und heute ein Besucherbergwerk …da kann man bestimmt nicht gut fotografieren…der Plan war sich von hinten anzuschleichen…auf der Karte war ein passender Waldweg eingezeichnet…nun ist die Oberlausitz etwas speziell…wo gestern noch Wege und Dörfer waren sind heute tiefe Löcher oder hübsche Badeseen ….ich fuhr also Slalom um die Schlaglöcher des Waldweges, in der Ferne die Umrisse des Baggers…in der Ferne … Die wenigen Einheimischen schauten verständnislos und unter der Ölwanne gab es merkwürdige Geräusche..nach 2 Stunden gab ich auf, fuhr zurück auf die Hauptstrasse, zahlte Eintritt im Besucherbergwerk und stand inmitten zahlloser Rentnergruppen und Würstchenständen …sehr beeindruckend….das einzige Bild entstand dann aus der Ferne, im Rücken einer jener Badeseen , etliche Wohnmobile und kreischende Kinder….Finsterwalde F60 an der B96 B

…ich gedachte den aufkommenden Frust in Finsterwalde mit Ouzo zu ertränken…allerdings erwies sich der Grieche als waschechter Inder mit Hang zu Biftekigerichten..da half nur der Griff zur Schokolade aus der Autobordapotheke…

Am nächsten Morgen schnell weiter, immer die B96 entlang Richtung Bautzen…voller Hoffnung nun endlich mal ein tolles Fotoobjekt vor die Linse zu bekommen….

Die Hoffnungslosigkeit blieb aber nicht allein auf mich beschränkt….dann erspähte ich am Rand der B96 ein kleines Porträtfotostudio…sowas wollte ich auch immer mal haben…leider konnte die Fotografin von den wenigen Hochzeiten nicht leben und wohnt mittlerweile in Berlin….trotzdem sehr liebevoll arrangiert…Schnief…Taschentuch…Gedenkminute, Foto machen..

Hinter Senftenberg fuhr ich dann an einem grossen Plattenbau vorbei, der Heimat der Braunkohlewühlmäuse…doch die eigentliche Platte erwartete mich dann im nächsten grösseren Ort…Hoyerswerda…wobei das ein bisschen ungerecht ist, der eigentliche Ort ist durchaus beschaulich, die sogenannte Neustadt allerdings….

Danach löst Natur den Beton ab, es wird kleiner, grüner, dörflicher, hügeliger…eigentlich recht schön wenn nicht die Einheimischen den merkwürdigen Brauch pflegen sich am Sonntag an die B96 zu stellen und Schilder hochzuhalten : Merkel muss weg …und : Schluss mit der Asylantenflut….Der Sturm und Flut erprobte Fotograf hielt allerdings vergebens Ausschau , das einzig fremdländische im Ort war der gutbesuchte Dönerimbiss…

Immerhin hupte die vorbeifahrende Jugendfeuerwehr Senftenberg fröhlich…ich zog es vor den Ort schnell zu verlassen….es ging weiter direkt auf Bautzen zu , etwas kompliziert weil die alte B96 durch eine neue Umgehungsstrasse ersetzt wurde , ich fuhr bei strömendem Regen über die alte Wegführung nach Bautzen rein…zugegebenermassen war das Panorama schon beeindruckend …Zu extrem selbst für mein 11mm Superweitwinkel weshalb das Foto aus drei Bildern zusammengesetzt ist…und allein die Regentropfen aus dem Bild heraus zu retuschieren dauerte 1 Stunde, durch das extreme Weitwinkel mit der gewölbten Glasoberfläche wurden sie recht scharf abgebildet.

Tja, das wars schon mit dem Fototag, auf zum Hotel (s.bitte auch den vorherigen Bericht :-) Ich würde die Strecke nochmal fahren müssen, es muss doch noch etwas geben was ich übersehen habe…und dann steht das grösste Abenteuer bevor : Überleben in Zittau am Nullpunkt , dem Ursprung alles Lebens ..äh, nun zumindestens der B96 :-)

Veröffentlicht von juergen61

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27 Kommentare zu „Im Finster-Walde….

  1. Ich mag Deine B-Strassen Geschichten aber auch sowas von … ~~~~ und die Photographien dazu sowieso.
    Ich bin auf die Weiterfahrt gespannt. Und wie Du eines der vor Zittau typischen Umgebindehäuser ablichten wirst.

    Ich sende herzliche Grüsse aus dem südlichen Bembelland, Herr Ärmel

    1. Sehr geehrter Herr Ärmel,
      vielen Dank für das Lob ! Und ich muss gestehen…ich war schon in Zittau, zweimal um die Geschichte in Griff zu bekommen. Und natürlich gibt es ein Bild von einem Umgebindehaus, direkt an der B96, allerdings vor Zittau. Die Stadt selbst hat mich eher durch die verfallenden Grossstadtvillen beeindruckt. Also seien Sie gespannt ! Wünsche ein entspanntes Wochenende, herzliche Grüsse aus dem sonnigen Norden von Jürgen

        1. Ich war bis jetzt nur 2 Mal in Zittau, das war schon sehr beeindruckend. Für das Frühjahr habe ich mir eine Fototour vom Oderbruch runter immer an der polnischen Grenze( Görlitz) entlang wieder bis Zittau vorgenommen. Bin schon gespannt ! Ich wünsche Ihnen auch einen gelungenen Tag, beste Grüsse aus dem nebeligen hamburg in den Süden von Jürgen

          1. psschtt – stille jetzt – sonst wird mein Fernweh in jene Gegenden mit einem kalten Waschlappen geweckt :-)

            Unbedingt eine Stadtführung in Eisenhüttenstadt buchen und einen langen Rundgang (Radfahrt) in Pücklers Park von Muskau. Ein Besuch bei Krabat in der Mühle im Koselbruch ist vorstellbar . . .

            Genug davon jetzt . .

            beste Grüsse aus der novembrigen Mainspitze sende ich Ihnen, Herr Ärmel

    1. Sie arbeiten hart am Mallorca Image…die Löcher werden jetzt Oberlausitzer Seenplatte genannt und überall sind Seestrände ausgeschildert….das freut den Berliner Dauercamper der jetzt nicht mehr fliegen muss…ein weiterer Beweis das der Hauptstadtflughafen völlig überflüssig ist :-)

  2. „Und mein Bagger,der steht in der Heide, und das Erdbeben hört endlich auf!“ Gundermann.

    Herrliche Fotos. Ja, so siehts halt aus da.

    Das mit dem Waldweg und der Hinweis auf die Ölwanne: Schriebst du nicht mal, du führest(Konjunktiv -hurra) was Tiefergelegtes? Ich wollte dich schon immermal fragen, ob du da für jeden Trip 3-5 Ersatzauspuffe, -püffe, -püffs hinten auf dem Rücksitz liegen hast. Und zahlreiche Würstchenpappen und Klebeband für Notreparaturen im Conny Reimann Stil.

    1. In der Tat, ich fahre sowas…total unpraktisch für meine Ausflüge, da bräuchte ich eher einen SUV. Aber die Dinger sind nicht so meins und meinen Kombi gabs als Händlerfahrzeug gebraucht nur in der Rennversion…Prokuristenporsche genannt :-) Bisher hat er alles brav mitgemacht….sieht aber wirklich nur noch aus grosser Entfernung wie neu aus ….

    1. Thanks a lot John…today every ride is not allowed…Corona…but i hope in 2021 i am able to continue my street story. And yes, i love my 11mm :-) All the best for you, Jürgen

  3. Welch eine Reise! Finsterwalde, der Name ist Programm. Übrigens die Crystal Meth Hochburg des Ostens. Heftig…
    Ich arbeite ja für die Landesregierung Brandenburgs. Und bin da für die sogenannten Regionalen Wachstumskerne zuständig. Einer heißt Westlausitz. Dazu gehören u.a. Finsterwalde, Lauchhammer, Senftenberg. Nicht so einfach da mit dem Wachstum und der Stimmung und dem Aufbruch und dem Abbruch. Hin und wieder bin ich vor Ort. Meine Bauchschmerzen werden dabei jedesmal nicht geringer. Es beschäftigt mich sehr was da los ist, wie alles so gekommen ist und was werden soll. Auch nach Feierabend in der Verwaltung.
    Deine Bilder bringen vieles auf den Punkt. Unaufdringlich. Aber präzise.
    LG Daniel

    1. Hallo Daniel,
      das mit Finsterwalde und dem Crystal Meth wusste ich noch nicht, hätte ich dem beschaulichen Städtchen gar nicht zugetraut….Senftenberg fand ich erstaunlich belebt, Lauchhammer hingegen eine tote Stadt vollgestellt mit ehemaligen Bergbausiedlungen und Verwaltungsgebäuden, kaum Menschen auf den Strasse. High Noon um 12.00 mittags und keine Chance auf einen frischen Kaffee. Da ich aus dem Ruhrgebiet komme kam mir die Atmosphere und die Landschaft sofort bekannt vor ….lauter riesige Brachflächen. mühsam wieder aufgeforstet und die wenigen Menschen mit leerem Blick, Kneipen, Bäckereien, Läden fast alle geschlossen. Aber was will man auch machen, so eine Grosskokerei mit 5000 Arbeitsplätzen (Lauchhammer) kann man nicht eben durch neue Industrie ersetzen. Und mehr als ein Besucherbergwerk verträgt die Region auch nicht, es soll ja keine eingefrorene Museumslandschaft werden. In Dortmund gab es mal 3 Stahlwerke, 5 Kokereien und 21 Zechen…nichts ist übriggeblieben und die rechte Szene feiert sich in den billigen ehemaligen Bergmannshäusern. Das wird mehr als eine Generation dauern um sich langsam wieder neu aufzustellen ! Nachdenkliche Grüsse von Jürgen

        1. Streng dich an Daniel :-) Ich komme einmal im Jahr die B96 runter und schaue mir die Fortschritte an…. fotografisch sind solche Gegenden die sich im Umbruch befinden ja viel interessanter als das glattsanierte Hamburg ! Grüsse von Jürgen

    1. Guten Morgen Rolf,
      fühle mich momentan durchaus in einer kafkaesken Situation…besinnliche Vorweihnachtszeit mit Presslufthammeruntermalung und Umzugskistendekoration…muss jetzt mal Anlauf nehmen und eine der Türen eintreten… Lieber Gruss, Jürgen

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