Rost 1

Passend zum vorhergehenden thema passt dieser beitrag, kein still leben  aber irgendwie doch ein stilles leben….letztes jahr war ich einen tag in essen und habe dort die zeche zollverein besucht, ein museum mit dem versuch wenigstens ein teil des alten ruhrgebietes zu bewahren und der nachwelt zu erzählen was den legendären ruf dieses gebietes ausgemacht hat…man kann ja nicht das ganze gebiet unter denkmalschutz stellen.  Ich habe 10 jahre in dortmund gelebt und der geruch der kokereien und zechen ist heute noch in meiner nase… auch wenn dortmund mittlerweile abgeräumt ist und (bis auf in eving das kokerei museum) nichts mehr an die vergangenheit erinnert….zurück zu zollverein, ich habe den ganzen morgen dort fotografiert und dann nochmal spät abends zum sonnenuntergang, es war eine tolle atmosphäre aber ich kriegte kein gutes bild zustande…vielleicht kennt ihr das, wenn man schon zu viele gute bilder eines objektes gesehen hat oder das objekt zu eigen ist …also z.b. zu eindeutig in der form… ist es schwer sich davon zu lösen und etwas eigens zu gestalten… ich war jedenfalls schwer frustriert und habe sämtliche bilder der zeche erstmal ins archiv verstaut…. lediglich dieses eine welches ich heute zeige gefällt mir gut… es ist in der benachbarten kokerei aufgenommen, einer jener orte die für aussenstehende in ihrer funktion absolut rätselhaft sind und durch die vielzahl an leitungen,rohren,kabeln und kesseln an das innenleben eines riesigen tieres denken lassen… und alles ist rostig und sieht in der abendsonne glühend aus…. als ob es gleich die starttemperatur erreicht hat um wieder loszulegen.   Ich habe versucht durch doppelbelichtungen das gewirr der leitungen herauszuarbeiten ohne das bild chaotisch wirken zu lassen, die rostige spundwand symbolisiert die vorherschende materialität in ihrem istzustand und die nichtzugänglichkeit weiter teile der anlage ( gefährliche bodenbelastung etc) …. so hat sich der ausflug fotografisch doch noch gelohnt und ich werde mir im herbst mit einem jahr abstand nochmal die restlichen 300 motive der zeche aus dem archiv ansehen… veilleicht finde ich ja doch noch ein gutes bild….

working class hero

Wir sind ja mittlerweile fast alle zu reinen schreibtischtätern mutiert dank computer und co…. wenn ich so durch den hamburger hafen fahre und vollautomatisierte klinisch saubere containerterminals ohne arbeiter sehe und der einzige noch verbliebene lagerschuppen mittlerweile zum museum der arbeit umfunktioniert wurde…kam mir bei einer dieser touren die idee die reste der …schmutzigen handarbeit…archäologisch zu sichern und ihnen ein würdiges denkmal zu setzen, bevor sie von einer neuen teerschicht überdeckt werden um platz für noch mehr container zu schaffen….dreckige arbeiter mit schön verschwitzen gesichtern findet man ja kaum noch ( ausser in der werbung um für bohrmaschinen zu werben) aber gelegentlich findet man ihre seit einem halben jahr schon weggeworfenen …arbeitshandschuh… die mittlerweile mit der natur ein gemeinsames zersetzungsbiotop bilden…. nun bin ich ja still life fotograf und da lag es nahe diese objekte sorgsam zu bergen und ins studio zu transportieren…um sie dort genauso sorgsam wieder mitsamt ihrer organischen spuren auf den seziertisch zu legen und den blitzgenerator einzuschalten…die idee ist übrigends nicht neu und auch nicht von mir, ich denke da zum beispiel an eine tolle serie von irving penn , der alte weggeworfenen zigarettenpackungen fotografiert hatte….kurzum ich habe mittlerweile ca 80 paar handschuhe fotografiert im laufe von 2 jahren , ca 25 davon finde ich sehr spezifisch und interessant, hier zeige ich euch einen aus der auswahl….ich printe die ergebnisse dann auf a2+ aus , diese übergrösse von fast 60cm schafft den handschuhen dann eine eigene aura und feiert noch mal richtig die ….echte wahre handarbeit …um selber mal ins schwitzen zu kommen gehe ich dann meistens noch eine rund joggen, nachdem meine maschinen (computer,drucker) meine arbeit gut gemacht haben….

dieses wochenende in scheessel…

…findet ja das hurricane festival statt und das ist mein grossartiger beitrag dazu :-)   Ich wurde vor einiger zeit von einer grossen rotweissen tabakfirma gebeten 3 still life fotos zu machen mit denen die sponsoringplakate und eintrittskarten der open air saison bedruckt werden konnten…die packung selber durfte man nicht mehr zeigen… aber jeder der mal auf so einem festival war weiss wie es dort bei idealem sommerwetter nach 3 tagen aussieht…. ich machte mich also unverzüglich an die arbeit in meinem studio ein authentisches festivalgelände nachzubauen und dort einige kleine aber vielsagende gegenstände zu inszenieren, bei diesem bild z.b. stand die assistentin auf der leiter und tröpfelte regentropfen in die liebevoll mit kleinen löffeln gebaute pfützen….also einer der jobs die so richtig spass machen weil man spielen und basteln kann wie ein kleiner junge mit dem unterschied das sich  keine mutter mehr über die verschlammte kleidung aufregt sondern sich die ganze familie 4 wochen später über einen netten bankcheck freut … ich wünsche also allen die dieses jahr dabei sind bestes festivalwetter !

Autopanne

Jetzt hat mir gerade michael geschrieben ( s. blogrolllink muellersicht) und auf seiner seite gibt es einen photobericht über rügen und den darss… auch meine lieblingsorte, wenngleich ich persöhnlich die insel hiddensee am meisten in mein herz geschlossen habe, da darf man nicht autofahren und wenn das letzte schiff mit tagesgästen abgefahren ist kehrt eine himmlische ruhe ein…  Wo wir gerade beim autofahren und dem darrs sind… es gibt fotografische themen die verfolgen einen über jahre, immer wieder fotografiert man und stellt doch nach einiger zeit fest …hm, das war es noch nicht, irgendetwas fehlt…also nochmal versuchen, nicht aufgeben…. und so ein bild zeige ich hier, ich habe 5 jahre versucht einen schönen birkenwald zu fotografieren, es klappt nie… zu wenig bäume, zu grün, zu weit auseinander usw…. vor 2 jahren gönnte ich mir im februar eine kleine fotoreise ,es war viel schnee gefallen so das man gerade noch auf der strasse fahren konnte und irgendwo zwischen wustrow und zingst sah ich im vorbeifahren diesen wald….vollbremsung..im rückwärtsgang zurück an die stelle..aber keine möglichkeit das auto irgendwo abzustellen als mitten auf der strasse…also warnblinkanlage an ,motorhaube auf ,kamera raus und .. es kam die polizei mit stralsunder kennzeichen und fragte ob sie helfen könnten…ich zeigte auf den wald und die kamera und sie schalteten das blaulicht an und so konnte ich unter polizeischutz ein schnelles birkenwaldfoto machen.. .   ..beim einsteigen wusste ich a) manchmal ist die polizei doch ganz nett und b) ich glaube ich habe es , und auch jetzt 2 jahre später  ist das thema für mich mit diesem bild bearbeitet , der kopf wieder frei für ein neues kniffliges sujet…

jack the ripper

Ok , der titel ist ein wenig übertrieben , jedenfalls für das beschauliche hamburg ( berlin ist und bleibt die einzige deutsche grossstadt-selbst auf die gefahr hin das ich hier morgen ausgebürgert werde und mit schimpf und schande aus dem stadttor gejagt werde…)   Jedenfalls habe ich 2 jahre auf die chance gelauert die häufig fotografierte speicherstadt mal anders zu zeigen,  an einem sonntag nun musst ich sehr früh auf  das stille örtchen, blickte verschlafen durch das fenster und sah… nichts… vergass das wc, stürtzte einen heissen kaffe runter , flitze mit halb offener kameratsche 4 stockwerke runter zum auto ( jetzt war ich wach…) und los gings…. sonntags um 4.30 hat so eine stadt eine eigene charme…totale stille wird gebrochen von nach hause wankenden nachtschwärmern und an orten wo normalerweise die touristen sich die füsse platt stehen herrscht… leere.  So entstand dieses bild, nach 1std war der nebel weg und die ersten autos und busse da… und ich war müde aber nicht unzufrieden mit dem blitzstart in den sonntag…

pusteblume

Ich schrieb ja schon das eines meiner beruflichen schwerpunkte die still life fotografie ist, klassischerweise im studio, aber es geht auch anders… in diesem fall passend zur jahreszeit das bild einer pusteblume…da diese objekte nicht transportabel sind muss ich halt mich zu ihnen bewegen… und dann war da noch die idee das die blume ja eigentlich blühen müsste und diese blüte sollte irgendwie meinem thema zu tun haben… also wurde die pusteblume liebvoll vorsichtig an einen fotogenen platz getragen , dort eingegraben.. es kam ein windstoss und ich konnte die ganze aktion mit einer neuen pusteblume wiederholen…. dann endlich kamen die lippenstifte zur geltung, jeder von ihnen auf legosteinen in der richtigen höhe positioniert und an die passende stelle geschoben ( mittlerweile hatten wir gute 10 zuschauer die aus respektvoller entfernung unser merkwürdiges tun kommentierten) und fotografiert ( die assistentin hielt mit einem grossen tuch den wind ab )  … dann war es geschafft, jedenfalls fast denn die arbeit am computer kam ja noch, war aber dank der guten vorarbeit nicht mehr so schwer…

Theater

Als fotograf habe ich ja die verschiedensten möglichkeiten menschen und dinge zu inszenieren, das spektrum reicht von sehr natürlich ( s.z.b. die street art photography) bis hin zu sehr artifiziell und künstlich… das muss jeder für sich herausfinden und daraus seine bildsprache entwickeln…. Wie ihr sicher schon gemerkt habt gehöre ich eher zu den artifizellen fotografen , ich baue meine geschichten und inszeniere sie wie auf einer theaterbühne , egal ob still , people oder architektur…. nicht ganz ohne grund habe ich als weiteres hobby die modelleisenbahn, da insbesondere der modellbau…..kurzum ich erschaffe mir meine welt entsprechend der idee die  mir im kopf herumspukt…in diesem fall lernte ich das modell, eine ganz tolle gecastete frau aus bremen in einem job kennen und wir sprachen lange über ihr bild bei männern… sie sagte das sie häufig als …mänermordene blondine … angesehen werde , mit wenig verstand und sehr gefährlich…. das war genau das klischee mit dem wir hier spielen, in einer ..überinszenierung…, aber real an einem frühen sonntag morgen in hamburg fotografiert.   Das zweite bild entstammt aus derselben serie von insgesamt 6 bildern und es geht um einen piloten und einen gefallenen engel…..rest der geschichte bitte ergänzen….insgesamt ist gar nicht soviel am computer gebaut worden aber für diese art von fotografie ist es hilfreich eine art filmscript vor dem shooting zu schreiben…. sonst raucht hinterher der computer , der kopf und die wut weil man ein wichtiges detail vergessen hat zu fotografieren….

Piraten

Heute gibt es noch ein bild aus der campingplatzserie, diesmal sogar bei schönem wetter, fotografiert im januar bei gefühlten -15grad….es fasziniert mich immer wieder wie eng diese plätze bebaut sind und wie hoch dafür die hecken aus plastik oder echtholz gezogen werden… irgendwie sieht es genauso aus wie ein flachgelegtes hochhaus mit den wohnungen tür an tür.   Und dann dekoriert jeder seinen wagen als wär er der erste und einzige bewohner weit und breit und hisst die besitzstandsflagge wie bei einnahme einer einsamen insel, ich habe vermutlich auf jedem zweiten foto dieser serie wenigstens eine landesfahne im bild …. Bei diesen temperaturen zu fotografieren bedeutet für unsere heutigen elektronischen kameras hohen stress… ich habe 3 mal im laufe des tages den akku gewechselt und hatte immer einen geladenen in der warmen hosentasche, neben handy, autoschlüssel,reservebonbon und taschentuch der einzige warme platz an mir….

Kondom

Im Augenblick ist es ruhig… nicht das ihr denkt ich hätte immer soviel zeit :-)  aber typisch für den beruf des fotografen ist glaube ich die sehr merkwürdige zeit-arbeitsstruktur.  Entweder es ist so still das man unter den tisch kriecht und am anschluss des telefons wackelt weil der ja anscheinend gestört ist… oder man möchte besagtes telefon am liebsten aus dem fenster werfen weil alle zeitgleich an einem herumzerren…. ich habe mal gelesen das mönche dank ihres ruhigen monotonen tagesablaufes das höchste lebendsalter erreichen… dementsprechend dürfte es keine fotografen älter als 50 jahre geben…oder wie ein running gag in unserem beruf lautet : alle über 50 sind entweder alkoholiker oder zyniker oder beides….zu welcher gruppe ich gehöre und ob ich mich meinem zu erwartenden lebendsende schon genährt habe lasse ich hier mal aus reiner eitelkeit aussen vor…..jedenfalls habe ich zeit ein weiteres bild aus meiner campingplatzserie zu zeigen… ich musste ob der liebevollen wintervorsorge des besitzers ein wenig schmunzeln denn ein mit blauem müllsackkondom überzogener campingwagen war mir noch nicht begegnet… was tut der mensch nicht alles in liebevoller fürsorge !

Urlaub 2

Wo ich gerade beim thema urlaub war ( ich glaube ich habe noch nie urlaub gemacht, die kamera war immer dabei und irgendwann wurde dann ein fotoprojekt aus dem urlaub) dieses gebäude was ich euch zeige war auch dafür gedacht..hat zum glück nicht geklappt und der spuk hat auch nicht 1000jahre gedauert)    Es ist nicht einfach sich so einem objekt fotografisch anzunähren….ich glaube ich war über die jahre 4 mal dort….die schiere grösse, das wissen um den bauherrn und die geschichte, die beklemmung die das objekt immer noch ausstrahlt… die ersten bilder waren eher dokumentation des ganzen, was ok ist aber in meinem fall wiederum nicht da die dokumentar-und journalistische fotografie nicht zu meinen themen gehört.   Also dranbleiben was insofern möglich war das meine deutsche lieblingsinsel hiddensee praktischerweise auf der wegstrecke liegt und es in der stadt bergen auf rügen ein tolles hotel gibt, von dort ist es nach pora nicht weit ( und nach hiddensee wie gesagt auch nicht )   Ich war dann einmal im februar dort ( ich mag den monat weil er meistens ein schreckliches wetter bietet- bedeutet ein ungemütliches aber fotografisch ergiebiges wetter) und habe das gebäude nochmal bei wegschmelzendem schnee fotografiert …. nach 3 std. perspektivsuche festgestellt das es genau eine stelle gibt von der aus es mittels des 16mm weitwinkels möglich ist die anlage in ihrer ganzen grösse zu erfassen… ich finde der schnee nimmt dem ganzen etwas die ruinenästhetik und wir als eigentliche studiofotografen bezeichnen so ein vor weiss freigestelltes objekt als …freisteller… der sozusagen pur und direkt von sich erzählt ohne jede dekoration. Dieser gedanke gefiel mir in bezug auf das porabild sehr und ich wusste, total durchgefroren und durchnässt…ich habe es für mich geschafft…. hoffe ihr seht das ähnlich, ansonsten gerne kritik üben denn selbst ich bin nicht perfekt :-)….ps. etwas stimmt nicht an dem bild, dank photoshop.